Ein Streit um den Nachlass von George Michaels langjähriger Assistentin Siobhan Bailey spaltet die Familie vor einer Auktion am Donnerstag in England. Im Zentrum der Kontroverse steht die legendäre Gretsch-Synchromatic-Gitarre aus dem Musikvideo zu Faith
, deren Wert auf bis zu 120.000 Pfund geschätzt wird.
Das Erbe von Siobhan Bailey und die umstrittene Auktion bei Sworders
Am Donnerstag bringt das Auktionshaus Sworders 32 Posten aus dem Nachlass von Siobhan Bailey unter den Hammer. Bailey arbeitete zwei Jahrzehnte lang als persönliche Assistentin und Vertraute von George Michael, nachdem sie 1984 – dem Jahr des Wham!-Nummer-eins-Hits Wake Me Up Before You Go-Go
– an die Seite des Sängers getreten war. Sie starb 2014 im Alter von 56 Jahren überraschend an natürlichen Ursachen. Da sie zum Zeitpunkt ihres Todes von ihrem Ehemann Ian Belcher getrennt lebte, jedoch rechtlich noch mit ihm verheiratet war und kein gültiges Testament hinterließ, ging ihr gesamter Nachlass automatisch an Belcher über. 12 Jahre nach ihrem Tod hat sich ihr entfremdeter Ehemann nun dazu entschlossen, die persönlichen Erinnerungsstücke öffentlich versteigern zu lassen.
Das Auktionshaus bewirbt die Sammlung als remarkable group of memorabilia from the collection of Siobhan Bailey, George Michael’s long-time personal assistant and trusted confidante
. Neben dem prominenten Musikinstrument umfasst der Katalog persönliche Gegenstände wie eine Filofax-Agenda aus der Tournee von 1988 mit handschriftlichen Notizen, eine signierte Wham!-Fotografie sowie die personalisierten Gold- und Platinschallplatten, die Bailey für die Verkaufsmeilensteine von George Michaels Musik erhalten hatte. Während der Versteigerer und der Verkäufer bisher schwiegen, regt sich im familiären Umfeld heftiger Widerstand gegen die Kommerzialisierung dieser Erinnerungen.
Gerard Bailey wirft Ian Belcher Ausverkauf und Etikettenschwindel vor
Siobhans Bruder Gerard Bailey hat in einem Brief an das Auktionshaus schwere Vorwürfe gegen den Witwer erhoben und der BBC Einblick in seine Sichtweise gewährt. Er argumentiert, dass seine Schwester zu Lebzeiten would have horrified at the prospect of the auction being held in her name and that her personal, cherished possessions are being sold off to the highest bidder
. Nach Angaben der Familie war Bailey kurz vor ihrem Tod dabei, ein Testament aufzusetzen, das die Besitztümer ihren Nichten und Neffen vermacht hätte; das Dokument wurde jedoch vor ihrem Tod nicht mehr registriert.
Ich denke, sie wäre am Boden zerstört, dass etwas so Persönliches wie ihr Filofax und Notizen von George zu haben sind. Das ist einfach so geschmacklos und widerspricht völlig ihrer Art.
Gerard Bailey, Bruder von Siobhan Bailey
Gerard Bailey bezeichnete das Vorgehen des Schwagers als breach of [Siobhan’s] privacy
, wholly unethical
und egregiously shameful
. Er räumte zwar ein, dass Ian Belcher nach geltendem Recht über die Gegenstände verfügen darf, nannte es jedoch disingenuous
, den Verkauf im Namen seiner verstorbenen Schwester zu bewerben. Das Ganze sei frankly dishonourable
und ein reiner Versuch, zwölf Jahre nach dem Tod Kapital aus ihrem Namen zu schlagen.
Die Bedeutung der Faith-Gitarre und das Interesse der Sammler
Das wertvollste Stück der Auktion ist eine Gretsch-Synchromatic-Gitarre, die George Michael im legendären 1987er-Video zu Faith
spielte. Damals war der Musiker in zerrissenen Levi’s-Jeans, weißem T-Shirt und schwarzer Lederjacke zu sehen, wie er das Instrument in die Hand nahm, das er kurz zuvor in einem Geschäft in Los Angeles erworben hatte. Das Magazin Guitarist bezeichnete das Instrument unlängst als arguably the most famous Gretsch Synchromatic in the world
. Der Schätzpreis für die Gitarre liegt zwischen 60.000 und 120.000 Pfund.

Andere, weniger wertvolle aber intimere Erinnerungsstücke haben ihre ursprünglichen Schätzungen bereits im Vorfeld der Auktion weit übertroffen. So war für das genannte Filofax mit handschriftlichen Notizen zunächst ein Höchstgebot von rund 600 Pfund veranschlagt worden; im Vorfeld der Live-Auktion lag das aktuelle Gebot bereits bei 1.750 Pfund. Musikfans und Historiker blicken daher besorgt auf den Termin und hinterfragen, ob solche bedeutsamen Kulturgüter in private Hände verstreut oder für die Öffentlichkeit in Archiven bewahrt werden sollten.