Nach fast sieben Jahren an der Spitze der Notenbank räumt die 70-jährige Französin Christine Lagarde ihren Posten am 7. Februar 2027 und verkündet damit ihren vorzeitigen Rücktrick rund neun Monate vor dem regulären Ende ihrer achtjährigen Amtszeit, um ihre volle Meinungsfreiheit zurückzuerhalten.
Die Ankündigung erfolgte am 29. Oktober 2026 und beendet monatelange Spekulationen über ihre Zukunft an der Spitze der in Frankfurt ansässigen Institution. Christine Lagarde wird ihr Amt als Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) an jenem Tag im Februar 2027 niederlegen. Ursprünglich lief ihr Mandat bis zum Ende des Monats Oktober 2027. Ihr vorzeitiger Abschied gibt den Staats- und Regierungschefs der Eurozone die Möglichkeit, ihre Nachfolge frühzeitig zu regeln.
Das Ringen um Freie Rede und Neutralität
Nach mehr als zwanzig Jahren in internationalen Spitzenpositionen beim Internationalen Währungsfonds und der EZB wolle sie sich die Freiheit der Rede und der Meinungsäußerung zurückholen. Während ihrer abschließenden Pressekonferenz zur Zinsentscheidung erklärte Lagarde, dass die mit ihrem Amt verbundene strikte Neutralität sie daran hindere, sich zu drängenden weltweiten und nationalen Fragen zu äußern.
Sie könne in ihrer gegenwärtigen Position nicht schweigen angesichts der Entwicklungen in ihrer Heimat und weltweit, so die scheidende Präsidentin.
Ich möchte die Redefreiheit, die Meinungsfreiheit und die Freiheit haben, mich zu Themen zu engagieren, die keine geldpolitischen Themen sind.
Christine Lagarde, EZB-Präsidentin, via The Guardian
In einer Videobotschaft zeigte sie sich zufrieden mit ihrer Arbeit. Getragen von einer kurzen medizinischen Unterbrechung an diesem Tag, trat sie mit Pflastern im Gesicht vor die Öffentlichkeit und riet im selben Zuge dazu, die eigene Haut regelmäßig von Ärzten untersuchen zu lassen. Sie verlasse die Notenbank mit dem Gefühl, gute Arbeit geleistet zu haben und eine Institution zu hinterlassen, die für die Zukunft gewappnet sei.
Termine für das Pariser Machtspiel
Umfragen sehen die rechtsextreme Kandidatin Marine Le Pen in Frankreich in einer günstigen Position für die Präsidentschaftswahl im Frühjahr 2027. Durch den Abschied im Winter und nicht erst im späten Herbst können die EU-Spitzen die Nachfolge der EZB-Führung organisieren, bevor dort gewählt wird. Ein früherer Wechsel stellt sicher, dass der noch amtierende, pro-europäische Präsident Emmanuel Macron bei der Auswahl der Nachfolge an den Tischen der europäischen Partner mitentscheiden kann.
Hinter dem vorgezogenen Termin im Februar 2027 stecken erhebliche politische Dimensionen.

Der französische Staatschef dankte Lagarde in einer Stellung im Onlinedienst X für ihren entschlossenen Einsatz in einer von Krisen geprägten Amtszeit. Der Präsident des Europäischen Rates, Antonio Costa, bestätigte, dass das Auswahlverfahren für die Nachfolge unverzüglich in die Wege geleitet werde. Der Prozess zur Bestimmung eines Nachfolgers müsse nun in geordneter und ausgewogener Weise mit den europäischen Partnern vorbereitet werden, betonte der französische Präsident.
Personalkarussell in der Eurozone
Isabel Schnabel verlässt das Gremium im Januar 2027 vorzeitig, während die Amtszeit von Chefökonom Philip Lane im Mai desselben Jahres ausläuft; zudem trifft Lagardes Abgang die Eurozone in einer sensiblen Phase. Für die Neubesetzung des Präsidentenamtes und der Vorstandssitze ist die Unterstützung von mindestens 16 der 21 Euroländer erforderlich, die 65 Prozent der Bevölkerung des Blocks repräsentieren.
Analysten und Finanzexperten beruhigen die Märkte indes hinsichtlich der institutionellen Kontinuität. Als führende Kandidaten für die Nachfolge an der EZB-Spitze gelten in Finanzkreisen der ehemalige niederländische Notenbankchef Klaas Knot und der frühere spanische Zentralbankgouverneur Pablo Hernández de Cos, der derzeit als Generalmanager der Bank für Internationalen Zahlungsausverkehr tätig ist.
Unsere Ansicht ist, dass das institutionelle Verhalten Lagarde überdauern und ziemlich ähnlich sein wird, wer auch immer übernimmt.
Simon Dangoor, Leiter für festverzinsliche Makro-Investments bei Goldman Sachs, via Al Jazeera
Ob Lagardes Nachfolger die geldpolitischen Instrumente angesichts dieser fiskalischen Unwägbarkeiten anpassen muss, wird die Diskussionen in Frankfurt in den kommenden Monaten bestimmen. Gleichzeitig blicken Märkte und Entscheidungsträger besorgt auf die Staatsfinanzen und steigenden Renditen von französischen Staatsanleihen.
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