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Ein US-Amerikaner hat nach einer durch Zeckenstiche ausgelösten Fleischallergie eine Straußenfarm in Kentucky gegründet

Ein US-Amerikaner hat nach einer durch Zeckenstiche ausgelösten Fleischallergie eine Straußenfarm in Kentucky gegründet, um wieder Burger genießen zu können. Angesichts stark steigender Fallzahlen des Alpha-Gal-Syndroms erleben Straußenfarmen in den USA derzeit eine wachsende Nachfrage nach rotem Fleisch von den flugunfähigen Vögeln.

Alpha-Gal-Syndrom zwingt Rinderzüchter zum Umdenken

Vier Jahre ist es her, dass ein Bekannter an Brent Williams herantrat und ihm eine Geschäftsidee vorschlug: den Aufbau einer Straußenfarm in Danville, Kentucky. Für Williams war das nicht nur eine berufliche Chance, sondern eine persönliche Notwendigkeit. Jahrelang hatte er als Rinderzüchter und Tierernährungsberater gearbeitet, bis eine lebensgefährliche Allergie gegen rotes Fleisch sein Leben veränderte. Ausgelöst wurde das Leiden durch Bisse von Zecken, die den Zuckerstoff Alpha-Gal übertragen.

Die Erkrankung, die vor rund 15 Jahren erstmals wissenschaftlich mit bestimmten Zeckenarten in Verbindung gebracht wurde, breitet sich in den Vereinigten Staaten rasant aus. Jährlich erkranken nach Angaben aus Berichten fast 20.000 US-Amerikaner neu daran. Die Betroffenen leiden nach dem Verzehr von Säugetierfleisch unter heftigen Symptomen wie Nesselsucht, Magen-Darm-Beschwerden und Juckreiz. Da die Allergie weder Geflügel noch Meeresfrüchte betrifft, rückt plötzlich das Fleisch von Laufvögeln in den Fokus.

Brent Williams, Nutritionist und Miteigentümer der Alpha Roost Farms, berichtete via Apnews, dass er bei seinem allererste Besuch gefragt worden sei, ob er von einer Zecke gebissen worden sei.

Erst nach monatelanger Ungewissheit brachte der Besuch bei einem Allergologen die Diagnose. Das von Zecken übertragene Alpha-Gal-Molekül erzeugt im menschlichen Körper Antikörper, die jedes tierische Eiweiß von Säugetieren als Feind erkennen.

Alpha Roost Farms baut die Herde im Bluegrass State aus

King und dessen Frau Morgan Hayes gründete Alpha Roost Farms, den ersten Straußenmastbetrieb in Kentucky. Auf weitläufigen Weiden westlich von Danville wachsen die afrikanischen Vögel heran, die eine Größe von bis zu 2,7 Metern erreichen und über 300 Pfund schwer werden. Der Betrieb hält derzeit mehr als 400 Tiere und hat vor Kurzem einen neuen Stall für Jungtiere errichtet, um den Bestand bis zum kommenden Jahr auf rund 700 Strauße aufstocken zu können.

Morgan Hayes pets an ostrich at an Alpha Roost Farms pen near Danville. The new ostrich-meat producer is filling a niche
Photo: kentucky.com

Die Nachfrage wird vor allem durch Menschen angetrieben, die jahrelang auf Rindfleisch verzichten mussten. W.D. King, der vor seinem Einstieg in die Straußenhaltung als landwirtschaftlicher Ingenieur tätig war, fasst die Motivation der Kundschaft pragmatisch zusammen. Er erklärte, dass Menschen, die seit sechs oder sieben Jahren keinen Hamburger mehr gegessen hatten, unbedingt einen haben wollten.

Das Fleisch der Vögel ist dunkelrot, eisenreich und erinnert geschmacklich sowie optisch stark an Rindfleisch, enthält jedoch keine allergieauslösenden Säugetierproteine. Für Betroffene ist das eine emotionale Erleichterung.

The people that have alpha-gal that I talked to that have tried an ostrich burger, most of them are almost in tears. You just don’t know how bad I missed this. Brent Williams, Miteigentümer der Alpha Roost Farms, via Newsday

Preise, Direktvermarktung und ein historischer Branchenrückblick

Die Spezialität hat ihren Preis. Gemahlenes Straußenfleisch kostet im Verkauf mehr als 20 US-Dollar pro Pfund, während edlere Teilstücke für über 40 US-Dollar gehandelt werden. Über den lokalen Hofladen Dry Branch Farm in Danville nehmen Kunden teils weite Anfahrten aus dem gesamten Bundesstaat auf sich, um an das begehrte Fleisch zu gelangen. Laut Leah Gibbs, die den Hofladen betreibt, sind die Käufer schlichtweg begeistert, eine geschmackliche Alternative zum Rind zu finden, die sich genauso zubereiten lässt.

Ein US-Amerikaner hat nach einer durch Zeckenstiche ausgelösten Fleischallergie eine Straußenfarm in Kentucky gegründet
Photo: Newsday

Auch Branchenexperten beobachten den Trend mit Argusaugen. Michael Lehman, Vizepräsident der American Ostrich Association und Straußenwirt in Oregon, erinnert an den Boom und anschließenden Kollaps der US-Straußenindustrie in den 1990er-Jahren. Damals scheiterten viele Investoren, weil sie die Tiere wie Hühner in konventionellen Massenhaltungsanlagen halten wollten, anstatt ihnen den notwendigen Freiraum zu gewähren. Heute schätzt Lehman die Zahl der professionellen Großbetriebe in den USA auf lediglich 10 bis 15 Farmen, die ein tieferes Verständnis für das Verhalten und die Weidebedürfnisse der Tiere besitzen.

Ein US-Amerikaner hat nach einer durch Zeckenstiche ausgelösten Fleischallergie eine Straußenfarm in Kentucky gegründet
Photo: Toledoblade
Betrieb Standort Aktueller Bestand Geplantes Wachstum
Alpha Roost Farms Danville, Kentucky Über 400 Vögel Aufstockung auf 700 Tiere bis zum nächsten Jahr
Clark Ostrich Farm Austin, Texas (Umgebung) Ca. 1.200 Vögel Ausweitung des Bestands um 50 Prozent

Über das regionale Interesse hinaus wächst das Netzwerk der Abnehmer stetig. Boyd Clark, Betreiber der Clark Ostrich Farm rund 90 Meilen nordwestlich von Austin in Texas, verzeichnet wöchentlich Anfragen von Restaurants und kleineren Geschäften aus dem ganzen Land. Angesichts der im gleichen Takt steigenden Diagnoseraten beim Alpha-Gal-Syndrom und der offiziellen Empfehlung der Alpha-Gal Association, Straußenfleisch als sicheren Ersatz zu nutzen, stehen die Zeichen für die verbliebenen Züchter auf Expansion.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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