Fünf österreichische Bundesländer fordern in einem gemeinsamen Schreiben vom 27. Oktober 2026 von Bundeskanzler Christian Stocker und Verkehrsminister Peter Hanke die vollständige Abschaffung der nationalen Flugabgabe. Der Vorstoß erfolgt angesichts sinkender Passagierzahlen am Flughafen Wien-Schwechat und scharfer Konkurrenz durch Nachbarstaaten ohne Ticketsteuer.
Die Front gegen die bundesweite Ticketsteuer im Luftverkehr wächst massiv. Die Landeshauptleute von Tirol, Salzburg, Oberösterreich, der Steiermark und Kärnten — Anton Mattle, Karoline Edtstadler, Thomas Stelzer, Mario Kunasek und Daniel Fellner — haben sich in einem offenen Brief an die Regierungsspitze gewandt und das sofortige Ende der Abgabe verlangt. Zuvor hatten bereits Wien und Niederösterreich wegen der schwierigen Lage am Flughafen Wien-Schwechat dieselben Schritte gefordert. Unterstützt wird diese Forderung zudem von der Industriellenvereinigung Niederösterreich, den Wirtschaftskammern beider Bundesländer sowie dem Klubobmann der Volkspartei Niederösterreich, Kurt Hackl.
Wirtschaftlicher Druck und sinkende Passagierzahlen am Airport Wien-Schwechat
Im September verzeichnete der Flughafen Wien-Schwechat exakt 2.910.597 Fluggäste, was einem Rückgang von 7,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat entspricht. Im Zeitraum von Jänner bis September 2026 betrug das Minus insgesamt 4,5 Prozent. Verantwortlich dafür sind laut Flughafenangaben gestrichene Verbindungen infolge der Krise im Nahen Osten sowie ein reduziertes Angebot von Billigfluglinien. Wizz Air hat den Standort Wien demnach verlassen, während Ryanair Flugzeuge in die Slowakei verlegt hat.
Die nationale Flugabgabe beläuft sich aktuell auf zwölf Euro pro Ticket, wobei für Kurzstrecken unter 350 Kilometern 30 Euro fällig werden. Kritiker sehen darin einen schweren Standortnachteil. Die Abgabe wurde im Jahr 2011 eingeführt; spätere Regierungen senkten die Beträge teils deutlich, und die heutigen Sätze gelten seit dem Pandemiejahr 2020. Nach Angaben des Dachverbands Luftfahrt hat der nahegelegene Flughafen Bratislava, der rund 55 Kilometer entfernt liegt und wo das Kostenniveau um ein Drittel niedriger ist, sein Passagieraufkommen stark gesteigert, da Airlines Kapazitäten über die Grenze verlagert haben. Demgegenüber zählte der Flughafen Wien-Schwechat zwischen Jänner und September mehr als 23,5 Millionen Fluggäste.

Prognosen über Wertschöpfung und die Reaktion der Bundesregierung
Berechnungen des heimischen Luftfahrtverbandes zufolge könnten ohne die Abgabe jährlich rund 2,5 Millionen zusätzliche Passagiere in Österreich abgefertigt werden. Dies würde eine zusätzliche Wertschöpfung von rund 188 Millionen Euro, etwa 2.500 neue Arbeitsplätze sowie unter Berücksichtigung zusätzlicher Touristinnen und Touristen rund 210 Millionen Euro an zusätzlichen fiskalischen Effekten ermöglichen, während die Abgabe selbst derzeit nur rund 160 bis 180 Millionen Euro einbringt.
Mögliche Änderungen sind also budgetrelevant und bedürfen weiterer Gespräche. Das BMF wird dabei auf die Sicherstellung der Budgetplanung achten.
Finanzministerium, Stellungnahme gegenüber dem Falter
Verkehrsminister Peter Hanke hat der Luftfahrt im Doppelbudget 2027/28 eine jährliche Krisenhilfe in Höhe von 30 Millionen Euro zugesagt. NEOS-Verkehrssprecher Dominik Oberhofer erklärte unterdessen, dass auf Bundesebene bereits über eine mögliche Senkung verhandelt
werde.
Gegensätzliche Positionen aus Wirtschaft und Arbeitnehmervertretungen
Neben den Ländern fordern auch die Industriellenvereinigung und die Wirtschaftskammern ein Ende der Belastung. Die Wirtschaft sieht den Tourismus, den Arbeitsmarkt und die internationale Erreichbarkeit des Landes akut gefährdet. Wirtschaftskammern und Industrie verweisen auf internationale Geschäfte; die Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien, Margarete Kriz-Zwittkovits, betonte die Bedeutung internationaler Verbindungen für eine exportorientierte Wirtschaft und für Betriebsansiedlungen. Der Präsident der Wirtschaftskammer NÖ, Wolfgang Ecker, warnte vor nationalen Sonderbelastungen als „Schuss ins eigene Knie“.”
Widerstand kommt dagegen von Arbeitnehmervertretungen und Umweltschutzorganisationen. WWF-Klimasprecherin Viktoria Auer forderte in einer Aussendung eine klare Absage von Bundeskanzler Stocker und Verkehrsminister Hanke an den Vorstoß und erklärte, dass eine Flugabgabe notwendig sei, um Vielfliegen einzudämmen und das Klima zu schützen. Auch die Grünen kritisierten die Pläne als den komplett falschen Weg.

Einige Stimmen plädieren stattdessen für eine Weiterentwicklung der Abgabe.
Die Landeshauptleute forderten in ihrem Schreiben zudem, dass sich Österreich auf EU-Ebene für eine europaweite Flugabgabe einsetzen solle, damit Billigfluglinien die Flughäfen nicht länger gegeneinander ausspielen können.
Unterstützung für den offenen Brief der Landeschefs kam auch vom Österreichischen Flughafenverband AÖV.

Die Debatte über die Zukunft der Ticketsteuer bleibt damit auf Bundes- und Länderebene hochaktuell, während die Koalitionsregierung aus ÖVP, SPÖ und NEOS weiterhin über mögliche Anpassungen berät.
Die beteiligten Länder betonen in ihrer gemeinsamen Erklärung, dass leistungsfähige Regionalflughäfen und verlässliche internationale Flugverbindungen unverzichtbare Infrastruktureinrichtungen für den Tourismus, die lokale Wirtschaft sowie die Beschäftigung in den Regionen darstellen und deshalb von zusätzlichen Kostenbelastungen befreit werden müssen.
Ob die Bundesregierung den Forderungen der insgesamt sieben Bundesländer und der Branchenvertretungen nachgeben oder am bisherigen Steuermodell festhalten wird, ist angesichts der anstehenden Budgetverhandlungen und der divergierenden Argumente zum Klimaschutz weiterhin offen.
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