Die mögliche Bundesratskandidatur der Genfer SVP-Nationalrätin Céline Amaudruz löst in Bundesbern eine Debatte über Mutterschaft und politische Ämter aus. Während Partei- und Weggefährten wie Guy Parmelin einen Generationenwechsel befürworten, stösst das Alter ihrer ein- und dreijährigen Töchter in politischen Kreisen auf vernehmbare Vorbehalte.
Céline Amaudruz denkt nach Angaben der Blick-Berichterstattung vom Oktober 2026 ernsthaft
über eine Kandidatur als Bundesrätin nach. Die 47-jährige Genfer SVP-Nationalrätin erklärt dazu, dass die Erfahrung als Mutter eine Person bereichere, insbesondere hinsichtlich der Fähigkeit zuzuhören, der Organisationsfähigkeit und des Verantwortungsverantwortungsbewusstseins. Sie wünsche sich, dass diese Erfahrung in der Gesellschaft mehr Anerkennung finde, und verweist darauf, gut organisiert zu sein.
Mentorschaft durch Parmelin und politische Wegmarken
Im politischen Bern ist Amaudruz eng mit Bundespräsident Guy Parmelin vernetzt. Der 66-jährige SVP-Bundesrat gilt laut den Berichten als ihr väterlicher Freund und Mentor. Amaudruz organisierte im Jahr 2015 seinen Wahlkampf, und die beiden tauschen sich fast täglich aus. Parmelin zeigt sich in der Frage seiner Nachfolge modern: Er befürwortet einen Generationenwechsel sowie eine Frau als Bundesrätin.
Gleichzeitig ist Amaudruz im Bundeshaus als Finanzpolitikerin bekannt. Sie war für die Privatbank Reyl tätig, die sich im Clinch mit der Finanzmarktaufsicht Finma befand, und fällt in Bern immer wieder als Finma-Schreck sowie UBS-Versteherin auf. Zudem ist sie Verwaltungsratspräsidentin einer Westschweizer Mühle mit einem Salär von 152’000 Franken, was laut der Berichterstattung auch ihren Einsatz für die Subventionierung von Hülsenfrüchten mitprägt. Im Jahr 2016 wurde sie mit 2 Promille Alkohol am Steuer erwischt – ein Vorfall, den sie rückblickend als grössten Fehler ihres Lebens bezeichnet und bei dem sie Parmelin anrief, der ihr zur Kooperation mit der Polizei riet.
Debatte über kleine Kinder im Bundesrat
Trotz der Offenheit für eine Kandidatur sorgt Amaudruz‘ familiäre Situation für Gesprächsstoff. Da ihre beiden Töchter erst eins und drei Jahre alt sind, zirkuliert in Bern wiederholt der Satz: Amaudruz hat zwei kleine Töchter.
Mich stört diese Diskussion massiv. Ich werde immer darauf angesprochen: Wie machst du das mit dem Kind? Und jetzt bekommst du noch ein zweites.
Martina Bircher, SVP-Regierungsrätin im Kanton Aargau
Die Aargauer SVP-Regierungsrätin Martina Bircher, die Mutter eines Sohnes ist und im Dezember ihr zweites Kind erwartet, kritisiert diese Fragestellung im Blick-Gespräch scharf. Männern würden solche Fragen nicht gestellt, und Frauen müssten sich stets rechtfertigen, weshalb das Land bei sinkenden Geburtenraten ein solches Bild nicht pflegen dürfe.
Historischer Vergleich und Haltung der Alt-Bundesrätinnen
Die Schweizer Geschichte kennt männliche Bundesräte mit kleinen Kindern wie Alain Berset, dessen jüngste Tochter beim Amtsantritt vier Jahre alt war. Auch Mütter gehörten der Landesregierung an – etwa Elisabeth Kopp, Micheline Calmy-Rey, Eveline Widmer-Schlumpf und die amtierende Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider –, deren Kinder beim Amtsantritt jedoch bereits erwachsen waren.
Ehemalige Regierungsmitglieder bewerten die Debatte unterschiedlich. Die kinderlose Alt-Bundesrätin Ruth Dreifuss erklärt gegenüber Blick kurz: Natürlich geht das. Männer können auch Kinder haben und Bundesrat sein.
Die ehemalige Bundesrätin Micheline Calmy-Rey bezeichnet die Fragestellung als skandalös
und verweist darauf, dass das Bundesratsamt mit einer Familie vereinbar sei, zumal die Schweiz bei der Ganztagsbetreuung und flexiblen Arbeitsmodellen noch aufholen müsse.
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