Die Raumsonde BepiColombo hat nach einer knapp zehnjährigen Anreise einen entscheidenden Meilenstein erreicht: Die europäische und die japanische Einheit trennten sich am Donnerstag von ihrem Mutterschiff, um sich dem kleinsten Planeten unseres Sonnensystems, Merkur, zu nähern.
Zwei Merkur-gebundene Raumfahrzeuge ließen am Donnerstag ihr Mutterschiff zurück und traten in die finale Phase ihrer knapp zehnjährigen Reise ein. Die miteinander verbundenen europäischen und japanischen Raumfahrzeuge trennten sich wie geplant von ihrem Kreuzaer, wobei die Bodenkontrolle jedoch zwei angstvolle Stunden auf Funksignale zur Bestätigung warten musste.
Die entscheidende Operation wurde aus dem Kontrollzentrum der Europäischen Weltraumorganisation in Deutschland übertragen, das mehr als 124 Millionen Meilen (200 Millionen Kilometer) entfernt liegt. Es ist ein brillanter Moment, sagte der leitende Projektwissenschaftler Geraint Jones. Bis zum Erreichen ihres Ziels hatten die Sonden noch 2 Millionen Meilen (3,3 Millionen Kilometer) vor sich, wie die Nachrichtenagentur Associated Press berichtete.
BepiColombo und die Mission zum innersten Planeten
Die im Jahr 2018 gestartete Mission BepiColombo ist nach dem italienischen Mathematiker benannt, der in den 1970er-Jahren an der Mariner-10-Mission der NASA zum Merkur teilnahm. Bislang hat lediglich eine weitere Raumsonde, die NASA-Sonde Messenger, den rätselhaften und glühend heißen Planeten erkundet, der nur wenig größer als unser Mond ist.
Wie winzig Merkur ist und dass er dennoch einige der größten Geheimnisse unseres Sonnensystems birgt. Santa Martinez, Missionsmanagerin, via Associated Press
Auf seiner verschlungenen Route hat BepiColombo nach Angaben von Missionsmanagerin Santa Martinez bereits mehr als 6 Milliarden Meilen (10 Milliarden Kilometer) zurückgelegt. Um von der Schwerkraft des Merkurs eingefangen zu werden, waren insgesamt neun Vorbeiflüge an Planeten erforderlich, um überschüssige Energie abzubauen. Der letzte Vorbeiflug im Januar 2025 lieferte hochauflösende Aufnahmen von den Impaktkratern und vulkanischen Ebenen des Planeten.
Zeitplan und wissenschaftliche Instrumente für die Merkur-Umlaufbahn
Wenn alles nach Plan verläuft, wird das zusammengeschaltete Raumschiff im November in die Umlaufbahn um den Merkur einschwenken. Im Dezember sollen sich die beiden Sonden voneinander trennen, um den gesamten Planeten von unterschiedlichen Höhen aus zu kartieren und zu untersuchen.
Ab dem kommenden Frühjahr wird eine Reihe wissenschaftlicher Instrumente an Bord der europäischen und japanischen Sonden das den Merkur umhüllende Magnetfeld, das dichte Innere des Planeten und geologische Prozesse an der Oberfläche analysieren. Dazu gehören auch jene Vertiefungen oder Mulden, von denen Wissenschaftler annehmen, dass sie durch aus Gesteinen verdampfende Mineralien erodiert werden.
Extreme Bedingungen nahe der Sonne
Der Planet präsentiert sich als eine Welt der Kontraste. Während die Temperaturen auf dem Merkur auf über 800 Grad Fahrenheit (427 Grad Celsius) steigen können, sind die Pole mit tiefen, dauerhaft im Schatten liegenden Kratern, die Eis enthalten, eiskalt.
Aufgrund der enormen Nähe zur Sonne mussten Ingenieure die Raumfahrzeuge so konstruieren, dass sie extremen Bedingungen standhalten können.
Die wissenschaftlichen Beobachtungen sollen im kommenden Frühjahr beginnen. Die Europäische Weltraumorganisation trägt den Großteil der Kosten der Mission, die sich auf 2 Milliarden Dollar (1,7 Milliarden Euro) belaufen.
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