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Céline Amaudruz kandidiert offiziell für den Schweizer Bundesrat

Die Genfer SVP-Nationalrätin Céline Amaudruz hat am Donnerstag in Genf als Erste offiziell ihre Kandidatur für die Nachfolge von Bundesrat Guy Parmelin im Bundesrat bekannt gegeben. Bei einer Wahl am 9. Dezember wäre die 47-jährige Vizepräsidentin der Schweizer SVP die erste Frau ihrer Partei in der Landesregierung.

Vor elf Jahren leitete Céline Amaudruz den Wahlkampf, der Guy Parmelin in den Bundesrat brachte. Nun stellt sie sich als erste offizielle Bewerberin für die Nachfolge des 66-jährigen Waadtländers zur Wahl, die von der SVP-Bundeshausfraktion am 20. November auf dem offiziellen Ticket nominiert wird, ehe die Vereinigte Bundesversammlung am 9. Dezember den neuen Bundesrat wählt. Die 47-jährige Genferin politisiert seit 15 Jahren im Nationalrat und führte zuvor sechs Jahre lang die Kantonalpartei an. Die in wohlhabenden Verhältnissen aufgewachsene Politikerin absolvierte Rechtsvorlesungen und wurde bereits im Jahr 2017 von der Zeitschrift «Bilanz» unter die zehn reichsten Parlamentarierinnen gerechnet. Während ihres bisherigen politischen Werdegangs erlebte sie im Jahr 2016 eine schwere Episode, als sie abends mit knapp zwei Promille am Steuer angetroffen wurde; damals rief sie den amtierenden Bundesrat Guy Parmelin an, der ihr den staatsmännischen Rat gab, mit den Behörden zu kooperieren. Die Episode überstand sie politisch relativ unbeschadet.

Ihren Entschluss für eine Kandidatur begründete die Genferin bei ihrer Medienkonferenz am Donnerstagvormittag in Genf unweit des Bahnhofs Cornavin damit, dass sie sich den Entscheid reiflich überlegt und mit ihrem Ehemann, ihren Angehörigen sowie ihrem politischen Umfeld besprochen habe. Sie betonte, dass sie bereit sei, Verantwortung für das Land zu übernehmen und sich der Anforderungen sowie des damit verbundenen Engagements voll und ganz bewusst sei. Dabei setzt sie auf ihre langjährige politische Erfahrung und unterstreicht die Bedeutung der Westschweiz. Die Interessen der Schweiz stünden für sie an erster Stelle, allerdings verbunden mit einer Westschweizer Perspektive. Für ihren Heimatkanton Genf nannte sie spezifische Herausforderungen wie die Mobilität, die Arbeitslosigkeit sowie Sicherheitsfragen in den Grenzregionen.

Céline Amaudruz kandidiert offiziell für den Schweizer Bundesrat
Foto: bz Basel

Rückhalt in der Parteileitung und Kritik aus den Reihen

Die Ambitionen der Genfer Nationalrätin stossen parteiintern nicht überall auf uneingeschränkte Zustimmung. Nach Bekanntgabe ihrer Kandidatur machte Amaudruz jedoch deutlich, dass sie sich vorab mit den wichtigsten Kräften der Partei abgesprochen habe. Sie habe ein Telefongespräch mit dem SVP-Parteipräsidenten Marcel Dettling geführt, der sich erfreut darüber gezeigt habe, dass sie als Erste ihre Kandidatur angekündigt habe, sowie das Fraktionspräsidium und die Parteileitung informiert, so die offizielle Information bei ihrer Medienkonferenz.

Gleichwohl gab es auch kritische Töne. Der frühere SVP-Nationalrat und Weltwoche-Chefredaktor Roger Köppel hatte sie im Vorfeld als politisches Leichtgewicht bezeichnet und eine Nomination als monumentale Fehlbesetzung kritisiert. Auf diese Angriffe wollte Amaudruz bei ihrem Auftritt nicht näher eingehen und hielt fest, dass Köppel sie bereits kritisiert habe, bevor sie ihre Ambitionen überhaupt bekannt gegeben hatte. Unterstützung erhielt sie derweil von Lionel Dugerdil, dem Präsidenten der SVP Genf, der verlangte, dass die Westschweiz auf dem offiziellen SVP-Ticket vertreten sein müsse. Auch Fribourger Parlamentskollegen wie Nationalrat Nicolas Kolly und Nationalratspräsident Pierre-André Page sowie der Waadtländer SP-Ständerat und oberste Gewerkschafter der Schweiz, Pierre-Yves Maillard, äusserten sich dahingehend, dass sie es gerne sähen, wenn auch der Nachfolger oder die Nachfolgerin von Parmelin französischsprachig wäre, um zu verhindern, dass SP-Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider ab dem Jahr 2027 das einzige französischsprachige Mitglied der Landesregierung bliebe.

