Das Berufungsgericht des Bundesstaates Victoria (Victoria’s Court of Appeal) hat am 30. Oktober 2026 die Berufung von Erin Patterson gegen ihre Verurteilung wegen dreifachen Mordes zurückgewiesen und ihre Strafe auf lebenslange Haft ohne die Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung erhöht, da ihre Taten im Zusammenhang mit Knollenblätterpilzen außergewöhnlich kaltblütig und berechnend waren.
Haftstrafe ohne Bewährung nach Mordurteil
Die 52-jährige Erin Patterson wird den Rest ihres Lebens im Hochsicherheitsflügel der Justizvollzugsanstalt Dame Phyllis Frost Centre verbringen. Am Freitag entschied das oberste Berufungsgericht des australischen Bundesstaates Victoria, dass die ursprünglich verhängte Freiheitsstrafe von lebenslänglich mit einer Mindesthaftzeit von 33 Jahren unangemessen mild war. Die Richter hoben den Bewährungszeitraum auf, wodurch Patterson im Jahr 2056 keine Chance mehr auf Freilassung hat.
Patterson ist erst die zweite Frau in der Geschichte des Landes, die zu einer lebenslangen Haftstrafe ohne jede Aussicht auf Bewährung verurteilt wurde. Der Vorsitzende Richter Stephen McLeish begründete die Entscheidung des dreiköpfigen Gremiums, dem auch die Richterinnen Lesley Taylor und Peter Kidd angehörten, mit der extremen Schwere der Taten.
Richter Stephen McLeish erklärte, dass diese Tatverübung außerordentlich kalt und berechnet war und auf schärfste Weise verurteilt werden müsse.

Die drei Richter – Stephen McLeish, Lesley Taylor und Peter Kidd – wiesen die Berufung der Verurteilten ab und gaben dem Antrag des Director of Public Prosecutions (DPP), Brendan Kissane KC, gegen die ursprüngliche Strafe statt. Außerhalb des Gerichtssaals berichtete die Australian Broadcasting Corporation, dass Staatsanwälte, Polizeibeamte – darunter Nigel L’Estrange und Stephen Eppingstall von der Mordkommission – sowie Unterstützer von Pattersons getrennt lebendem Ehemann Simon Patterson breit grinsten.
Giftiges Mittagessen im Ort Leongatha
Die Vorwürfe gehen auf den 28. Juli 2023 zurück. Don und Gail Patterson sowie Gail Wilkinsons Schwester Heather starben nach dem Verzehr an multiplem Organversagen. An diesem Tag lud Patterson ihre Verwandten zu einem Mittagessen in ihr Haus in Leongatha, rund Autostunden südöstlich von Melbourne, ein. Sie servierte den Gästen Rinderfilet im Teigmantel (Beef Wellington), das mit giftigen Knollenblätterpilzen zubereitet war. Der vierte Gast, der lokale Pastor Ian Wilkinson, überlebte die Vergiftung nach wochenlangem Krankenhausaufenthalt.
Pattersons Verteidigung hatte im August sieben verschiedene Berufungsgründe gegen die Schuldsprechung vorgebracht. Sie argumentierte unter anderem, dass eine juristische Panne bei der Unterbringung der Jury in einem Hotel in Gippsland – wo sich auch Prozessbeteiligte aufhielten – das Verfahren unzulässig beeinflusst habe. Zudem rügten die Anwälte die Auswertung von Mobilfunkdaten sowie eine aus ihrer Sicht unfaire und oppressive fünftägige Kreuzverhörphase. Das Berufungsgericht wies sämtliche sieben Einwände als unbegründet ab und befand, dass kein Justizirrtum vorliege.
Schwerer Vertrauensbruch durch Tötungsabsicht
Nach Feststellung des Gerichts war die Tat von langer Hand vorbereitet. Richter McLeish betonte in der Urteilsbegründung, dass Pattersons Tötungsabsicht über einen Zeitraum von fast drei Wochen bestanden habe – von der Einladung über die Zubereitung bis hin zu den Todesfällen. Während des Prozesses und der Ermittlungen habe die Angeklagte eine ausgeklügelte Serie von Täuschungen
aufgebaut, darunter erfundene Krebserkrankungen und falsche Angaben zur Herkunft der Pilze.
Der Direktor der Staatsanwaltschaft von Victoria, Brendan Kissane, hatte im August gefordert, die Mindesthaftzeit zu streichen, da das ursprüngliche Urteil der berechneten Kriminalität nicht gerecht werde. Die Richter schlossen sich dieser Argumentation an und stellten fest, dass die Verbrechen einen schwerwiegenden Vertrauensbruch innerhalb der Familie darstellten.
Reaktionen auf das Urteil im Gerichtssaal
Patterson verfolgte die Verhandlung über eine Videoverlinkung aus der Justizvollzugsanstalt und zeigte bei der Urteilsverkündung keine sichtbare Emotion. Vor dem Gerichtsgebäude in Melbourne zeigten sich Polizeibeamte und Unterstützer des von der Täterin getrennt lebenden Ehemanns Simon Patterson erleichtert über den Ausgang des Verfahrens.
Nach Angaben des Berufungsgerichts verbleibt ihr eine Frist bis zum 27. November 2026, um vor dem High Court of Australia die Bewilligung einer letzten Berufung zu beantragen.
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