Zwei profilierte Exponenten der Schweizer Volkspartei bringen sich für die Nachfolge des zurücktretenden Bundesrats Guy Parmelin in Stellung. Während die Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz ihre Kandidatur offiziell bekannt gab, prüft der Zürcher Banker Thomas Matter ebenfalls eine Bewerbung und entfacht damit einen parteiinternen Machtkampf.
Céline Amaudruz stellt offizielle Ansprüche in Genf
Elf Jahre nach ihrem Einsatz als Wahlkampfleiterin für Guy Parmelin will die Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz selbst in die Landesregierung einziehen. Vor den Medien in Genf machte die 47-jährige Vermögensverwalterin am 15. Oktober klar, dass sie bereit ist, Verantwortung auf höchster Ebene zu übernehmen. Sie betonte, dass ihre Kandidatur von der Parteileitung abgesegnet sei und sie vorab Gespräche mit Parteipräsident Marcel Dettling sowie Fraktionschef Thomas Aeschi geführt habe.
Die 47-Jährige ist Mutter zweier kleiner Kinder im Alter von einem und drei Jahren. In gesellschaftspolitischen Fragen gilt sie als liberaler als die offizielle SVP-Linie, und sie wird nicht zum Kreis der Vertrauten von Christoph Blocher gezählt. Aufgewachsen ist sie in einer wohlhabenden Genfer Anwaltsfamilie, hat Privatschulen besucht und pflegt teure Hobbys wie Wasserskifahren und Springreiten. Bereits im Jahr 2017 führte sie das Wirtschaftsmagazin «Bilanz» unter den zehn vermögendsten Parlamentarierinnen auf. Bei der Bundesratswahl im Jahr 2022, als die Nachfolge von Ueli Maurer anstand, hatte sie sich noch nicht um ein Amt in der Landesregierung beworben.
Unterstützung erhält Amaudruz vor Ort von der Genfer Kantonalpartei. Lionel Dugerdil, Präsident der SVP Genf, lobte sie als engagierte Politikerin, die sich seit Jahren für die Kaufkraft und die Sicherheit von Frauen starkmache. Auch in der Romandie nimmt sie eine ausgemachte Poleposition unter den Westschweizer Vertretern ein. Dennoch sorgt ihre Person für Gesprächsstoff. Kritiker beleuchten neben ihrer beruflichen Vergangenheit im Finanzsektor auch ihre politischen Vorstösse, während die NZZ jüngst auf offene Flanken in ihrer Vita verwies.

Thomas Matter erwägt Gegenkandidatur
Die Ambitionen der Genferin rufen den wirtschaftsstarken Zürcher Flügel auf den Plan. Der Zürcher SVP-Nationalrat Thomas Matter schliesst eine eigene Kandidatur für die Nachfolge von Guy Parmelin nicht aus. Gegenüber Medien erklärte der Banker, dass er sich intensive Gedanken mache und die Möglichkeit derzeit mit seiner Ehefrau bespreche. Einem Einzug in den Bundesrat stand bislang ein Versprechen entgegen, das er seiner Frau bei seinem Einzug in den Nationalrat gegeben hatte.
Ein mögliches Antreten Matters würde auf einen harten Schlagabtausch zwischen Zürich und dem Genfersee hindeuten. Während die Westschweizer Sektion vehement den Anspruch auf den Sitz verteidigt und darauf pocht, dass eine Romande zum Zug kommt, verweisen Zürcher Vertreter wie Nationalrat Benjamin Fischer darauf, dass fachliche Qualifikationen schwerer wiegen sollten als die regionale Herkunft.
Debatte über Familie und Mandate
Abseits des regionalen Kräftektesels sorgten auch gesellschaftspolitische Fragen rund um Amaudruz für Aufsehen. Als Mutter zweier kleiner Kinder zeigte sich die Nationalrätin fassungslos darüber, dass in der Öffentlichkeit diskutiert wird, ob sich ein solches Amt mit der Mutterschaft vereinbaren lasse. Empört wies sie die Vorbehalte zurück und stellte die Frage, welche Botschaft eine solche Debatte an Frauen in der Bevölkerung sende.

Unterstützung erhält sie in dieser Hinsicht aus der Politikwissenschaft. Die Expertin Sarah Büttikofer betonte gegenüber Medien, dass Amaudruz als berufstätige Mutter die Gesellschaft ebenso repräsentieren könne wie ein kinderloser Politiker aus der Innerschweiz. Das Frauenthema sei im Bundesrat eine Tatsache, aber weder eine Qualifikation noch ein Nachteil.
Entscheidende Fristen im Rennen
Bis zum 23. Oktober haben die kantonalen SVP-Sektionen Zeit, offizielle Kandidaturen einzureichen. Über das offizielle Wahlvorschlag-Ticket für die Bundesversammlung entscheidet am 20. November die SVP-Bundeshausfraktion. Die eigentliche Ersatzwahl durch das Parlament findet schliesslich am 9. Dezember während der Wintersession statt.
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