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Unterhaltung

Ellen Burstyn erhält Goldenen Löwen für Lebenswerk in Venedig

Ellen Burstyn hat am Montag bei den 83. Internationalen Filmfestspielen von Venedig den Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk erhalten. Die 93-jährige Schauspielerin nahm die Auszeichnung im Rahmen der Weltpremiere des Kurzfilms Flesh Impact entgegen, in dem sie eine gealterte Marilyn Monroe verkörpert.

Ein emotionaler Empfang auf dem Lido und der Goldene Löwe

Die Verleihung des Goldenen Löwen für das Lebenswerk am Montag war von tiefem emotionalem Ausdruck geprägt. Da Ellen Burstyn sich nach einem kürzlichen Sturz langsamer fortbewegt, überbrachte Maggie Gyllenhaal die Begrüßungsworte vom Podium aus, wie Variety berichtete. Gyllenhaal scherzte vor dem Publikum, dass das langsamere Gehen dem Raum lediglich mehr Zeit für den Applaus geben werde. Gekleidet in ein leuchtend gelbes Kleid und gestützt auf einen Walker, betrat Burstyn unter minutenlangen, stehenden Ovationen die Bühne. Sie wischte sich Tränen aus den Augen und rief dem Saal zu: You’re making me cry!

Im Rückblick auf ihre sieben Jahrzehnte umspannende Hollywood-Karriere betonte die Preisträgerin, dass diese besondere Auszeichnung in ihrer persönlichen Rangliste ganz oben stehe. Burstyn erklärte laut Variety, man könne sich gar nicht vorstellen, wie viel ihr das bedeute, und fügte hinzu, es sei eine Sache, einen Oscar, einen Tony oder einen Emmy zu gewinnen — die sie allesamt gewonnen habe, aber dies bedeute ihr unglaublich viel.

Der Kurzfilm Flesh Impact und die Begegnung mit Marilyn Monroe

Der Anlass für die Ehrung war eng mit der Premiere von Maggie Gyllenhaals 17-minütigem Kurzfilm Flesh Impact verknüpft. Das Projekt geht auf eine Initiative der Luxusautomarke Genesis und deren Chief Marketing Officer Amy Marentic zurück, die anlässlich des vermeintlichen 100. Geburtstags von Marilyn Monroe im Juni eine künstlerische Arbeit anregen wollte. Gyllenhaal entschied sich dafür, Monroe im Alter von 100 Jahren zu zeigen, wie sie sich im Grunde einer der verletzlichsten Situationen aussetzt, die ein Schauspieler ihrer Meinung nach durchleben kann, nämlich dem Vorsprechen ganz allein auf einer Bühne, wie sie Apnews schilderte. Für diese Rolle fiel Gyllenhaals Wahl sofort auf Burstyn.

Ellen Burstyn erhält Goldenen Löwen für Lebenswerk in Venedig
Photo: devdiscourse.com
Ellen Burstyn
Photo: hollywoodreporter.com

Obwohl Burstyn der 1962 im Alter von 36 Jahren verstorbenen Monroe nie persönlich begegnet war, gab es im Leben der Schauspielerin verschiedene Berührungspunkte. Sie teilten sich einst denselben Massagetherapeuten, Ralph Roberts, der zugleich ein Vertrauter Monroes war. Roberts erzählte Burstyn Geschichten über die Ikone und lieh ihr ein Buch mit dem Titel The Thinking Body, in dem sich noch alte Belege befanden. Zudem erinnerte sich Burstyn auf der Pressekonferenz an eine flüchtige Begegnung in einem Nachtclub: Sie erzählte gegenüber Apnews, Monroe sei so atemberaubend schön gewesen, habe ihren Blick eingefangen und sie habe das Gefühl gehabt, dass Monroe sie wiedererkannt habe. Aus diesen Erinnerungen und ihrer eigenen Laufbahn schöpfte sie die Einsicht, dass Monroe keineswegs diejenige war, als die sie sich in ihrer Persona präsentierte, sondern dass sie diese Persona vielmehr erschaffen hatte, indem sie das gesamte Konzept von Marilyn Monroe ins Leben rief und verkörperte.

Ausbildung, Wegbegleiter und der Wandel in Hollywood

Während ihrer Dankesrede und den Gesprächen auf dem Lido zog Burstyn Parallelen zwischen den Herausforderungen früherer Dreharbeiten und aktuellen gesellschaftlichen Fragen. Sie erinnerte sich an Martin Scorseses Drama Alice Doesn’t Live Here Anymore aus dem Jahr 1974, für das sie den Oscar als beste Hauptdarstellerin gewann. Damals musste sie eine nächtliche Autofahrt filmen, während Regisseur und Kameramann ihr die Sicht versperrten. Burstyn erinnerte sich laut Variety, dass sie den Straßenrand nicht mehr habe sehen können und dass sie dabei leicht hätte vom Weg abkommen und alle Insassen töten können. Indem sie sich an der weißen Mittellinie orientierte, gelang es ihr jedoch, die Fahrt sicher zu beenden. Dies nutzte sie für eine Metapher: Sie wollte zum Abschluss betonen, wie zutiefst dankbar sie für diesen Goldenen Löwen sei und dass sie hoffe – nein, bete –, dass ihr eigenes Land seine eigene weiße Mittellinie wiederfinden werde.

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VENICE, ITALY - SEPTEMBER 07: Ellen Burstyn speaks on stage at the Golden Lion For Lifetime Achievement Award to Ellen
Photo: Variety

Im Rückblick auf ihre Anfänge in der Filmbranche betonte die Schauspielerin den grundlegenden Wandel für Frauen vor und hinter der Kamera. The Hollywood Reporter zitierte sie mit den Worten, dass zu Beginn ihrer Laufbahn praktisch keine Frauen im Filmstab vertreten waren. Ihre eigene Verlässlichkeit führt Burstyn vor allem auf ihre fundierte Ausbildung am Actors Studio unter Lee Strasberg zurück, dessen Vermächtnis sie bis heute als Co-Präsidentin und Dozentin weiterträgt.

Neben dem Kurzfilm Flesh Impact ist Burstyn beim diesjährigen Festival im Spielfilm Place to Be von Kornél Mundruczó zu sehen, in dem sie neben Taika Waititi, Pamela Anderson und Murray Bartlett vor der Kamera steht. Die darstellerische Präsenz im Alter von 93 Jahren unterstreicht für die Künstlerin vor allem eines: Dass der Wert ihrer Arbeit in der Tiefe des Dargebotenen liegt.

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Sophie Krueger

Über den Autor

Sophie Krueger leitet das Unterhaltungsressort von Germanic Nachrichten. Ihr Schwerpunkt liegt auf Film, Streaming, Popkultur und prominenten Entwicklungen mit redaktioneller Einordnung und sauberer Quellenlage.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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