US-Senatorin Lisa Murkowski hat im Gouverneursrennen in Alaska überraschend den demokratischen Kandidaten Jonathan Kreiss-Tomkins unterstützt. Die parteiübergreifende Schützenhilfe für den früheren Abgeordneten erfolgt kurz vor der Wahl am kommenden Dienstag, während das konservative Lager durch drei konkurrierende Bewerber gespalten ist.
In einer am Dienstag bekannt gegebenen Erklärung begründete Senatorin Murkowski ihre Unterstützung für Jonathan Kreiss-Tomkins, der von Anhängern meist JKT genannt wird, mit dessen pragmatischem Ansatz und seiner Gesprächsbereitschaft. Sie bezeichnete ihn als einen Politiker mit gesundem Menschenverstand, der die Fähigkeit besitzt, zusammenzuarbeiten.
Die Entscheidung der republikanischen Senatorin stellt einen offenen Bruch mit ihrer Partei dar und sorgt für neuen politischen Zündstoff im US-Bundesstaat. Neben Kreiss-Tomkins und seinem parteiunabhängigen Vizekandidaten Zac Johnson treten drei Republikaner bei der Abstimmung an: die von Ex-Präsident Donald Trump unterstützte Kleinunternehmerin Bernadette Wilson, der ehemalige Generalstaatsanwalt Treg Taylor sowie der frühere Bürgermeister von Anchorage, Dave Bronson.
Geteilte Front im konservativen Lager und Donald Trumps Kritik
Das konservative Spektrum geht mit drei namhaften Bewerbern in das Rennen, um die Nachfolge des amtsmüden, termingebundenen republikanischen Gouverneurs Mike Dunleavy anzutreten, der keine dritte Amtszeit anstreben darf. Trump hatte Dunleavy in früheren Wahlkämpfen unterstützt, stellt sich in diesem Jahr jedoch hinter Bernadette Wilson. Kritiker weisen darauf hin, dass die Stimmen der Konservativen durch das dreigeteilte Bewerberfeld stark zersplittert werden.
Das in Alaska geltende System der Rangfolgewahl, die sogenannte Ranked-Choice-Voting-Methode, sorgt dafür, dass Wähler ihre Präferenzen abstufen können. In Umfragen liegt Kreiss-Tomkins vorn. Ein im September veröffentlichter New-York-Times-Siena-Poll sah ihn bei rund 40 Prozent der Stimmen, gefolgt von Wilson mit 20 Prozent, Bronson mit 15 Prozent und Taylor mit 11 Prozent. Analysen von Wahlbeobachtern zeigen, dass Wilson in späteren Runden der Stimmenübertragung nicht ausreichend von den Anhängern der unterlegenen republikanischen Mitbewerber profitiert.
Die Unterstützung für den Demokraten brachte Murkowski heftige Kritik aus dem eigenen Parteigewächs ein. Trump schoss auf der Online-Plattform Truth Social scharf gegen die Senatorin und bezeichnete sie als die mit Abstand schlechteste Senatorin der Republikaner sowie als Schande für den Bundesstaat.
Familienbande und frühere Gouverneure im Schulterschluss
Lisa Murkowski ist in Alaska nicht die einzige prominente Stimme aus ihrer Familie, die sich für den demokratischen Herausforderer ausspricht. Auch ihr Vater, der frühere republikanische Senator und Gouverneur Frank Murkowski, wandte sich in einem gemeinsamen Appell an die Öffentlichkeit. Gemeinsam mit dem ehemaligen unabhängigen Gouverneur Bill Walker und dem demokratischen Ex-Gouverneur Tony Knowles veröffentlichte er eine Erklärung in der Anchorage Daily News, in der sie Kreiss-Tomkins als fähigen Problemlöser würdigten.

Wir kommen aus unterschiedlichen politischen Hintergründen, haben verschiedene Perspektiven und waren uns bei den Problemen unseres Staates nicht immer einig. Aber uns verbindet ein tiefes Engagement für Alaska und seine Zukunft.
Frank Murkowski, Tony Knowles und Bill Walker, via Anchorage Daily News
Gegner des Kandidaten wie Treg Taylor kritisierten diesen überparteilichen Schulterschluss scharf. Taylor warf dem Bewerber vor, neue Steuererlastungen zu planen und die Dividenden aus dem Alaska Permanent Fund zu gefährden.
Wirtschaftspolitik und die ungelöste Zukunft der Staatsförderung
Im Zentrum der inhaltlichen Debatte steht auch die staatliche Entwicklungsbehörde Alaska Industrial Development and Export Authority, kurz AIDEA. Kritiker und Umweltschutzgruppen wie SalmonState werfen der Einrichtung vor, über Jahrzehnte hinweg öffentliche Gelder verschwendet zu haben, während Befürworter auf jährliche Dividenden für die Staatskasse verweisen.
Kreiss-Tomkins hat angekündigt, die Strukturen der Entwicklungsbehörde bei einem Wahlsieg grundlegend auf den Prüfstand zu stellen. Wie sich seine Pläne mit einer pragmatischen Wirtschaftspolitik vereinbaren lassen, bleibt vor dem Gang an die Urnen am 3. November eine der zentralen Fragen für die Wählerschaft in Alaska.
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