Agenten des Federal Bureau of Investigation führten einen rekordverdächtigen Kryptowährungsdiebstahl im Wert von 6,3 Milliarden US-Dollar bei Binance auf nordkoreanische Hacker zurück, die unter der Bezeichnung TraderTraitor operieren. Der innerhalb weniger Minuten ausgeführte Einbruch markiert den größten Raub digitaler Währungen in der Geschichte und löste dringende Aufrufe des FBI an Börsen aus, Transaktionen zu blockieren.
Die weltweit größte Kryptobörse Binance geriet ins Visier hochgradig automatisierter Täter, als innerhalb von nur zwanzig Minuten rund 6,3 Milliarden US-Dollar in Bitcoin und weiteren digitalen Währungen entwendet wurden. Nach Angaben von Ermittlern weist der Vorfall sämtliche Merkmale eines staatlich gesteuerten Angriffs auf. Das Federal Bureau of Investigation (FBI) machte am Samstag eine Hackergruppe namens TraderTraitor für den Raub verantwortlich.
Dieselbe Gruppierung stehe bereits hinter dem Diebstahl von 1,5 Milliarden US-Dollar von der Plattform Bybit im Vorjahr.
Das FBI benennt TraderTraitor
Sicherheitsforscher und Ermittlungsbehörden zeigten sich alarmiert über das enorme Tempo und die technische Raffinesse des Angriffs. Chainalysis-Forschungsleiter Eric Jardine wies darauf hin, dass die Transaktionen in einer Frequenz und auf einer Skala abliefen, die menschliche Freigaben ausschließen.

Binance-Co-Chef Richard Teng erklärte, die Angreifer hätten einen automatisierten Selbstzerstörungsmechanismus eingesetzt, der sowohl die genutzten Werkzeuge als auch sämtliche Spuren vernichtete. Während das Unternehmen zunächst von einem kompromittierten Ingenieurs-Laptop ausging, bestätigte eine spätere Aktualisierung die Identifizierung zusätzlicher Einbruchspunkte. Richard Teng betonte zudem in einer offiziellen Erklärung, dass Binance sich verpflichtet habe, die verbleibenden 10 Prozent der Summe zu decken, sodass Nutzer keinen finanziellen Schaden durch den Vorfall erleiden werden.
Binance kündigt Erstattung an
Trotz des gigantischen Verlusts versicherte die Leitung der Handelsplattform, dass Kunden keine finanziellen Einbußen erleiden werden. Das Unternehmen gab am Samstag über Associated Press bekannt, dass ausreichende Reserven in der gestohlenen Kryptowährung bereitstehen, um 90 Prozent der fehlenden Vermögenswerte sofort abzudecken. Die restlichen 10 Prozent bestehen aus weniger liquiden Token, deren ersatzweise Beschaffung mehr Zeit in Anspruch nimmt. Binance setzte die Auszahlungen nach dem Hack vorübergehend aus, kündigte jedoch an, den regulären Betrieb am Sonntag wieder aufzunehmen.
Die Hacker bauten dabei auf langjährige Erfahrungen bei Cyberangriffen auf. In der Vergangenheit versuchten nordkoreanische Täter bereits im Jahr 2016, rund eine Milliarde US-Dollar von der Zentralbank von Bangladesch zu stehlen, wobei letztlich 81 Millionen US-Dollar erbeutet wurden. Bei dem berüchtigten Angriff auf Sony Pictures im Jahr 2014, bei dem eine satirische Komödie über die Ermordung des nordkoreanischen Machthabers im Mittelpunkt stand, sahen US-Offizielle ebenfalls nordkoreanische Hacker der Lazarus-Gruppe am Werk. Bei dem Angriff im Jahr 2014 lief eine satirische Komödie.
Der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un bezeichnete den Film damals seinerseits als einen Terrorakt.
Geldwäsche über Ethereum
Das FBI wandte sich mit einer dringenden Warnung an Kryptobörsen und Blockchain-Analysten, Transaktionen im Zusammenhang mit den verdächtigen Adressen zu blockieren, um eine Verschleierung der Herkunft zu verhindern. Behördenangaben zufolge konvertierten die TraderTraitor-Akteure die erbeuteten Gelder in großem Stil in die Kryptowährung Ethereum, um sie anschließend über dezentrale Finanzen und sogenannte Instant-Swap-Dienste weiterzuleiten.
Ari Redbord, Chief Policy Officer bei TRM Labs, verglich die Vorgehensweise mit einem herkömmlichen Banküberfall, der sich jedoch im digitalen Zeitalter mit enormer Geschwindigkeit abspielt. Ermittler versuchen nun, die Transaktionen in Echtzeit nachzuverfolgen, um Gelder einzufrieren und Angriffe dieser Art künftig schneller zu unterbinden.
Politische Unstimmigkeiten über die Zurechnung
Während die US-Bundespolizei die Verantwortung klar der nordkoreanischen Hackergruppe zuweist, sorgte Präsident Donald Trump am Samstagabend mit zurückhaltenden Äußerungen für Unklarheit. Am Rande einer Halloween-Feier erklärte er gegenüber Reportern in Mar-a-Lago, die Regierung wisse noch nicht genau, ob Nordkorea hinter dem Vorfall stecke. Am Rande einer Halloween-Feier erklärte er zudem gegenüber Reportern, die Ermittlungen seien noch im Gange.