Zum Inhalt springen
Welt

Auch wegen Propaganda: Ukrainer sollen Region in Cherson verlassen – T-Online

Die russische Armee hat in den letzten Tagen Dutzende Siedlungen in der Region Cherson unter Beschuss genommen, wobei Zivilisten getötet und verletzt wurden. Gleichzeitig erwägt Russland laut t-online ein Exportverbot für Diesel aufgrund von Angriffen auf Raffinerien, während die Ukraine eine strategisch wichtige Eisenbahnbrücke auf der Krim zerstört hat.

Zivile Opfer und Infrastrukturschäden in der Region Cherson

Die militärische Lage in der Region Cherson ist durch massive russische Artillerie- und Drohnenangriffe gekennzeichnet. Die Berichte über das Ausmaß der Angriffe weichen in den Details voneinander ab, unterstreichen jedoch die Intensität der Kampfhandlungen in den Wohnvierteln und an der kritischen Infrastruktur.

Laut Ukrinform News wurden in einem Zeitraum 47 Siedlungen beschossen, wobei zwölf Personen verletzt wurden. In diesem Zusammenhang wurden vier Hochhäuser, zehn Privathäuser, ein Kulturzentrum sowie Tankstellen und ein Mobilfunkmast beschädigt. Die Liste der betroffenen Orte ist lang und umfasst unter anderem Antoniwka, Beryslaw und die Stadt Cherson.

Ein weiterer Bericht von Ukrinform News nennt eine geringere Anzahl von 34 beschossenen Siedlungen, meldet jedoch schwerere personelle Verluste: Eine Person wurde getötet und neun weitere verletzt. Hier wird die Zerstörung von 17 Privathäusern, einem Hochhaus, einer Gasleitung und landwirtschaftlichen Maschinen verzeichnet.

Die regionale Staatsverwaltung unter Oleksandr Prokudin hat Zivilisten, die in sicherere Gebiete evakuiert werden möchten, dazu aufgerufen, das regionale Kontaktzentrum zu kontaktieren.

Russische Behauptungen über gescheiterte Flussüberquerungen

Während die Ukraine die humanitären Kosten des Beschusses betont, zeichnet die russische Seite ein anderes Bild der operativen Lage. Wie Vietnam.vn unter Berufung auf das Portal Reporter berichtet, hätten russische Streitkräfte einen systematischen Versuch der Ukraine vereitelt, den Dnepr zu überqueren und in die Region Cherson vorzudringen.

Russische Behauptungen über gescheiterte Flussüberquerungen
Photo: Vietnam.vn

Russland behauptet, gezielte Luftangriffe auf Logistikwege, Kasernen und Ausrüstung zum Bau von Pontonbrücken am rechten Ufer des Dnepr durchgeführt zu haben. Diese Operationen hätten die ukrainische Lieferkette unterbrochen und die Initiative der ukrainischen Armee gebrochen.

Zur Untermauerung dieser Behauptungen verweist die russische Seite auf US-Satellitenüberwachungssysteme der NASA, die über die FIRMS-Webkartenplattform Großbrände an den angegriffenen Standorten registriert haben sollen. Militärexperten auf russischer Seite werten die ukrainischen Aktivitäten in Cherson zudem als Ablenkungsmanöver, um von einem möglichen Angriff auf die Halbinsel Krim abzulenken.

Kraftstoffknappheit und drohender Diesel-Exportstopp

Parallel zu den Kämpfen an der Front steht Russland vor einer innenpolitischen Herausforderung im Energiesektor. Ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien haben die Kraftstoffversorgung beeinträchtigt, was die Regierung nun zu drastischen Maßnahmen zwingt.

Ukraine-Russia: A prolonged propaganda war | The Listening Post

Vize-Ministerpräsident Alexander Nowak erklärte, dass Russland ein Exportverbot für Diesel erwäge, um den heimischen Markt zu stützen. Die Regierung bereite zudem steuerliche Änderungen vor, um die Versorgung zu sichern. Die Ölkonzerne hätten bereits Wartungsarbeiten verschoben, um die Nachfrage zu decken.

Die Auswirkungen dieser Engpässe sind bereits auf der Krim spürbar.

  • Einstellung des öffentlichen Nahverkehrs ab 22 Uhr.
  • Schließzeiten für Cafés und große Geschäfte bereits um 20 Uhr.
  • Dimmung der Straßenbeleuchtung.
  • Verbot von Großveranstaltungen im Freien.

Die russische Regierung steht vor einem Dilemma: Ein Exportstopp würde die Weltmärkte treffen, insbesondere wichtige Abnehmer wie Brasilien und die Türkei, während eine nicht gedeckelte Preissteigerung im Inland die Inflation weiter anheizen könnte. Insiderberichte der Zeitung Wedomosti deuten darauf hin, dass Russland als Gegenmaßnahme auch den Import von Treibstoff inklusive staatlicher Subventionen prüfe.

Strategische Brückenzerstörung und Rechtsstreit um Nord Stream 2

Die Ukraine setzt weiterhin auf die Zerstörung logistischer Knotenpunkte. Die ukrainische Armee gab bekannt, eine Eisenbahnbrücke über den Nord-Krim-Kanal zerstört zu haben. Diese Brücke gilt als strategisch wichtiger Übergang für die Logistik der russischen Truppen auf der 2014 annektierten Halbinsel Krim.

Strategische Brückenzerstörung und Rechtsstreit um Nord Stream 2
Photo: Ukrinform News

Während die physische Infrastruktur auf der Krim angegriffen wird, wird an anderer Stelle ein rechtlicher Kampf um Energieinfrastruktur geführt. Die Nord Stream 2 AG, eine Tochter von Gazprom mit Sitz in der Schweiz, hat vor dem Gericht der Europäischen Union (EuG) Klage gegen das geplante Importverbot für russisches Gas eingereicht.

Die EU plant, Gasimporte aus Russland als Reaktion auf den Angriff auf die Ukraine bis Ende 2027 vollständig einzustellen. Die Nord Stream 2 AG argumentiert in Gerichtsdokumenten, dass dieses Verbot einer faktischen Enteignung ohne Entschädigung gleichkomme. Die Pipeline wurde zwar 2021 fertiggestellt, ging jedoch nie in Betrieb.

Die Kombination aus logistischen Verlusten auf der Krim, internen Energieproblemen und dem diplomatischen sowie rechtlichen Bruch mit der EU verdeutlicht die zunehmende Isolation und die operativen Schwierigkeiten der russischen Führung in diesem Konflikt.

Find more reporting in our Welt section.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.