Angesichts der angespannten Sicherheitslage in Europa rechnet der scheidende Schweizer Luftwaffenchef Peter Merz ab 2028 mit einer Ausweitung des Ukraine-Kriegs nach Westeuropa.
Europäische Sicherheitslage und Warnung vor Ausweitung ab 2028
In einem Gespräch mit dem «SonntagsBlick» äußerte er eine konkrete zeitliche Einschätzung für eine mögliche Ausweitung des Konflikts. Ab 2028 sei mit einer Ausweitung des Ukraine-Kriegs nach Westeuropa zu rechnen, warnte der Luftwaffenchef und betonte die dringende Notwendigkeit zum Handeln.
Russland übe bereits seit Jahren einen kontinuierlichen Druck auf europäische Staaten aus. Parallel dazu setze Moskau auf hybride Kriegführung im Westen. Dazu gehören nach Angaben der Sicherheitsbehörden Cyberangriffe, Spionage, Desinformation sowie gezielte Wahlmanipulationen.
Drohnenvorfälle in Polen und die Debatte um die Schweizer Luftverteidigung
Die jüngsten Vorfälle im polnischen Luftraum werten Militärexperten als eine besorgniserregende Eskalation. Mehrere russische Drohnen waren gleichzeitig in Polen registriert worden. Laut der Einschätzung von Peter Merz handelte es sich dabei keineswegs um Versehen oder Navigationsfehler. Es waren schlicht zu viele gleichzeitig
, was eine neue Eskalationsstufe
darstelle.
Diese Entwicklung alarmiert auch die politische Führung in Bern. Verteidigungsminister Martin Pfister zeigte sich nach den Ereignissen in Polen tief besorgt. Dass ein europäischer Nachbarstaat in diesem Maße betroffen war, stelle eine neue Dimension
dar, erklärte der Bundesrat im Interview mit der «SonntagsZeitung». Zwar stuft er ein unmittelbar identisches Szenario für die Schweiz derzeit als nicht sehr wahrscheinlich
ein, fordert jedoch konsequente Vorbereitungen.
Die aktuelle Abwehrbereitschaft der Schweizer Luftwaffe weist erhebliche Lücken auf. Auf einen massiven Drohnenangriff ist das Land nach offiziellen Angaben kaum vorbereitet. Die vorhandenen F/A-18-Kampfflugzeuge können moderne Drohnen aus großer Distanz weder zuverlässig orten noch bekämpfen. Im Alltag wäre es eher Zufall, eine Drohne mit Bodenkanonen abzuschießen, so Merz zur gegenwärtigen Ausrüstungssituation.
Notwendigkeit neuer Waffensysteme und die nukleare Dimension in Saporischja
Um diese sicherheitspolitischen Defizite zu beheben, fordern die Verantwortlichen eine beschleunigte Modernisierung des Geräts. Die Luftwaffe benötige sehr schnell neue funktionsfähige Kampfflugzeuge. Dabei wird auf die geplante Beschaffung der F-35-Jets sowie auf ergänzende bodengestützte Luftabwehrsysteme verwiesen, vor denen Flugkörper dieser Art künftig nicht mehr sicher sein sollen.

Die anhaltenden Kampfhandlungen belasten zudem die Zivilbevölkerung massiv. Mehr als vier Jahre nach Beginn der russischen Invasion sind nach Angaben von Hilfsorganisationen Millionen Menschen im Kriegsgebiet und in den Nachbarländern auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die Glückskette sammelt Spenden für die betroffene Zivilbevölkerung, um die grundlegende Versorgung mit Strom, Heizung und medizinischen Leistungen zu unterstützen und beschädigte Wohnungen instand zu setzen.