Nach der Tötung von Charlie Kirk im vergangenen Jahr haben Dutzende entlassene Arbeitnehmer in den USA Kündigungsschutzklagen eingereicht und teilweise hohe Vergleiche erzielt. Ein Schiedsgericht ordnete zudem die Wiedereinstellung der Journalistin Karen Attiah bei der Washington Post an, während andere Beschäftigte um ihre Arbeitsplätze kämpfen.
Im Jahr nach der Tötung des konservativen Aktivisten Charlie Kirk gerieten zahlreiche Beschäftigte in den Vereinigten Staaten ins Visier ihrer Arbeitgeber, nachdem sie sich in sozialen Netzwerken zu dem Vorfall geäußert hatten. Dutzende Betroffene zogen daraufhin vor Gericht. Sie argumentieren, dass ihre Entlassungen ihre verfassungsmäßigen Rechte auf freie Meinungsäußerung verletzen, wie Recherchen zeigen.
Millionenvergleiche und Schiedssprüche nach Kündigungen
Die rechtlichen Auseinandersetzungen führten in mehreren Fällen zu beträchtlichen Entschädigungszahlungen. So einigte sich ein Biologe namens Brown auf einen finanziellen Vergleich in Höhe von 485.000 US-Dollar (355.000 britischen Pfund), was etwa dem Zwölffachen seines Jahresgehalts entsprach, wie die britische Rundfunkanstalt BBC berichtete. Darren Michael wurde von der Austin Peay State University wieder eingestellt; im Januar zahlte die Hochschule ihm 500.000 Dollar, um rechtliche Ansprüche beizulegen.
Den größten von der BBC dokumentierten Vergleich erzielte die Anthropologin Tamar Shirinian. Sie erhielt von der University of Tennessee 1,9 Millionen Dollar zur Beilegung einer Klage, die sie wegen eines Kommentars angestrengt hatte. Als Teil dieser Einigung wird sie jedoch nicht an ihren Arbeitsplatz zurückkehren und hat sich verpflichtet, sich nicht erneut an der Universität zu bewerben.
Der Fall Karen Attiah und die Entscheidung der Schiedsstelle
Einen juristischen Etappensieg errang unterdessen die Journalistin Karen Attiah. Ein Schiedsgericht ordnete an, dass The Washington Post die Journalistin mit vollständiger Nachzahlung und abgesicherten Leistungen wieder einstellen muss. Attiah war im September des Vorjahres per E-Mail entlassen worden, nachdem sie auf ihrem Bluesky-Konto Beiträge zu der Tötung Kirks veröffentlicht hatte.
Die Schiedsrichterin Sarah Miller Espinosa befand nach einer Anhörung, dass die Zeitung nicht nachweisen konnte, dass Attiah ein schweres Dienstvergehen begangen hatte. Das Medium verfügte demnach über keinen hinreichenden Grund für die Kündigung, wodurch der geltende Kollektivvertrag mit der Gewerkschaft verletzt wurde. Die Kündigungsnachricht der Zeitung hatte Attiah vorgeworfen, die Richtlinien des Blattes verletzt und die physische Sicherheit der Mitarbeiter gefährdet zu haben.
„After wrongfully firing me last year, an independent arbitrator has ordered [The Washington Post] to reinstate me immediately, with back pay. It’s been a year-long fight, but this is a victory for journalists everywhere. More to come soon.“
Karen Attiah, via Instagram
Reaktionen und Betroffene aus verschiedenen Branchen
Die Entlassungswelle nach Kirks Tod erfasste Angestellte in unterschiedlichsten Sektoren. Während Beschäftigte im öffentlichen Dienst oder Gewerkschaftsmitglieder auf gewisse Schutzmechanismen zurückgreifen können, arbeiten die meisten US-Arbeitnehmer im privaten Sektor unter sogenannten At-will-Verträgen, die Kündigungen ohne Angaben von Gründen erlauben. Viele Betroffene sehen die Vergleiche dennoch nicht als echten Sieg an.

All I wanted was my job back
, erklärte der Biologe Brown gegenüber der BBC und stellte die Frage, wie viel Steuergelder für die juristischen Auserinandersetzungen verschwendet worden seien, während sein Jahreseinkommen zuvor bei rund 40.000 Dollar gelegen habe.
„I took a settlement because this allows me to move on with my life. The one small regret that I have is that I will not see my day in court and justice will not be served in that way. But I think that the number of the settlement actually speaks to that anyway.“
Tamar Shirinian, per BBC-Interview
Weitere Organisationen gerieten im Zuge der Entlassungen ebenfalls in die Schlagzeilen. So trennte sich die auf Arizona fokussierte Sportplattform PHNX Sports von dem Reporter Gerald Bourguet, während MSNBC die Zusammenarbeit mit dem Analysten Matthew Dowd beendete. Die National Association of Black Journalists warnte in diesem Zusammenhang vor einer zunehmenden Verdrängung schwarzer Stimmen aus den Medien.