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Welt

Fährunglück vor Nordzypern: Mindestens acht Tote nach Kentern der FILOJET

Mindestens acht Menschen sind am 30. August 2026 ums Leben gekommen, als eine Passagierfähre kurz nach dem Ablegen im Hafen von Kyrenia vor der Küste Nordzyperns kenterte. Mehr als 230 Personen wurden gerettet, während Rettungskräfte weiterhin intensiv nach Vermissten suchten.

Bei einem schweren Fährunfall vor der Nordküste Zyperns sind am Sonntag, den 30. August 2026, mindestens acht Menschen ums Leben gekommen. Das privat betriebene Schiff FILOJET war mit rund 270 Menschen an Bord von der Hafenstadt Kyrenia aus in Richtung der türkischen Hafenstadt Taşucu unterwegs gewesen, als es kurz nach dem Auslaufen unkontrolliert Wasser aufnahm.

Die genaue Zahl der an Bord befindlichen Personen wurde von offiziellen nordzyprischen Stellen mit insgesamt 267 angegeben, darunter 259 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder. Während die meisten Passagiere gerettet werden konnten, liefen die Such- und Bergungsarbeiten für die verbleibenden Vermissten auf Hochtouren.

Dramatische Szenen und Chaos vor der Küste von Kyrenia

Augenzeugen und Überlebende berichteten von dramatischen und chaotischen Zuständen an Bord des zweistöckigen Katamarans. Das Schiff hatte sich nach Angaben von Überlebenden kurz vor dem Unglück ungewöhnlich stark bewegt und heftig geschüttelt. Ein Augenzeuge schilderte, wie die Bugsektion nach einem harten Aufschlag auf das Wasser brach und Wassermassen in den Rumpf drangen.

Fährunglück vor Nordzypern: Mindestens acht Tote nach Kentern der FILOJET
Photo: usatoday.com

Das Schiff hatte sich sehr schlecht bewegt. Es hob sich ständig aus dem Wasser und schlug wieder hart auf. Es bebte heftig. Drei oder vier Minuten später sprang die Fähre hoch in die Luft und stürzte dann ab. Die vordere linke Seite riss auf und Wasser strömte hinein. Efe Multici, Überlebender (via Reuters)

Panik brach unter Deck aus, als Passagiere versuchten, an Rettungswesten zu gelangen oder Scheiben einzuschlagen, um sich ins Freie zu retten. Der Kapitän soll laut Medienberichten noch versucht haben, umzukehren und den Hafen anzusteuern, doch das Schiff sank schließlich etwa vier Seemeilen vor der Küste und kam auf dem Meeresgrund in einer Tiefe von 514 Metern zur Ruhe.

Umfangreiche Rettungseinsätze und offizielle Reaktionen

Der Präsident der nur von der Türkei anerkannten Republik Nordzypern, Tufan Erhürman, zeigte sich zutiefst erschüttert über das Unglück. Nach einer Krisensitzung betonte er, dass es sich um ein in dieser Form noch nie dagewesenes Ereignis handele. Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus und versicherte, dass die Suchanstrengungen ununterbrochen fortgesetzt würden.

Fährunglück vor Nordzypern: Mindestens acht Tote nach Kentern der FILOJET
Photo: zeit.de

Wir haben 237 Menschen lebend erreicht. Allerdings haben wir auch sieben Menschen geborgen, die ihr Leben verloren haben. Wir sind zutiefst betrübt darüber. Tufan Erhurman, Präsident Nordzyperns (via USA Today)

Für die groß angelegten Such- und Rettungsaktionen wurden erhebliche Ressourcen mobilisiert. Neben vier nordzyprischen Küstenwachenbooten, zivilen Passagierbooten und Hubschraubern beteiligten sich auch zahlreiche türkische Einheiten an der Rettung. Die Türkei entsandte laut offiziellen Angaben unter anderem Frigatten, Patrouillenboote, Flugzeuge, unbemannte Luftfahrzeuge und mehrere Hubschrauber in das Seegebiet vor Kyrenia.

Festnahmen und Ermittlungen zur Unfallursache

Die nordzyprischen Behörden reagierten umgehend auf das Fährunglück und leiteten strafrechtliche Schritte ein. Der Kapitän der Fähre sowie sieben weitere Crewmitglieder wurden vorläufig festgenommen. Der nordzyprische Ministerpräsident Ünal Üstel kündigte eine lückenlose Aufklärung an und erklärte, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden.

A helicopter brings survivors ashore after they were rescued from the sea following a boat capsize off Kyrenia, northern
Photo: Reuters

Ünal Üstel, Ministerpräsident von Nordzypern, betonte nach Angaben der Badischen Zeitung unmissverständlich, dass jeder Aspekt dieses Vorfalls untersucht werde und selbst die geringste Fahrlässigkeit ans Licht kommen werde.

Die genaue Unglücksursache blieb zunächst unklar. Zwar war die Insel Zypern am Vortag von schweren Stürmen und rauer See heimgesucht worden, bei denen im Süden der Insel ein Segler ums Leben gekommen war, doch gaben die Behörden an, dass die Wetterbedingungen am Sonntag für die Überfahrt grundsätzlich geeignet gewesen seien. Spezialisierte Taucher aus der Türkei wurden eingesetzt, um das in großer Tiefe liegende Wrack zu untersuchen und insbesondere den Schiffsdatenschreiber zu bergen, der Aufschluss über die letzten Minuten vor dem Kentern geben soll.

Staatliche Trauer und offene Fragen

Als Reaktion auf die Tragödie ordnete der nordzyprische Ministerrat eine dreitägige Staatstrauer an. Die türkische Botschaft in Lefkosa sagte zudem einen für den Abend geplanten Empfang zum Nationalfeiertag des 30. August ab. Vor dem Krankenhaus in Kyrenia versammelten sich stundenlang Angehörige, um auf Nachrichten über ihre vermissten Verwandten zu warten.

Ferry Capsizes Off Northern Cyprus: 8 Dead, 22 Missing 🚢

Während die internationalen und lokalen Rettungskräfte, darunter auch Tauchteams, unermüdlich im Einsatz sind, konzentrieren sich die Bemühungen vor allem auf den Verbleib der noch vermissten Personen. Angesichts der Wassertiefe von mehr als 500 Metern gestalten sich die Bergungs- und Durchsuchungsarbeiten im Wrack äußerst schwierig, weshalb der Einsatz technischer Spezialgeräte fortgesetzt wird.

At least seven die as ferry capsizes off northern Cyprus | #RTENews
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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