US-Präsident Donald Trump hat per Kurznachricht eine sofortige Energie-Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine verkündet. Während Kiew überrascht reagierte, aber gesprächsbereit ist, fehlt von offizieller Seite in Moskau bislang jede Bestätigung der von Washington proklamierten Vereinbarung.
Die Nachricht von einer vermeintlichen Einigung im Energiekrieg erreichte die Beteiligten am Sonntag über die Plattform Truth Social. Ohne konkrete Bedingungen zu nennen, erklärte US-Präsident Donald Trump, dass Kiew und Moskau dem Stopp von Angriffen auf die jeweilige Energieinfrastruktur mit sofortiger Wirkung zugestimmt hätten. Seine Mitteilung schloss er mit der Aufforderung: Brecht sie nicht!
Überraschter Selenskyj Offen für Wahlen
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zeigte sich von der Ankündigung aus Washington völlig überrascht. Gegenüber dem US-Portal Axios erklärte er, dass die Initiative neu für ihn gewesen sei. Dennoch signalisierte die ukrainische Führung Verhandlungsbereitschaft, sofern die russische Seite tatsächlich einwilligt.
Wolodymyr Selenskyj, Ukrainischer Präsident
„Wenn Präsident Trump das mit Putin ausgehandelt hat – sagen Sie uns bitte, wann die Waffenruhe beginnt – wir sind bereit und werden sie akzeptieren
Im Gegenzug für eine 60-tägige vollständige Feuerpause erklärte sich der ukrainische Staatschef bereit, Wahlen in der Ukraine zu organisieren. Regulär war Selenskyjs Amtszeit bereits am 20. Mai 2024 abgelaufen, verlängerte sich jedoch wegen des Kriegsrechts auf unbestimmte Zeit. Kreml-Chef Wladimir Putin hatte zudem zuvor im Zusammenhang mit der Exklave Kaliningrad vor dem Einsatz aller Arten von Waffen gewarnt.
Sanktionen und Diplomatie im Hintergrund
Gleichzeitig versuchten die US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner noch am Freitag, die Ukrainer von weiteren Angriffen abzuhalten.
Offene Fragen nach Neuen Angriffen
Ob das von Washington verkündete Abkommen Bestand haben wird, ist hochgradig ungewiss. Beobachter erinnern daran, dass Trump bereits Mitte September eine ähnliche Energie-Waffenruhe proklamiert hatte, woraufhin beide Kriegsparteien ihre Angriffe unvermindert fortsetzten.
Nach Angaben des Generalstabs der ukrainischen Armee hat Russland seit Beginn des Kriegs 1.552.840 Soldaten verloren. Zuvor hatte das ukrainische Militär am Donnerstag und Freitag Ziele des Internetkonzerns in Kaluga sowie im Gebiet Rjasan in Sassowo attackiert, während in Sotschi Drohnenteile am Flughafen registriert wurden. Laut Angaben des Gouverneurs Jegor Kowaltschuk forderte ein ukrainischer Drohnenangriff in der an die Ukraine angrenzenden Region Brjansk ein Todesopfer unter den Männern, zudem wurden zwei Frauen verletzt.
Ein Drohnenangriff beschädigte die Infrastruktur des Yandex-Rechenzentrums in Wladimir, was zu massiven Ausfällen bei Taxis und Bankdienstleistungen in Russland, Kasachstan, Belarus und Armenien führte. Bereits im Februar 2022 hatte Russland den Angriffskrieg gegen die Ukraine begonnen, und die Kämpfe dauern an.

Während Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bei seinem vierten Besuch seit Kriegsbeginn betonte, dass Eintracht und Stärke Erfolgsbedingungen für Verhandlungen mit Moskau sind, drohte Kremlsprecher Dmitri Peskow den Vorwurf eines russischen Schattenkrieges, den BND-Chef Martin Jäger (62) erhoben hatte, als absolut unbegründete Anschuldigungen zurück.
Unterdessen steigen nach heftigen russischen Angriffen auf zivile und medizinische Einrichtungen sowie auf die Energieinfrastruktur in Saporischschja, Charkiw und Slowjansk die Opferzahlen weiter an. Weder Kiew noch Moskau haben bisher verbindliche Mechanismen zur Überwachung oder praktischen Umsetzung der von Trump geforderten Feuerpause vereinbart.
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