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Britischer Premier Starmer steht laut Bericht vor Rücktritt

Der britische Premierminister Keir Starmer soll laut Berichten am Montag zurücktreten, während Andy Burnham durch einen Wahlsieg in Makerfield zum Herausforderer aufsteigt. Die britische Regierung weist die Rücktrittsgerüchte zurück, doch massive interne Kritik der Labour-Partei und historisch schlechte Umfragewerte erhöhen den Druck auf den Regierungschef erheblich.

Rücktrittsgerüchte und interner Aufstand gegen Starmer

Rücktrittsgerüchte und interner Aufstand gegen Starmer
Photo: falter.at
Die britische Politik steht vor einem möglichen Machtwechsel an der Spitze der Labour-Partei. Wie Die Presse unter Berufung auf „The Observer“ berichtet, soll Keir Starmer nach Gesprächen mit Ministern, Beratern und Gewerkschaftsführern zu dem Schluss gekommen sein, dass er sich nicht mehr im Amt halten könne. Ein Rücktritt wird für Montag erwartet. Ein Regierungsvertreter wies diese Berichte jedoch zurück und erklärte, der Premierminister konzentriere sich auf seine Amtsgeschäfte. Die Lage von Starmer ist prekär. Zwei Jahre nach seinem Wahlsieg kämpft er mit einem massiven Vertrauensverlust. Schwere Verluste bei den Kommunalwahlen im Mai sowie die Rücktritte führender Kabinettsmitglieder, die gegen seinen Führungsstil protestierten, haben seine Position destabilisiert. Mehr als 100 Abgeordnete der Labour-Partei – etwa ein Viertel der Fraktion im Unterhaus – haben ihn bereits öffentlich aufgefordert, zurückzutreten oder einen Zeitplan für seinen Abgang festzulegen.

Der strategische Sieg von Andy Burnham in Makerfield

Der strategische Sieg von Andy Burnham in Makerfield
Photo: FM4
Während Starmer wankt, hat sein Rivale Andy Burnham die notwendige parlamentarische Basis für einen Angriff geschaffen. Der Bürgermeister von Manchester gewann eine strategisch angesetzte Nachwahl im Wahlkreis Makerfield, südlich der Stadt Wigan. Laut Tagesschau war dieser Sieg essenziell, da Burnham ein Mandat im Unterhaus benötigte, um formell für den Parteivorsitz kandidieren zu können. Das Ergebnis der Wahl in Makerfield zeigt ein gespaltenes Bild:
  • Andy Burnham (Labour): 25.000 Stimmen
  • Reform UK: 15.000 Stimmen
Trotz des Sieges ist die Stimmung in der Region volatil. In lokalen Pubs wurde Burnham teilweise abgelehnt, während die rechte Reform-Partei von Nigel Farage, die Labour in der Region zuvor vernichtend geschlagen hatte, weiterhin Zuspruch findet. Burnham reagierte auf seinen Sieg mit dem Hinweis auf die Lebenshaltungskosten. Andy Burnham, nach dem Wahlsieg in Makerfield

Das „Manchester-Modell“ als politische Alternative

Burnham positioniert sich nicht nur als Personalsubstitut, sondern als ideologischer Gegenentwurf zu Starmer. Er propagiert das Konzept des „produktiven Staates“ – eine Balance zwischen staatlichen und privaten Angeboten, die eine Rückbesinnung auf öffentliche Infrastruktur vorsieht. In Manchester setzte er dies bereits durch die Wiedereinführung eines öffentlichen Bussystems um. Dieser Ansatz, in einem Essay des Magazins The New Statesman als „Manchesterismus“ bezeichnet, zielt darauf ab, den Staat wieder als aktiven Gestalter der Wirtschaft zu etablieren, anstatt nur für Versagen zu bezahlen, wie der Falter analysiert. Jonathan Tonge, Professor für Politik an der Universität Liverpool, sieht in der wirtschaftlichen Entwicklung des Großraums Manchester eine Visitenkarte für Burnhams Ambitionen.

„Burnham kann also sagen: ‚Schaut, ich bin derjenige, der Wachstum liefern kann für das ganze Vereinigte Königreich.

Britischer Premierminister Keir Starmer hält an Amt fest
Jonathan Tonge, Professor an der Universität Liverpool

Vom „charismatischen Chamäleon“ zum King of the North

Vom „charismatischen Chamäleon“ zum King of the North
Die politische Biografie des 56-jährigen Burnham ist von einer bemerkenswerten Wandlungsfähigkeit geprägt. Die Financial Times bezeichnet ihn als „charismatisches Chamäleon“. Seine Karriere begann klassisch: Studium in Cambridge, kurzer Ausflug zum Journalismus und mit 31 Jahren der Einzug ins Unterhaus. Später war er Teil des dritten Blair-Kabinetts und verantwortete die erste Privatisierung eines Krankenhauses innerhalb des National Health Service (NHS). Als die Ära des New Labour endete, passte Burnham seinen Kurs an und positionierte sich im Schattenkabinett von Jeremy Corbyn. Später vollzog er den Wechsel in den Norden Englands, wo er sein Image vom „Businessboy“ zum „guten Typen“ aus der Arbeiterklasse wandelte. Laut FM4 nutzt er gezielt nordenglische Dialekte und einen No-Nonsense-Stil, um in den deindustrialisierten Regionen der sogenannten „Red Wall“ Gehör zu finden. Seine Prioritäten sind klar definiert. Auf die Frage, was in seinem Leben außer der Familie wichtig sei, nannte er in dieser Reihenfolge den Fußballclub Everton, die Labour-Partei und die katholische Kirche.

Die Gefahr des „Trumpismus“ und die Red Wall

Der Machtkampf innerhalb der Labour-Partei findet vor dem Hintergrund eines massiven Rechtsrucks statt. Die Reform-Partei von Nigel Farage gewinnt insbesondere in den Regionen an Boden, in denen die Arbeiterklasse die Labour-Loyalität bereits 2019 zugunsten von Boris Johnson aufgegeben hatte. Die Strategie Burnhams zielt darauf ab, diese Wähler zurückzugewinnen, bevor die nächsten Wahlen 2029 anstehen. Für viele in der Partei ist er die letzte Chance, einen Abstieg in einen britischen „Trumpismus“ zu verhindern. Während Starmer eine nüchterne politische Bilanz vorweist, fehlt ihm die Fähigkeit, diese emotional zu vermitteln – eine Lücke, die Burnham mit seinem populistischen Stil zu schließen versucht. Sollte Starmer tatsächlich zurücktreten, wird Burnham nicht nur gegen die internen Strukturen der Partei, sondern auch gegen die globale wirtschaftliche Lage antreten müssen. Der Ukraine-Krieg und eine zähe ökonomische Entwicklung in den G7-Staaten bleiben Faktoren, die auch ein „Manchester-Modell“ auf nationaler Ebene unter Druck setzen werden.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

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