Forscher des MD Anderson Cancer Center präsentierten auf dem ESTRO-Kongress 2026 in Stockholm Ergebnisse der Phase-II-Studie EXTEND. Die Analyse zeigt, dass Tests auf zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA) die Überwachung der metastasen-gerichteten Therapie präziser ermöglichen als die herkömmliche Zählung von Läsionen, was die Behandlungsentscheidungen bei frühen metastasierten Krebserkrankungen verbessern könnte.
In der Onkologie gilt die Bildgebung lange Zeit als Goldstandard. Ärzte zählen Läsionen auf Scans, um den Fortschritt einer Krankheit zu beurteilen oder den Erfolg einer Therapie zu messen. Doch diese Methode stößt an ihre Grenzen, wenn es um die Feinsteuerung von Behandlungen geht. Die neuesten Ergebnisse der EXTEND-Studie, die im Journal of Clinical Oncology veröffentlicht wurden, markieren einen Wendepunkt in der Art und Weise, wie Ärzte den Erfolg einer metastasen-gerichteten Therapie (MDT) bewerten.
Die MDT, die meist in Form einer Strahlentherapie erfolgt, zielt darauf ab, einzelne Metastasen gezielt zu bekämpfen, anstatt nur systemisch vorzugehen. Wenn diese Therapie mit einer standardmäßigen medikamentösen Krebstherapie (SOC) kombiniert wird, verbessern sich die Ergebnisse für Patienten mit oligometastasierten Krebserkrankungen signifikant. Besonders beim oligometastasierten Prostatakarzinom hat sich die MDT bereits als Standardbehandlung etabliert.
Präzision statt Schätzung: Der Wechsel zur ctDNA-Analyse
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Das Kernproblem der aktuellen Praxis ist die Variabilität. Das Zählen von Läsionen auf medizinischen Aufnahmen ist oft subjektiv und weniger reproduzierbar. Hier setzt die Analyse der Phase-II-Studie EXTEND an. Anstatt sich nur auf visuelle Beweise zu verlassen, nutzen Forscher die zirkulierende Tumor-DNA – Fragmente von DNA, die Tumorzellen in den Blutkreislauf abgeben.
Obwohl das Zählen von Läsionen seine Vorteile hat, ist es nicht so präzise oder reproduzierbar wie die Messung von ctDNA.
Dr. Chad Tang, außerordentlicher Professor für Radioonkologie des Urogenitaltrakts
Dieser molekulare Ansatz erlaubt es, die Tumorlast und die Reaktion auf die Therapie auf einer Ebene zu messen, die Scans oft entgeht. Ein nicht-invasiver Bluttest kann so Informationen liefern, die über die reine Sichtbarkeit von Tumoren hinausgehen.
Die klinische Überlegenheit der ctDNA liegt in ihrer Fähigkeit, als dynamischer Indikator zu fungieren. Während ein Scan nur eine Momentaufnahme der Anatomie liefert, spiegelt die ctDNA die biologische Aktivität des Tumors wider.
Die Daten der EXTEND-Studie: Patienten und Protokolle
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Um die Validität dieser Methode zu prüfen, wurde in einem Zeitraum von 2018 bis 2023 eine umfangreiche Patientenkohorte untersucht. Die Studie lieferte eine solide Datenbasis, um die ctDNA-Messung gegen die traditionelle Läsionszählung zu testen.
Kategorie
Anzahl / Detail
Gescreente Patienten
521
Randomisierte Patienten
350
Analysierte Patienten (gemäß Protokoll)
334
Gruppe MDT + SOC
n = 166
Gruppe SOC (allein)
n = 168
Zeitpunkte der Blutentnahme
Studienbeginn und nach drei Monaten
Die Durchführung der ctDNA-Tests erfolgte durch Guardant Health, unterstützt durch Finanzierungen des Cancer Prevention and Research Institute of Texas (CPRIT) sowie des National Cancer Institute (NCI) der National Institutes of Health (NIH). Bemerkenswert ist, dass bereits zwei Datenpunkte – der Ausgangswert und der Wert nach drei Monaten – ausreichten, um Erkenntnisse zu gewinnen, die durch die Bildgebung allein nicht möglich gewesen wären.
Frühwarnsystem: Was die DNA über den Krankheitsverlauf verrät
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Die Analyse zeigt, dass die ctDNA nicht nur den Erfolg misst, sondern auch prognostische Kraft besitzt. Forscher stellten fest, dass Tumoren, bei denen zu Beginn der Studie ctDNA nachweisbar war, eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Progression aufwiesen.
Im Gegenzug zeigten Tumoren, die mit einer MDT behandelt wurden, niedrigere ctDNA-Spiegel. Dies bestätigt die Wirksamkeit der gezielten Strahlentherapie auf molekularer Ebene. Doch die wirklich kritische Information liegt im Nachweis von ctDNA nach der Behandlung.
Wenn nach der Therapie weiterhin ctDNA im Blut vorhanden ist, deutet dies auf drei mögliche Szenarien hin:
Der Krebs ist aggressiver als ursprünglich angenommen.
Die durchgeführte Behandlung war nicht effektiv.
Der Krebs hat bereits an Stellen metastasiert, die auf den herkömmlichen Scans noch nicht sichtbar sind.
Ein nicht-invasiver Test zur Bestimmung der ctDNA-Spiegel lieferte uns weitaus mehr Informationen darüber, welche Patienten voraussichtlich von einer MDT profitieren würden und ob diese MDT im Behandlungsverlauf tatsächlich wirkte.
Dr. Chad Tang, außerordentlicher Professor für Radioonkologie des Urogenitaltrakts
Klinische Relevanz: Schnellere Reaktionen in der Patientenversorgung
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Die Integration von ctDNA-Tests in die Routineversorgung könnte die Zeitspanne zwischen dem Versagen einer Therapie und dem therapeutischen Wechsel drastisch verkürzen. Bisher mussten Ärzte oft warten, bis eine Läsion auf einem Scan groß genug war, um als Wachstum gewertet zu werden.
Wie auf dem ESTRO 2026 Kongress betont wurde, ermöglicht die ctDNA den Medizinern, schneller auf Veränderungen im Krankheitsverlauf zu reagieren. Dies ist besonders bei aggressiven Krebsarten entscheidend, bei denen jeder Monat zählt.
Die Kombination aus etablierten Bildgebungstechniken und molekularen Daten schafft ein präziseres Bild der Krebsausbreitung. Es geht nicht darum, die Scans zu ersetzen, sondern sie zu ergänzen. Während der Scan den Ort der Metastase zeigt, verrät die ctDNA deren biologische Aktivität.
Dies sind wirklich wertvolle Informationen, die wir zuvor nicht hatten. Jetzt, da wir wissen, dass diese Art von Informationen genau und verfügbar ist, hat sie nicht nur das Potenzial, Behandlungspläne zu leiten, sondern hilft Ärzten auch, schneller auf Veränderungen während der Behandlung zu reagieren.
Dr. Chad Tang, außerordentlicher Professor für Radioonkologie des Urogenitaltrakts
Für Patienten bedeutet dies eine personalisiertere Medizin. Anstatt einem starren Protokoll zu folgen, kann die Therapie dynamisch an die molekulare Antwort des Körpers angepasst werden. Die Ergebnisse der EXTEND-Studie unterstreichen, dass die MDT das Schicksal vieler Patienten verändern kann, sofern sie präzise gesteuert wird.
Hinweis: Diese Informationen dienen der medizinischen Berichterstattung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Patienten sollten alle Behandlungsentscheidungen mit ihrem behandelnden Onkologen oder Arzt abstimmen.
Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.
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