SVP National Councilor Céline Amaudruz runs for Federal Council

Debatte um Familie und politische Haltung

Besondere Aufmerksamkeit erregte im Vorfeld der Ankündigung die Frage der Vereinbarkeit von Familie und dem anspruchsvollen Regierungsamt. Bei ihrer Medienkonferenz bezeichnete Amaudruz die Diskussionen darüber, ob eine Mutter eines Kleinkinds Bundesrätin sein könne, als erschütternd und betonte, sie sei schockiert darüber, dass darüber überhaupt noch debattiert werde. Sollte sie am 9. Dezember gewählt werden, wäre sie die erste Bundesrätin mit kleinen Kindern zu Hause. Inhaltlich setzt sie auf klassische Positionen ihrer Partei, betonte bei ihrem Auftritt jedoch, dass sie Deutsch, Italienisch und Englisch spreche und in der Lage sei, Gespräche auf Deutsch zu führen. Zwar weichte sie in Einzelfragen wie der Individualbesteuerung oder dem Vaterschaftsurlaub in der Vergangenheit von der offiziellen Partei-Linie ab, betonte jedoch an die Adresse ihrer Deutschschweizer Parteikolleginnen und -kollegen gerichtet, dass man dieselben Werte vertrete. In Bezug auf die neuen Verträge mit der Europäischen Union betonte sie, dass diese die Unabhängigkeit und Souveränität des Landes beträfen, weshalb sie der Bevölkerung erklären wolle, weshalb sie die Abkommen ablehne. Zudem hob sie die Stärkung der Kaufkraft, den Schutz der Landwirtschaft, einen wirksamen Grenzschutz sowie den Ausbau der Armee als zentrale Zukunftsaufgaben hervor.

Ich bin fassungslos, dass eine solche Frage heute überhaupt noch gestellt wird.

Céline Amaudruz, SVP-Nationalrätin

Das weitere Kandidatenfeld im National- und Ständerat

Neben Amaudruz wird das Kandidatenfeld für die Parmelin-Nachfolge in den kommenden Wochen voraussichtlich weiter wachsen. SVP-Fraktionspräsident Thomas Aeschi sprach sich in der Radio-SRF-Samstagsrundschau für ein offizielles Ticket mit mindestens zwei Kandidaturen aus. Mehrere potenzielle Namen wurden in den Medien diskutiert, wobei einige prominente Politiker bereits abwinkten. So überlegt sich etwa ein Walliser Nationalrat eine Kandidatur, während der Zürcher Nationalrat Gregor Rutz abgesagt hat und Regierungsrätin Natalie Rickli nachdenkt. Auch der Thurgauer Nationalrat und Asylchef Pascal Schmid gab an, sich Gedanken über den Schritt zu machen, und der Waadtländer Nationalrat Yvan Pahud erklärte, dass ihn das Amt zwar interessiere, er aber aufgrund seiner erst seit 2023 bestehenden Parlamentstätigkeit noch darüber nachdenken müsse. Parteipräsident Marcel Dettling lehnte eigene Ambitionen ab, da sein Fokus auf der Führung der Partei und dem Kampf gegen die neuen EU-Verträge liege.

Die Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz will in die Landesregierung. Sie setzt dabei auf ihre politische Erfahrung und die
Foto: Watson
  • Esther Friedli: Die St. Galler Ständerätin erteilte einer Kandidatur eine Absage; Amaudruz betonte dazu, dass ihr eigener Entschluss unabhängig davon gefallen sei.
  • Pierre-André Page: Der freiburgische Nationalratspräsident verzichtete ebenfalls.
  • André Rüegsegger: Die SVP Schwyz kündigte an, ihren Regierungsrat als Nachfolger ins Gespräch zu bringen.
  • Nicolas Kolly: Der Freiburger Nationalrat denkt laut eigenen Angaben über eine Kandidatur nach.

Die Anmeldefrist für interessierte Parteimitglieder läuft in den kommenden Tagen ab. Die endgültige Zusammensetzung des offiziellen Tickets entscheidet sich an der Fraktionssitzung am 20. November, ehe die Bundesversammlung am 9. Dezember zur Ersatzwahl schreitet.

Céline Amaudruz kandidiert offiziell für den Schweizer Bundesrat
Foto: Der Schweizer Bauer
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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

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