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Unternehmen

EZB und Zentralbanken drohen nach Ölpreisschub neue Zinsschritte

Steigende Energiepreise durch den Nahostkonflikt schüren neue Inflationsängste in Europa, den USA und Australien. Während Zentralbanken wie die Europäische Zentralbank und die Reserve Bank of Australia über weitere Zinsschritte beraten, warnen Ökonomen vor hartnäckigen Zweitrundenefekten auf Löhne und Preise.

Globale Ölpreise und der US-Iran-Konflikt belasten die Teuerungsrate

Der zusammengebrochene Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran sowie Angriffe auf Öltanker und Infrastruktur in der Straße von Hormus treiben die globalen Energiepreise an. Nach Angaben von Berichten zufolge kostet ein Barrel der Nordseesorte Brent rund 105 US-Dollar, was den Werten zu Beginn des Konflikts nahekommt. Wichtige Lieferungen durch eine der wichtigsten Öl- und Gasrouten der Welt sind eingeschränkt.

Höhere Energiekosten verteuern nicht nur direkt das Heizen und den Betrieb von Unternehmen, sondern schlagen über Transportwege auch auf Grundnahrungsmittel und andere Konsumgüter durch. Zentralbanken weltweit reagieren auf diese Preisschübe mit restriktiven Maßnahmen. Durch teurere Kredite für Hypotheken und Kreditkarten versuchen Währungshüter, die Nachfrage zu dämpken und die Inflation einzufangen.

Europäische Zentralbank peilt im September nächsten Zinsschritt an

In der Eurozone hielt die Europäische Zentralbank ihren straffenden Kurs im Juli zwar an, doch Ökonomen erwarten im September eine erneute Anhebung des Leitzinses. Nach Angaben von Analysen des Marktes rechnen die Märkte mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 80 Prozent für eine Zinserhöhung im September auf 2,50 Prozent für den Einlagensatz. Seit dem Sommer 2026 liegen die drei Leitzinsen der EZB bei 2,25 Prozent für die Einlagefazilität, 2,40 Prozent für das Hauptrefinanzierungsgeschäft und 2,65 Prozent für die Spitzenrefinanzierungsfazilität.

Großbritannien und Australien im Dilemma zwischen Jobmarkt und Teuerung

In Großbritannien hält die Bank of England die Zinsen voraussichtlich vorerst bei 3,75 Prozent, wie die britische Berichterstattung darlegt. Trotz einer Inflation von 2,9 Prozent fehlen dort vorerst die typischen Zweitrundenefekte. Yael Selfin, Chefökonomin bei KPMG, verwies darauf, dass das wirtschaftliche Umfeld schwächer sei als während des Inflationsschocks im Jahr 2022, als die britische Teuerungsrate im Oktober einen Rekordwert von 11,1 Prozent erreicht hatte. Verbraucher seien durch frühere Preisschübe vorsichtiger geworden, und der Arbeitsmarkt biete Arbeitnehmern weniger Hebel für kräftige Lohnforderungen.

EZB und Zentralbanken drohen nach Ölpreisschub neue Zinsschritte

In Australien steht die Reserve Bank vor ähnlichen Herausforderungen. Vize-Gouverneur Andrew Hauser räumte in einem Interview mit dem Sender ABC ein, dass die Bevölkerung über die lang anhaltende Teuerung verärgert ist. Die RBA hatte gehofft, mit drei Zinserhöhungen im laufenden Jahr die Inflation bis Ende nächsten Jahres auf das Ziel von 2,5 Prozent zurückzuführen.

„Inflation has been above target for a long period of time and, at some point, we will have to say, ‘That is long enough’.“

Wie Haushalte in Island und weltweit die Zinslast spüren

Die Erhöhung der Zinsen schlägt je nach Kreditstruktur unmittelbar bei den Verbrauchern durch. In Island hob die Zentralbank ihren Leitzins auf 8 Prozent an, um die Inflation abzukühlen. Für Kreditnehmer mit variablen und nicht indexierten Hypotheken bedeutet dies sofort steigende monatliche Belastungen.

EZB und Zentralbanken drohen nach Ölpreisschub neue Zinsschritte

Melkorka Sigríður Magnúsdóttir, Unternehmerin und Künstlerin aus Reykjavík, beschrieb die Situation gegenüber Iceland Review als wiederkehrende Belastung.

„It feels a little bit like we’re stuck in Groundhog Day. You’re always hoping things are going to get better, and then it’s like interest rates just go up again.“

Obwohl ihre Familie nicht in finanziellen Schwierigkeiten steckt, schränkt sie alltägliche Ausgaben ein und kauft Vorräte in großen Mengen ein. Genau diese Nachfragedämpfung ist das kalkulierte Kalkül der Zentralbanken, um den Inflationsdruck zu mindern. Ob die jüngsten geldpolitischen Schritte ausreichen, um die globalen Energiepreisschocks auszugleichen, hängt vom weiteren Verlauf der Konflikte im Nahen Osten und den anstehenden Entscheidungen der Notenbanken im September ab.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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