Entgegen dem jahrzehntelangen Abwärtstrend sind die US-Rate des Kolorektalkarzinoms und die Neuerkrankungen in mehreren Altersgruppen im Jahr 2023 wieder gestiegen. Eine im Fachjournal NEJM Evidence veröffentlichte Studie zeigt, dass der Anstieg längst nicht mehr auf junge Erwachsene beschränkt bleibt, sondern bis in die Altersgruppe der 65- bis 69-Jährigen reicht.
Erster Anstieg der US-Gesamtrate seit zwei Jahrzehnten
Die landesweiten Daten der US-Krebsregister zeigen eine Wende bei einer der häufigsten Krebserkrankungen. Die Untersuchung im NEJM Evidence markiert damit den ersten Zuwachs der Gesamtinzidenz seit Beginn dieser statistischen Erfassung im Jahr 2000.
Die Auswertung stützt sich auf Daten des Surveillance, Epidemiology, and End Results (SEER) Programms, das über das SEER-21-Register 21 geografische Krebsregisterbereiche umfasst und 45,8 Prozent der US-Bevölkerung abdeckt. Die beteiligten Wissenschaftler betonen, dass eine pandemiebedingte Nachholdiagnostik als Hauptursache unwahrscheinlich ist. Stattdessen vermuten die Fachleute einen sogenannten Kohorteneffekt, bei dem Erwachsene, die seit den 1960er Jahren geboren wurden, beim Eintritt in das mittlere und ältere Erwachsenenalter ein zunehmendes Risiko für Darmkrebs aufweisen.
Caitlin Murphy betonte: „Die wichtige Botschaft ist, dass wir steigende Darmkrebsraten nicht länger als ein Problem betrachten können, das auf jüngere Erwachsene beschränkt ist.

Warum die Fallzahlen bei Jüngeren und Älteren steigen
Der steilste Anstieg der Neuerkrankungen zeigte sich bei den 45- bis 49-Jährigen. Zwischen 2019 und 2023 kletterten die Fallzahlen in dieser Gruppe jährlich um 12,76 Prozent (oder rund 12,8 Prozent). Experten führen diesen Zuwachs vor allem auf die geänderten Vorsorgeempfehlungen zurück. Im Jahr 2021 senkte die U.S. Preventive Services Task Force das empfohlene Einstiegsalter für die routinemäßige Darmkrebsvorsorge von 50 auf 45 Jahre, wobei offizielle Leitlinien für Erwachsene im Alter von 45 bis 75 gelten.
Durch die abgesenkte Altersgrenze greift die Früherkennung bei jüngeren Erwachsenen genau so, wie es von Gesundheitspolitikern beabsichtigt war. Frühere Diagnosen lassen die Fallzahlen statistisch ansteigen, weil Tumoren entdeckt werden, die zuvor unbemerkt geblieben wären.
Doch dieser Screening-Effekt erklärt nicht den gleichzeitigen Anstieg in älteren Bevölkerungsschichten. Auch bei den 65- bis 69-Jährigen steigen die Raten, während sie bei den 70- bis 74-Jährigen stagnieren. Letztere Gruppe gilt als besonders gut durch Vorsorgeuntersuchungen abgedeckt, da etwa 80 Prozent der Erwachsenen im Alter von 65 bis 74 Jahren die Empfehlungen zur Früherkennung einhalten.

Caitlin Murphy erklärte: „Die Generationen, die zuerst steigende Darmkrebsraten in jüngeren Jahren erlebt haben, werden älter, und ihr erhöhtes Risiko scheint ihnen mit dem Älterwerden zu folgen.
Was Ärzte zur Darmkrebsvorsorge und Warnsignalen raten
Angesichts der veränderten epidemiologischen Datenslage betonen Mediziner die Bedeutung unterschiedlicher Testverfahren und raten dazu, sich von qualifizierten Fachleuten zu den verschiedenen Vorsorgetests und deren Wiederholungsintervallen beraten zu lassen.
Liz Murphy und andere Experten weisen darauf hin, dass rektale Blutungen, Blut im Stuhl, anhaltende Veränderungen des Stuhlgangs, anhaltende Bauchschmerzen sowie unerklärlicher Gewichtsverlust nicht ignoriert werden sollten und eine medizinische Abklärung rechtfertigen.
Sonia Kupfer sagte: „Es ist wichtig anzuerkennen, dass viele Menschen, bei denen Darmkrebs diagnostiziert wird, insbesondere in jüngeren Jahren, keine offensichtlichen Risikofaktoren haben.
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