Der brasilianische Schiedsrichter Wilton Sampaio verhängte im Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft 2026 zwischen Mexiko und Südafrika am Donnerstag drei Platzverweise. Damit ist es das erste Mal in der Geschichte eines WM-Auftaktspiels, dass drei Spieler direkt Rot sahen. Mexiko gewann die Partie im Aztekenstadion mit 2:0 gegen die dezimierte südafrikanische Mannschaft.
Sampaio und der Rekord: Drei Rote Karten in einem Spiel
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Die Eröffnungspartie der Weltmeisterschaft 2026 markiert einen statistischen Wendepunkt. Laut einem Bericht von SRF zeigte der 44-jährige Wilton Sampaio drei direkte Platzverweise – zwei gegen südafrikanische Spieler und einen gegen einen Mexikaner. Ein solcher Verlauf in einem Eröffnungsspiel ist in der Geschichte des Turniers beispiellos.
Die Eskalation begann in der 49. Minute, als Sphephelo Sithole aus Südafrika Brian Gutierrez an der Torlinie foulte. Sampaio wertete die Szene als klare rote Karte. In der 92. Minute folgte der dritte Platzverweis gegen Khuliso Mudau, nachdem dieser Cesar Montes auf der defensiven linken Seite gefällt hatte. Während Experten die erste und dritte Entscheidung als vertretbar einstuften, sorgte die zweite Rote Karte für die massivsten Diskussionen.
Die VAR-Debatte: Super-Zeitlupe gegen Realgeschwindigkeit
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In der 84. Minute kam es zur kontroversesten Szene des Spiels. Nachdem Themba Zwane den mexikanischen Spieler Roberto Alvarado am Kopf getroffen hatte, konsultierte Sampaio nach einem Hinweis des Video-Assistenten (VAR) den Monitor. Er wertete den Vorfall als Tätlichkeit und schickte den 36-jährigen Zwane vom Platz.
Diese Entscheidung löste eine Debatte über die technische Auswertung von Spielszenen aus. In einem Bericht von BILD forderte der ehemalige Nationalspieler Christoph Kramer eine Revolution des VAR-Systems. Kramer kritisierte insbesondere die Nutzung von Super-Zeitlupen, die aus seiner Sicht die Wahrnehmung von Fouls verzerren und dazu führen, dass Kontaktmomente dramatischer wirken, als sie in Echtzeit sind.
Was ich immer schon sage: Also der größte Dorn im Auge ist mir beim VAR diese Super-Slow-Mo. […] In Realgeschwindigkeit und ohne Schauspielkunst des Spielers wäre es nicht zu einer Roten Karte gekommen.Christoph Kramer, Ex-Profi
Auch der ehemalige Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer stimmte dieser Einschätzung im ZDF zu. Er betonte, dass die Entscheidung regeltechnisch zwar vertretbar sei, da eine Schlagbewegung vorlag, die Szene in Realgeschwindigkeit jedoch anders zu bewerten wäre.
Kommunikationsprobleme und virale Verwirrung
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Neben der sportlichen Entscheidung geriet Sampaio auch aufgrund seiner Kommunikation in die Kritik. Wie blue News berichtet, sorgte die englische Durchsage des Schiedsreiters über Funk für Verwirrung bei den Spielern. Besonders Khuliso Mudau, der zum Zeitpunkt der Verkündung direkt neben dem Unparteien stand, wirkte ratlos. Die Aufnahmen dieser Szene verbreiteten sich schnell in den sozialen Netzwerken und wurden weltweit kommentiert.
Die Kritik an der Härte der Leitung wurde auch von Experten wie Patrick Ittrich geäußert. Laut FOCUS online sah Ittrich in der dritten roten Karte ein Problem für das Image des Turniers. Er argumentierte, dass es dem Spiel gutgetan hätte, wenn Sampaio bei einer Karte geblieben wäre, da die Diskussionen nun den sportlichen Erfolg Mexikos überlagern.
Historischer Vergleich: Von der Schlacht von Nürnberg bis Katar
Photo: blue News
Um die Schwere dieser Entscheidung einzuordnen, lohnt ein Blick auf die WM-Historie. Die drei Platzverweise im Eröffnungsspiel übertreffen den bisherigen Rekord aus dem Jahr 1990, als im Auftaktspiel zwischen Kamerun und Argentinien zwei Spieler vom Platz gestellt wurden.
Der absolute Rekord für ein einzelnes WM-Spiel bleibt jedoch die sogenannte Schlacht von Nürnberg aus dem Jahr 2006. In jenem Achtelfinale zwischen Portugal und den Niederlanden erhielten vier Spieler Gelb-Rot. Laut Watson war das Turnier 2006 insgesamt das „kartenträchtigste“ der Geschichte mit insgesamt 28 Platzverweisen.
Turnier / Spiel
Anzahl Platzverweise
Kontext
WM 2026 (Mexiko vs. Südafrika)
3
Rekord für Eröffnungsspiel
WM 1990 (Kamerun vs. Argentinien)
2
Bisheriger Eröffnungsrekord
WM 2006 (Portugal vs. Niederlande)
4
Höchste Anzahl in einem Spiel (Gelb-Rot)
WM 2022 (Gesamtes Turnier)
4
Niedrigster Stand der jüngeren Zeit
Im krassen Gegensatz dazu stand die Weltmeisterschaft 2022 in Katar. Dort wurden im gesamten Turnier über alle Spiele hinweg lediglich vier Platzverweise ausgesprochen, wovon nur einer eine direkte rote Karte war.
Reaktionen aus dem südafrikanischen Lager
Die südafrikanische Delegation reagierte verbittert auf die Leistung von Wilton Sampaio. Nationaltrainer Hugo Broos kritisierte insbesondere die zweite rote Karte gegen Themba Zwane. Broos warf dem mexikanischen Gegenspieler vor, Zwane in der Situation blockiert zu haben.
Über die erste Rote Karte müssen wir nicht sprechen. Aber die Zweite: Da blockt der mexikanische Spieler meinen Spieler. Ich finde es schade, dass wir mit neun Spielern zu Ende spielen mussten.Hugo Broos, Nationaltrainer Südafrika
Das Spiel endete mit einem 2:0-Sieg für Mexiko, doch die Kontroverse um die Spielleitung wird die kommenden Tage prägen. Die Diskussion über die Rolle des VAR und die Interpretation von Tätlichkeiten in Super-Zeitlupe ist damit zu einem zentralen Thema der Turniereröffnung geworden.
Felix Neumann leitet das Sportressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Fussball, internationale Turniere und Leistungssport und verbindet Ergebnisberichterstattung mit analytischem Hintergrund.
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