Getroffen von einer neuen Eskalation im Nahen Osten und einem Ölpreis von über 100 Dollar pro Fass ist der DAX am Mittwoch, dem 9. September 2026, um 1,7 Prozent auf 25.576 Punkte eingebrochen und auf den Stand von Ende Juli abgerutscht, wie aus aktuellen Marktberichten hervorgeht.
Die internationalen Finanzmärkte stehen unter erheblichem Druck. Ausgelöst durch neuerliche militärische Zusammenstöße im Nahen Osten kletterte der Preis für die Nordseesorte Brent über die psychologisch wichtige Marke von 100 Dollar pro Barrel und zog die Börsen weltweit mit nach unten. Die Anleger reagieren mit großer Nervosität auf die drohenden Störungen der globalen Ölproduktion und -transporte.
Ölpreis über 100 Dollar schürt neue Inflationsängste an den Aktienmärkten
Der Ölpreis für die Sorte Brent sprang auf 100,89 Dollar pro Barrel, während die Sorte WTI bei 95,57 Dollar gehandelt wurde. Damit summierte sich der Preisanstieg bei Brent im Laufe des Jahres 2026 auf 64 Prozent; vor Beginn des Krieges mit dem Iran lag der Preis noch bei rund 70 Dollar pro Fass. In der Nacht auf Mittwoch eskalierten die Angriffe weiter, nachdem das US-Militär nach eigenen Angaben fünf iranische Rohöltanker zerstörte und einen davon versenkte.
Als Reaktion darauf reagierten Irans Revolutionsgarden nach eigener Darstellung umgehend mit solchen Schlägen auf das mit den USA verbündete Königreich Jordanien. Es handelte sich um die schwerste Welle gegenseitiger Angriffe auf die Schifffahrt seit dem Ausbruch des Krieges Ende Februar.
An den Börsen schlagen sich diese geopolitischen Spannungen direkt in Kursverlusten nieder. Neben dem DAX, der tief ins Minus rutschte, gaben auch die US-Börsen im frühen Handel nach. Der Dow Jones Industrial sank um 0,8 Prozent auf 52.374 Punkte und erreichte damit ebenfalls das niedrigste Niveau seit Ende Juli. Für den breiter aufgestellten S&P 500 ging es um 0,5 Prozent auf 7.636 Punkte bergab.
Stratege Jim Reid von der Deutschen Bank erklärte dazu, dass die Investoren weitere Störungen befürchten und deshalb höhere Energiepreise für längere Zeit einpreisen. Die Skepsis nimmt zu, dass die Ölpreise in den kommenden Monaten deutlich zurückgehen
, so die Einschätzung aus dem Analysehaus. Höhere Energiekosten fachen in vielen volkswirtschaftlich stark von Importen abhängigen Staaten zugleich neue Inflationsängste an.
Blick richtet sich auf die EZB-Entscheidung und Christine Lagarde
Mit der Verteuerung von Energie rückt der Inflationsdruck wieder in den Mittelpunkt der Notenbankpolitik. Joachim Klement von Panmure Liberum betonte dazu: Ölpreise von 100 Dollar pro Barrel rücken den Inflationsdruck wieder in den Mittelpunkt
. Vor diesem Hintergrund blicken Marktteilnehmer mit großer Spannung auf die anstehenden Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB).
In diesem Umfeld werden die Entscheidung der EZB und die Äußerungen von Christine Lagarde am Donnerstag an Bedeutung gewinnen.
An den Finanzmärkten gilt es als ausgemachte Sache, dass die EZB ihren Leitzins beziehungsweise den wichtigen Einlagensatz um einen Viertelpunkt auf 2,50 Prozent anheben wird. Laut Analysen von Marktbeobachtern preist der Markt derzeit sogar zwei Leitzinserhöhungen in diesem Jahr ein. Neben der EZB steht auch die US-Notenbank Fed im Fokus, insbesondere im Hinblick auf die am Freitag anstehenden US-Inflationsdaten, die als richtungsweisend für die Zinssitzung am 15. und 16. September gelten.
Rüstungswerte unter Druck und Gegenwind für den DAX
Im deutschen Leitindex hinterließen neben dem Ölpreisschock auch neue diplomatische Bemühungen Spuren. Der Versuch von US-Präsident Donald Trump, in einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ein baldiges Ende des Krieges in der Ukraine zu erreichen, setzte europäische Rüstungswerte stark unter Druck. Aktien von Rheinmetall verzeichneten einen Abschlag von mehr als drei Prozent und bildeten das Schlusslicht im DAX, während bei den Nebenwerten Papiere von Renk und Hensoldt ebenfalls nachgaben.
Technologie-Ausnahme Meta und der neue KI-Agent Muse
Während zyklische Branchen und klassische Industriewerte unter den Verkäufen litten, zeigte sich der technologielastige US-Index Nasdaq 100 robuster. Gestützt wurde diese Entwicklung unter anderem von Meta. Die Aktien des Unternehmens legten im frühen Handel um 5,4 Prozent auf 646 US-Dollar zu und markierten damit den höchsten Stand seit etwa sieben Wochen.

Grund für den Aufschwung war die Einführung des lange angekündigten KI-Assistenten namens „Muse. Der Dienst soll im Auftrag von Nutzern E-Mails versenden, Autos verkaufen und Reisen buchen können. Meta hatte die Veröffentlichung im April verschoben, um die Sicherheit zu erhöhen, da weitreichende Befugnisse und der Zugriff auf persönliche Daten das Risiko steigern. Zum Start ist der KI-Agent zunächst exklusiv in den USA über eine eigene App sowie den Messenger-Dienst WhatsApp verfügbar.
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