Wie ehemalige Ermittler vor Gericht in Las Vegas aussagten, lieferten vertrauliche Befragungen des Verdächtigen Duane „Keffe DDavis aus dem Jahr 2008 neue Durchbrüche im langjährigen Rätsel um die Hip-Hop-Legenden.
Zwei gewaltsame Tode erschütterten in den neunziger Jahren die internationale Musikwelt. Im September 1996 wurde Tupac Shakur in Las Vegas aus einem vorbeifahrenden Auto heraus angeschossen und erlag kurz darauf seinen Verletzungen. Wenige Monate später traf es Christopher Wallace, weithin bekannt als Biggie Smalls oder The Notorious B.I.G., der in Los Angeles ebenfalls Opfer eines Drive-by-Shootings wurde. Jahrzehntelang blieben die Hintergründe beider Taten in der Öffentlichkeit eng miteinander verknüpft.
Die Rolle von Duane „Keffe D“ Davis und die Ermittlungen zu Notorious B.I.G.
Im Zentrum des aktuellen Verfahrens in Las Vegas steht der 63-jährige Duane Davis, den die Staatsanwaltschaft beschuldigt, die Tötung des damals 25-jährigen Shakur koordiniert zu haben. Davis plädiert auf nicht schuldig. Seine Verteidigung bestreitet die Vorwürfe vehement und bezeichnet die Darstellung der Anklage als Fiktion, während die Staatsanwaltschaft sich maßgeblich auf eigene Aussagen des Angeklagten in früheren Interviews, Podcasts und Memoiren stützt.

Der entscheidende Wendepunkt in den Ermittlungen ergab sich jedoch aus einer unerwarteten Richtung. Ermittler der Los Angeles Police Department hatten Davis im Jahr 2008 ins Visier genommen, um ihn ursprünglich über den Mord an Christopher Wallace zu befragen. Wie der frühere LAPD-Homicide-Detektiv Daryn Dupree vor Gericht schilderte, stand Davis damals wegen des mutmasslichen Drogenhandels mit großen Mengen PCP unter massivem Druck. Um seine Kooperation zu erzwingen, stellte die gemeinsame Taskforce dem Verdächtigen eine Vereinbarung in Aussicht.
Greg Kading, der ehemalige Detektiv des LAPD, führte laut ABC7 Los Angeles aus,
Trotz dieser Zusicherung betonte die Anklage später, dass Davis die Vereinbarung durch spätere öffentliche Äußerungen und die Veröffentlichung seiner Memoiren gebrochen habe. Laut der Schilderung des ehemaligen Detektivs schwenkte das Interesse der Beamten während der Befragung zum Fall Shakur um, nachdem Davis den Beamten gegenüber selbst die Initiative ergriffen und erklärt hatte: we did the other one
.
Detailreiche Tonbandaufnahmen im Gerichtssaal von Las Vegas vorgeführt
Vor Gericht bekamen die Geschworenen Einblicke in das verhörte Material. In den Tonaufnahmen aus dem Jahr 2008 beschreibt Davis detailliert die Abläufe der Tatnacht. Shakurs Entourage war zuvor im MGM Grand nach einem Mike Tyson-Kampf in eine handgreifliche Auseinandersetzung mit Davis‘ Neffen Orlando „Baby LaneAnderson verwickelt gewesen, bei der Anderson attackiert wurde. Dies werten die Strafverfolger als das unmittelbare Motiv.
Später in jener Nacht entdeckten die Täter Shakur auf dem Las Vegas Strip, als dieser aus einem BMW lehnte. In dem weißen Cadillac saßen neben Davis und Anderson noch zwei weitere Männer.

Duane „Keffe DDavis erklärte über ABC7 Los Angeles,
Weil sich das Fahrzeug mit Shakur und dem Label-Chef Marion „Suge“ Knight auf der falschen Seite befand, reichte Davis die Waffe nach hinten an Deandre „Big Dre“ Smith weiter. Da dieser jedoch zögerte, ergriff Orlando Anderson die Initiative. Wie Greg Kading als Zeuge im Audio schilderte, lehnte sich dieser über das Fenster, rollte das Fenster herunter und gab Schüsse ab, woraufhin Davis bestätigt, dass Anderson die tödlichen Schüsse abfeuerte wie KSNV berichtet.””
Die Zeugenaussagen und Verwicklungen der Musikindustrie
Neben den Tonbandprotokollen traten im Verlauf der Verhandlung weitere Zeugen auf. Denvonta Lee bestätigte im Rahmen einer gerichtlichen Vorladung seine frühere Mitgliedschaft bei den South Side Crips. Er ordnete die Bande den Rivalitäten mit der Mob Piru zu, einer Gruppe, die als eng verbunden mit Death Row Records, Marion „Suge Knight sowie Tupac Shakur galt, während die Crips Verbindungen zu Sean „DiddyCombs und Bad Boy Records zugeschrieben wurden.
In den im Gericht abgespielten Tonaufnahmen erwähnte Davis außerdem eine angebliche Verbindung von Sean Combs, der nach Darstellung von Davis in den Überfall involviert gewesen sein soll und dafür eine Geldsumme bot. Combs war allerdings niemals offiziell in den Fall Shakur verwickelt, und er hat jegliche Beteiligung stets kategorisch bestritten. Entsprechende frühere Berichte, die einen direkten Weg zu Combs zeichneten, wurden seinerzeit von Zeitungen nach Hinweisen auf gefälschte Dokumente zurückgezogen.
Strategie der Verteidigung und Ausblick auf das Gerichtsverfahren
Die Verteidigung unter Leitung von Rechtsanwalt Michael Sanft setzt im Prozess darauf, die Glaubwürdigkeit des eigenen Mandanten konsequent zu erschüttern. Sanft argumentierte vor den Geschworenen, dass Davis in Büchern wie „Compton Street Legend für Geld Geschichten erfunden habe und seine Erzählungen schlicht „voll von Quatschseien. Zudem merkte die Verteidigung an, dass die früheren Ausführungen von Ermittlern als nicht glaubwürdig eingestuft und daher nicht weiter verfolgt worden waren.
Das Verfahren vor dem Gericht in Las Vegas wird fortgesetzt, während die Staatsanwaltschaft weitere Stunden aus den Befragungen von damals vorlegen will, um die Einlassungen des Angeklagten lückenlos zu dokumentieren.
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