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Welt

Chinas Außenminister Wang Yi fordert von Südkorea strategische Autonomie

Chinas Außenminister Wang Yi hat bei einem Besuch in Seoul gefordert, dass Südkorea sich im Verhältnis zu den Großmächten neutral verhält. Während die bilateralen Beziehungen nach Jahren der Spannung als vollständig wiederhergestellt gelten, lehnte Peking Seouls Vorstoß für multilaterale Friedensgespräche ab.

Wang forderte die südkoreanische Führung ausdrücklich auf, weder an der Seite der USA noch in einer Blockkonfrontation Stellung zu beziehen, und warf Washington gleichzeitig eine feindliche Politik gegenüber Pjöngjang vor.

Peking drängt Seoul zur strategischen Autonomie

Bei seinen Gesprächen mit dem südkoreanischen Nationalen Sicherheitsberater Wi Sung-lac und Präsident Lee Jae Myung betonte der chinesische Außenminister, dass die Wurzeln der Spannungen auf der Halbinsel in der Haltung der Vereinigten Staaten liegen. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, sieht Peking in der Abkehr Washingtons von feindlichen Maßnahmen den einzig gangbaren Weg zur Entspannung.

Die fundamentale Lösung für die Spannungen auf der Koreanischen Halbinsel liegt in der Adressierung der Grundursachen des Problems und der Aufforderung an die Vereinigten Staaten, ihre feindliche Politik gegenüber Nordkorea aufzugeben. Wang Yi, Chinas Außenminister, via Reuters

Gleichzeitig rief Wang Seoul dazu auf, Beziehungen zu China und den USA parallel und widerspruchsfrei zu pflegen. Nach Angaben des chinesischen Außenministeriums machte der Gast aus Peking unmissverständlich klar, dass er eine engere Einbindung Südkoreas in westliche Bündnisstrukturen kritisch sieht.

Reaktionen auf US-Signale und Raketentests

Der diplomatische Auftritt fand in einer Phase statt, in der US-Präsident Donald Trump Zweifel an der Verlässlichkeit Washingtons säte. Trump hatte angekündigt, die gemeinsamen Militärmanöver mit Südkorea deutlich zu reduzieren und noch in diesem Jahr den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un treffen zu wollen. Er begründete dies mit den Kosten und seinem guten Verhältnis zu Kim, während er gleichzeitig auf ein nordkoreanisches Atomwaffenarsenal von 57 Sprengköpfen verwies.

Chinese Foreign Minister Wang Yi shakes hands with his South Korean counterpart Cho Hyun during their meeting at the Foreign
Photo: Reuters

Pjöngjang reagierte auf die diplomatischen Avancen jedoch mit harten Fakten: Am Donnerstag schoss Nordkorea mehr als zehn Kurzstrecken-Ballistikraketen ab. Die südkoreanische Regierung verurteilte diese Starts scharf und versetzte ihr Militär in volle Bereitschaft.

Wirtschaftliche Annäherung und offene Konfliktpunkte

Trotz der geopolitischen Differenzen hoben beide Seiten hervor, dass die zwischenstaatlichen Verbindungen nach früheren Krisen vollständig wiederhergestellt seien. Südkoreas Präsident Lee Jae Myung sagte die Unterstützung seines Landes für das anstehende APEC-Gipfeltreffen in Shenzhen zu, das von China ausgerichtet wird. Das Treffen markierte Wangs ersten alleinigen Besuch in Seoul seit fünf Jahren, nachdem er zuletzt im September 2021 vor Ort war.

Chinas Außenminister Wang Yi fordert von Südkorea strategische Autonomie
Photo: SCMP

Dennoch blieb Peking in der Kernfrage der koreanischen Friedensgespräche zurückhaltend. Wang lehnte es ab, Seouls Initiative für multilaterale Verhandlungen aktiv zu unterstützen. Während die südkoreanische Seite auf Chinas Einfluss im Nachbarland setzte, behielt Peking seine traditionell eher verhaltene Linie gegenüber den nuklearen und militärischen Aktivitäten Pjöngjangs bei.

Chinese Foreign Minister Wang Yi met with his South Korean counterpart Cho Tae-yul in Seoul
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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