Die demokratische Kongressabgeordnete Haley Stevens hat kurz vor den Zwischenwahlen in den USA überraschend den Republikaner Mike Rogers für den US-Senat in Michigan unterstützt und damit die Demokraten im US-Bundesstaat Michigan tief erschüttert.
In den letzten Stunden vor der Öffnung der Wahllokale am Dienstag hat eine der umstrittensten Senatswahlen des Landes eine dramatische Wendung genommen. Die US-Abgeordnete Haley Stevens, die im August die demokratische Vorwahl in Michigan knapp gegen Abdul El-Sayed verloren hatte, erklärte am Sonntag öffentlich ihre Unterstützung für den Republikaner Mike Rogers. Dieser Schritt sorgt in Washington für hektische Reaktionen im Endspurt der Midterm-Wahlen.
Streit um Israel-Politik und internet-Kommentare
Der Parteiaustritt im Geiste bahnte sich über Wochen an. Im Zentrum des Konflikts steht die US-Politik gegenüber Israel sowie der Umgang mit umstrittenen Personen, die den demokratischen Kandidaten El-Sayed im Wahlkampf begleitet hatten. Stevens, eine ausgesprochene Befürworterin Israels, störte sich massiv an der Nähe ihres Parteifreundes zu dem bekannten Polit-Streamer Hasan Piker und an der Rhetorik rund um den Wahlkampf. Sie forderte von El-Sayed, eine umstrittene Anzeige des PACs von Cenk Uygur zurückzuweisen, in der Israel für hohe US-Lebensmittelpreise verantwortlich gemacht wurde.
David Kramer, der frühere Wahlkampfleiter von Stevens, erklärte gegenüber Jewish Insider, dass er trotz schwerer Bedenken gegenüber Rogers ebenfalls für den Republikaner stimmen werde, da El-Sayeds Rhetorik einen unerträglichen Grad an Extremismus erreicht habe.

Die Spannungen eskalierten am Wochenende, als eine gemeinsame Teilnahme an einem Kirchengottesdienst in der Perfecting Church in Detroit platzte. Stevens hatte verlangt, dass El-Sayed sich von externen Wahlwerbungen distanziert und eine Entschuldigung ausspricht. Stattdessen wurde die Kongressabgeordnete, die zuvor noch per SMS an einen Freund die genaue Adresse des Gottesdienstes verschickt hatte, laut NBC News von der Teilnahme ausgeladen.
Haley Stevens erklärte laut Al Jazeera: „Unser demokratischer Kandidat für den US-Senat, Abdul, sagte, ich sei in seiner Kampagne nicht mehr willkommen und solle mich fernhalten, und er hat Recht.
In einer am Sonntag veröffentlichten Videobotschaft zog sie die Konsequenzen aus der Ausladung. Ich stimme mit den Demokraten bei 90 Prozent meiner Entscheidungen überein, erklärte sie später, betonte jedoch, dass sie den ihrer Ansicht nach geduldeten Hass nicht mittragen könne.
Reaktionen aus dem Parteiapplak und Rücktritte im Stab
Die Parteiführung reagierte scharf auf den überraschenden Frontwechsel. Der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Chuck Schumer, nannte den Schritt einen verabscheuungswürdigen Verrat, während der Vorsitzende der Demokratischen Partei in Michigan, Curtis Hertel, laut NPR erklärte, sie habe alles verraten, was ihr jemals wichtig gewesen sei. Virgie Rollins, Vorsitzende des Black Caucus beim Democratic National Committee, bezeichnete Stevens gegenüber The Daily Beast als Sellout
, die schwarze Wähler für ein politisches Manöver benutzt habe.
Die internen Folgen blieben nicht aus. Noch am Sonntag gaben mehrere enge Mitarbeiter der Abgeordneten ihren Rücktritt bekannt. Ihr langjähriger Stabschef Justin German erklärte in einer Erklärung gegenüber MS NOW im Namen des Teams, man sei schockiert und erschüttert über die Entscheidung, den republikanischen Kandidaten zu unterstützen und voll und ganz hinter Abdul El-Sayed zu stehen.
Das Kalkül der Republikaner und Reaktionen aus dem Wahlkampf
Auf der Gegenseite wurde der Vorfall als politischer Befreiungsschlag gefeiert. Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump begrüßte die Entwicklung auf Truth Social als BIG!
und lobte Stevens laut The Independent für ihren Mut und ihre beispiellose Loyalität gegenüber den Menschen in Michigan. Mike Rogers selbst zeigte sich geehrt, feierte die gemeinsame Zeit in der Kirche und erklärte, er freue sich über die Unterstützung einer langjährigen politischen Kontrahentin.

Abdul El-Sayed versuchte indessen, die Aufmerksamkeit von dem parteiinternen Drama abzulenken, während er am Sonntag an einem anderen Gottesdienst in Detroit im Beisein von Größen wie dem Kongressabgeordneten Jim Clyburn teilnahm. Vor Anhängern betonte er, dass die Wähler sich auf die dringenden wirtschaftlichen Probleme des Alltags konzentrieren müssten. Eigentlich denke ich überhaupt nicht an Haley Stevens
, sagte El-Sayed vor Reportern und verwies stattdessen laut NPR auf Familien, die sich Sorgen um Schulmahlzeiten und Arztrechnungen machen.
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