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Technik und Wissenschaft

Tallinn: Lieferroboter löst Busunfall mit neun Verletzten aus

Bis zu neun Menschen sind in der estnischen Hauptstadt Tallinn bei einem Verkehrsunfall verletzt worden, den ein selbstfahrender Lieferroboter ausgelöst hat. Nach Angaben der Tallinner Verkehrsbetriebe TLT missachtete das kleine Zustellfahrzeug an einer Kreuzung eine rote Ampel und fuhr in den fließenden Verkehr ein. Um einen direkten Zusammenstoß zu verhindern, leitete der Busfahrer eine abrupte Bremsung ein. Durch das scharfe Abbremsen stürzten im Inneren des Stadtbusses stehende Passagiere, wie Ad-hoc-news.de berichtete.

Der Vorfall ereignete sich am Montagabend an der Kreuzung der Straßen Luise und Tehnika im Stadtteil Kristiine. Der Roboter bewegte sich aus Richtung der Tehnika-Straße auf den Fußgängerüberweg zu, als er die geltenden Lichtzeichen ignorierte. Nach Angaben des Verkehrsunternehmens bestätigten sowohl der Busfahrer als auch weitere unbeteiligte Verkehrsteilnehmer diesen Hergang gegenüber dem estnischen Rundfunk. Die TLT veröffentlichten zudem Videomaterial von der Kollision in den sozialen Medien. Durch das Bremsmanöver und den Aufprall wurde der Roboter über die Straße geschleudert, setzte seine Fahrt nach dem Zusammenstoß jedoch unvermittelt fort, anstatt am Unfallort zu verbleiben.

Reaktionen von Verkehrsbetrieben und Hersteller

TLT-Vorstand Andrei Novikov beschrieb das Verhalten der Maschine drastisch im estnischen Rundfunk: Der Roboter flüchtete, wenn man es so sagen kann. Er fuhr nach dem Zusammenstoß einfach weg, erklärte er. Der Busfahrer wurde von den Verkehrsbetrieben ausdrücklich für seine besonnene Reaktion gelobt, die einen noch schwerwiegenderen Zusammenstoß verhindert hatte. Während die Polizei nach Angaben vom Unfallzeitpunkt zunächst nicht vor Ort gerufen worden war und über keine näheren Informationen verfügte, schaltete der Roboter-Hersteller Starship Technologies die Behörden im Nachgang ein.

Tallinn: Lieferroboter löst Busunfall mit neun Verletzten aus
Foto: 20min

Pepe Aaviksoo, Leiter des operativen Geschäfts bei Starship Technologies, bezeichnete den Vorfall als äußerst bedäuerlich und betonte, dass die Sicherheit für das Unternehmen an oberster Stelle stehe. Das Unternehmen habe umgehend die Polizei beziehungsweise die estnische Grenz- und Polizeiwatchdog-Behörde kontaktiert und eine interne Untersuchung eingeleitet, um die genauen Umstände zu klären. Als Sofortmaßnahme reagierte der Hersteller mit einer Routenänderung: Die Roboter wurden von der betroffenen Kreuzung abgezogen, um den Bereich vorerst nicht mehr zu befahren.

Autonome Technik im städtischen Raum

Die von Starship betriebenen Lieferroboter erinnern optisch an Mars-Rover und sind in Estland vollautomatisch auf Gehwegen unterwegs, um Lebensmittel, Mahlzeiten und Pakete zuzustellen. Sie können Lasten bis zu 15 Kilogramm über eine Distanz von bis zu fünf Kilometern transportieren und nutzen mehrere Kameras zur Umgebungserfassung. Weltweit sind die Fahrzeuge in sieben Ländern im Einsatz, wobei nach Firmenangaben bereits elf Millionen autonome Lieferungen absolviert und 24 Millionen Kilometer zurückgelegt wurden. Allein die nun unfallträchtige Kreuzung in Tallinn hatten die Roboter nach Unternehmensangaben zuvor bereits mehr als 4.000 Mal problemlos passiert.

Tallinn: Lieferroboter löst Busunfall mit neun Verletzten aus
Foto: estonianworld.com

Vor dem aktuellen Ereignis stammte der letzte vom estnischen Rundfunk registrierte Bericht über eine Kollision zwischen einem Lieferroboter und einem Bus aus dem April 2020. Auch in Deutschland kamen die Fahrzeuge in der Vergangenheit bereits im Rahmen von Praxistests im öffentlichen Straßenraum zum Einsatz, unter anderem erprobt durch Unternehmen wie Rewe und Radio Gütersloh. Wie 20 Minuten berichtete, läuft die Aufklärung der genauen Ursache durch die technischen Daten und Videoaufzeichnungen nun auf Hochtouren.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

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