Zum Inhalt springen
Nachrichten

Clemens Pig ist neuer ORF-Generaldirektor • USA und Iran vor Abkommen • Hervis schließt Fünftel der Filialen

Clemens Pig wurde am 12. Juni 2026 nach einer über 12-stündigen Marathonsitzung zum neuen Generaldirektor des ORF gewählt. Der 51-jährige Tiroler löst Ingrid Thurnher ab. Parallel dazu meldete US-Präsident Donald Trump eine historische Einigung mit dem Iran, während SpaceX den größten Börsengang der Geschichte startete und Hervis Filialschließungen ankündigte.

Die Marathonsitzung im Stiftungsrat: Wie Clemens Pig gewann

Die Marathonsitzung im Stiftungsrat: Wie Clemens Pig gewann
Photo: falter.at
Die Wahl des neuen ORF-Chefs glich in ihrer Dauer und Intensität fast einer Papstwahl. Wie Falter berichtet, tagte das Gremium mehr als 12 Stunden, bevor die erforderliche einfache Mehrheit – mindestens 18 der 35 Wahlberechtigten – für Clemens Pig stimmte. Pig, der zuvor als CEO der APA tätig war, setzte sich gegen acht weitere Kandidaten durch. Besonders intensiv gestaltete sich die Befragung von Pig. Laut einem Bericht von Kurier wurde er mit einer Dauer von zwei Stunden und 15 Minuten am längsten aller Bewerber befragt. In dieser Phase kam es zu harten Auseinandersetzungen, insbesondere durch Peter Westenthaler, dessen Vorgehen bereits Kritik hervorrief. Die Wahl unterlag erstmals den verschärften Regeln des Europäischen Medienfreiheitsgesetzes (EMFA). Dies zwang den Stiftungsrat zu einer neuen Ebene der Transparenz: Jedes Mitglied musste eine qualitative Erklärung für seine Entscheidung abgeben, die protokolliert wurde, um etwaige Einsprüche rechtlich absichern zu können.

Politische Spannungen und der Vorwurf der „Farce“

Politische Spannungen und der Vorwurf der „Farce“
Photo: VOL.AT
Trotz der formalen Transparenz wird der Prozess von Kritikern als politisches Manöver gewertet. Die ÖVP hatte ihre Präferenz für Pig bereits im Vorfeld öffentlich gemacht. Diese offene Protektion führt dazu, dass Pig seine Amtszeit mit dem Stempel eines „Kanzlergünstlings“ beginnt, was laut Falter sowohl seine eigene Position als auch die des ORF schwächt. Die Stimmung innerhalb des Medienhauses ist gespalten. Während der Stiftungsrat Pig wählte, hatte die Mitbewerberin Lisa Totzauer, Chefin eines TV-Magazins im ORF, in einer nicht bindenden Abstimmung unter den ORF-Journalistinnen und -Journalisten eine Mehrheit hinter sich vereint. Auf diese Diskrepanz angesprochen, betonte Pig die Notwendigkeit, das Vertrauen des Hauses erst noch gewinnen zu müssen. „gute Entscheidungen, Kommunikation und Glaubwürdigkeit“ Clemens Pig, neuer ORF-Generaldirektor, via VOL.AT Parallel dazu versuchten die Stiftungsräte, den Eindruck von Parteipolitik zu vermeiden. Der Standard beschreibt die Bestellung als eine Art „Camouflage“, bei der versucht wurde, ein homogenes Abstimmungsverhalten entlang der Parteilinien zu kaschieren. Peter Westenthaler kündigte bereits am Morgen der Wahl an, den Prozess anfechten zu wollen, was die rechtliche Unsicherheit der Entscheidung erhöht.

Die Übergangsphase bis 2027 und die „Cold Cases“

APA-CEO Clemens Pig soll neuer ORF-Chef werden
Pig wird nicht sofort alle Fäden in der Hand halten. Es folgt eine sechsmonatige Übergangsphase, bevor er Anfang 2027 offiziell von der amtierenden Generaldirektorin Ingrid Thurnher alle Agenden übernimmt. Diese Zeit wird voraussichtlich turbulent. Der neue Chef erbt eine Reihe von Altlasten und strukturellen Konflikten:
  • Die „Cold Cases“: Der Transparenzbeirat wird demnächst Untersuchungsergebnisse zu Fehlverhaltensvorwürfen gegen Topmanager wie Pius Strobl, Peter Schöber und Roland Weißmann veröffentlichen.
  • Strukturelle Reformen: Medienminister Andreas Babler (SPÖ) plant für den Herbst eine grundlegende Neuausrichtung des ORF.
  • Rechtliche Haftung: Ein Privatgutachten erinnerte die Stiftungsräte daran, dass sie für die Auswahlentscheidung straf- und zivilrechtlich haften könnten, sofern diese nicht ausschließlich auf fachlicher Eignung basierte.
Die Forderungen nach einer Reform des Stiftungsrats – etwa einer Verkleinerung oder einer Besetzung durch Experten statt Parteivertreter – bleiben aktuell. Pig muss nun beweisen, dass er mehr ist als eine politische Setzung, während er gleichzeitig die internen Krisen des Hauses managen muss.

Weltweite Entwicklungen: Vom SpaceX-Börsengang zum Iran-Konflikt

Weltweite Entwicklungen: Vom SpaceX-Börsengang zum Iran-Konflikt
Photo: Der Standard
Während Österreich mit der ORF-Wahl beschäftigt war, prägten globale wirtschaftliche und politische Ereignisse den 12. Juni 2026. In den USA startete Elon Musk den bisher größten Börsengang der Geschichte mit seinem Raumfahrtkonzern SpaceX. Musk strebt an, mindestens 75 Milliarden Dollar einzusammeln, was die Unternehmensbewertung auf über 1,7 Billionen Dollar heben würde. Damit könnte er zum ersten Billionär der Welt aufsteigen, wobei Experten den Börsengang bereits als überzeichnet betrachten, wie Die Presse berichtet. Geopolitisch gibt es Anzeichen für eine Entspannung im Nahen Osten. US-Präsident Donald Trump kündigte über Truth Social eine „historische“ Verhandlungslösung an, um den Iran-Krieg zu beenden, und sagte damit zuvor angedrohte Angriffe ab. Der Iran dementiert ein solches Abkommen jedoch bislang. Im Einzelhandel gibt es drastische Kürzungen. Hervis schließt im Zuge einer strategischen Neuausrichtung ein Fünftel seiner Standorte in Österreich.
Kennzahl Detail Hervis-Schließungen
Geschlossene Filialen 17 von 93 Standorten
Betroffene Mitarbeiter ca. 100 Personen
Zeitraum Im Laufe des Jahres 2026
Grund Mangelnde Rentabilität
Abgerundet wird das aktuelle Geschehen durch eine Tragödie in den Niederlanden, wo ein Auto in eine Gruppe von Radfahrern raste. Drei Kinder und ein Erwachsener kamen ums Leben, vier weitere Kinder wurden schwer verletzt.

Find more reporting in our Nachrichten section.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.