Eine neue, in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Studie mit 70.000 Teilnehmern zeigt, dass die Gürtelrose-Impfung das Risiko für Herzinfarkte, Herzinsuffizienz und Schlaganfälle bei über 60-Jährigen in den ersten Jahren nach der Verabreichung deutlich senken kann, was Forscher als potenziell enormen gesundheitlichen Schutz bewerten.
Im höheren Alter steigen die Risiken für kardiovaskuläre Erkrankungen wie Herzinfarkte und Schlaganfälle an, wobei Bluthochdruck und verkalkte Gefäße diese Gefahren weiter verschärfen. Wissenschaftler haben nun jedoch einen bemerkenswerten Nebeneffekt im Zusammenhang mit der Gürtelrose-Impfung nachgewiesen, der den Schutz des Herz-Kreislauf-Systems grundlegend beeinflussen könnte.
Gesundheitsdaten von 70.000 Personen untersucht. Für die Analyse, die kürzlich im Fachmagazin Nature veröffentlicht wurde, werteten Forscher die Gesundheitsdaten von 70.000 Menschen im Alter ab 60 Jahren aus. Dabei beobachteten sie, wie sich das kardiovaskuläre Risiko über einen Zeitraum von sieben Jahren nach einer Erst- und Zweitimpfung gegen Gürtelrose entwickelte. Im Mittelpunkt stand dabei der rekombinante Impfstoff Shingrix, wie aus aktuellen Berichten hervorgeht.
Dr. Dennis Ballwieser zu Shingrix und den Ergebnissen
In den Vereinigten Staaten wurde der bis dahin verwendete Lebendimpfstoff im Jahr 2017 weitgehend durch einen rekombinanten Impfstoff ersetzt. So konnte die Studie zwei Gruppen mit unterschiedlichen Impfstoffen vergleichen. Dr. Dennis Ballwieser, Arzt und Chefredakteur der Apotheken Umschau, fasst die Ergebnisse zusammen und ordnet sie ein.

Zwölf Prozent weniger kardiovaskuläre Ereignisse
Zwölf Prozent weniger kardiovaskuläre Ereignisse. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen einen spürbaren Rückgang schwerwiegender Herzerkrankungen. Shingrix, der Impfstoff zur Vorbeugung von Gürtelrose, war in den ersten dreieinhalb Jahren nach der Impfung mit einer zwölfprozentigen Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse – darunter Herzinfarkt, Herzinsuffizienz und Schlaganfall – verbunden. Die Wirkung verringerte sich mit den Jahren. Am Ende des Beobachtungszeitraums war die Impfung mit einem um vier Prozent geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. Auch wenn das auf den ersten Blick geringe Werte sind, könnte dies einen erheblichen Einfluss auf die Gesundheit der über 60-Jährigen haben, schreiben die Forscher in der Studie.
Maxime Taquet von der Universität Oxford
Maxime Taquet ist Dozent an der Universität Oxford und hat die Studie geleitet. Gegenüber dem britischen „Guardian“ sagte er: „Sollte sich dies in klinischen Studien bestätigen, könnte die Impfung älterer Erwachsener gegen Gürtelrose weltweit Hunderttausende von koronaren Herzkrankheiten, Schlaganfällen und Herzinsuffizienzfällen verhindern. Damit wäre sie eine der wirksamsten Maßnahmen, die wir zum Schutz von Gehirn und Herz im höheren Alter anbieten könnten.”

Shingrix und das Risiko von Demenz
Mögliche Ursachen und Reaktionen. Immer mehr Forschungsarbeiten deuten darauf hin, dass der Gürtelrose-Impfstoff Shingrix weit mehr kann als nur vor einer schmerzhaften Viruserkrankung zu schützen. Wissenschaftler untersuchen zunehmend, ob die Vakzine auch das Demenzrisiko senken und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen kann. Die Ergebnisse sind vielversprechend, doch Mediziner mahnen zur Vorsicht. Biohacker und Gesundheitsoptimierer setzen verstärkt auf den Gürtelrose-Impfstoff, um Herzproblemen vorzubeugen und Demenz hinauszuzögern. Die Idee dahinter: Eine Impfung könnte nicht nur das Immunsystem gegen Viren stärken, sondern auch entzündliche Prozesse im Körper reduzieren, die mit Alterungserscheinungen und neurodegenerativen Erkrankungen in Verbindung gebracht werden. Doch die medizinische Fachwelt bleibt skeptisch. Ärzte fordern klinische Evidenz aus strengen, randomisierten Studien, bevor sie ihren Patienten entsprechende Empfehlungen aussprechen können. Die bisherigen Daten stammen aus Beobachtungsstudien, die zwar statistische Zusammenhänge zeigen, aber keine Kausalität beweisen.
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