Nur zwei Tage vor den US-Zwischenwahlen am 3. November 2026 erschüttert ein offener Streit die Demokraten in Michigan. Die Kongressabgeordnete Haley Stevens empfiehlt überraschend die Wahl ihres republikanischen Mitbewerbers Mike Rogers, nachdem ein parteiinterner Konflikt mit dem linken Senatskandidaten Abdul El-Sayed eskaliert ist.
Parteikollegin Haley Stevens bricht mit der Partei und stellt sich hinter Mike Rogers
Die innerparteilichen Spannungen im Swing State Michigan haben kurz vor den Midterms einen dramatischen Höhepunkt erreicht. Die demokratische Abgeordnete Haley Stevens, die in einer bitteren Vorwahl Abdul El-Sayed unterlegen war, wandte sich öffentlich gegen ihren Parteikollegen. In einer gemeinsamen Erklärung mit dem Republikaner Mike Rogers begründete sie ihren Schritt mit der Rhetorik des linken Kandidaten.
Was Kinder und Schüler vorgelebt bekämen und was die Bürger Michigans ausmache, habe nichts mit Hass zu tun, erklärte Stevens öffentlich. Zuvor hatte ihr Wahlkampfteam bereits gemeldet, dass El-Sayeds Team sie gebeten habe, von gemeinsamen Wahlkampfauftritten fernzubleiben.
Die Reaktion des Parteiestablishments folgte prompt. Der demokratische Minderheitsführer im US-Senat, Chuck Schumer, warf Stevens einen verachtenswerten Verrat vor. Mehrere Mitarbeiter aus ihrem Stab traten unmittelbar nach der Bekanntgabe zurück. Auch der Vorsitzende der Demokraten in Michigan, Curtis Hertel, kritisierte, sie habe alles aufgegeben, was ihr wichtig sein sollte.
Abdul El-Sayed zeigt sich unbeeindruckt und setzt auf den Kontrast im Swing State
Der 41-jährige Mediziner Abdul El-Sayed reagierte demonstrativ gelassen auf den offenen Seitenwechsel seiner früheren innerparteilichen Rivalin. Vor Journalisten erklärte der progressive Politiker, dass seine Gedanken ganz woanders lägen.
El-Sayed, der der erste muslimische US-Senator in der Geschichte des Landes werden könnte, führt einen Wahlkampf mit scharfen linken Forderungen. Er tritt für eine staatliche Gesundheitsversorgung für alle ein. Seine Positionen zum Nahostkonflikt und sein Umfeld sorgen jedoch für tiefe Risse. Kritiker werfen ihm Verbindungen zum islamistischen Spektrum vor, während seine Anhänger betonen, dass er mit Themen wie den prekären Lebensbedingungen die Nöte der Wähler im industriell geprägten Michigan treffe.
Donald Trump und die Republikaner instrumentalisieren den innerdemokratischen Konflikt
Für das republikanische Lager kommt der offene Bruch im gegnerischen Block kurz vor der Wahl wie gerufen. US-Präsident Donald Trump feierte den Schritt auf seiner Plattform Truth Social mit den Worten Wow, das ist eine große Sache! und lobte Stevens dafür, dass sie Mut bewiesen habe.

Gleichzeitig nahmen Trump und sein Mitbewerber Mike Rogers den demokratischen Kandidaten massiv unter Beschuss. Trump bezeichnete El-Sayed provokativ mit seinem zweiten Vornamen Mohamed und beschimpfte ihn als Dschihadisten, während Rogers vor einer extremen Ideologie warnte. Diese scharfe Gangart trifft auf einen Bundesstaat, in dem die demografischen Verhältnisse ohnehin komplex sind: Auf rund zehn Millionen Einwohner kommen etwa 130.000 jüdische und 250.000 muslimische Bürger, wobei letztere besonders im Großraum Detroit und in Dearborn stark vertreten sind.
Offene Fragen und die Bedeutung für die Mehrheitsverhältnisse im Kongress
Ob der Streit der Demokraten in Michigan ausreicht, um den Ausgang des eng umkämpften Senatsrennens zu kippen, ist völlig offen. Jüngste Umfragen sahen El-Sayed leicht in Führung, doch die Wählerschaft in dem traditionellen Swing State ist tief gespalten. Während linke Wähler und palästinensischstämmige Gemeinden seine Positionen unterstützen, treibt seine Rhetorik moderate und jüdische Wähler in großer Zahl zu den Republikanern oder lässt sie ratlos zurück.
Bei den Zwischenwahlen am Dienstag werden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und 35 der 100 Sitze im US-Senat neu vergeben. Die Republikaner verteidigen hauchdünne Mehrheiten in beiden Kammern. Sollte der Sitz des ausscheidenden demokratischen Senators Gary Peters in Michigan an die Republikaner fallen, könnte dies entscheidenden Einfluss darauf haben, wer am Ende die Kontrolle über den Senat gewinnt.