Apple prüft laut einem Bericht des Wall Street Journal den Einsatz von Speicherchips des chinesischen Herstellers CXMT für iPhones und MacBooks. Der US-Konzern reagiert damit auf steigende Kosten und Lieferengpässe bei DRAM-Chips, die durch die hohe Nachfrage von KI-Unternehmen verursacht wurden. Apple strebt für das Geschäft die Zustimmung der US-Regierung an.
Der KI-Boom hat die globale Halbleiterindustrie in eine Zange genommen. Während die Nachfrage nach Hochleistungsspeichern explodiert, steigen die Produktionskosten für Hardware-Giganten wie Apple. Um diese steigenden Kosten für Speicherchips abzufedern, testet Apple nun Komponenten des chinesischen Anbieters CXMT. Ziel ist es, die Knappheit zu lindern, insbesondere für Geräte, die auf dem chinesischen Markt verkauft werden sollen.
CXMT: Aufstieg zum wertvollsten börsennotierten Konzern Chinas
CXMT ist derzeit der viertgrößte Hersteller von DRAM-Speicherchips weltweit. Diese Chips dienen als Arbeitsspeicher in einer Vielzahl von Geräten, von Smartphones bis hin zu Rechenzentren. Lange Zeit wurde dieser Markt fast vollständig von Samsung, SK Hynix und dem US-Unternehmen Micron beherrscht, die zusammen einen Anteil von rund 90 Prozent halten.

Das chinesische Unternehmen hat jedoch massiv expandiert. Nach einem Börsendebüt Anfang August stieg CXMT zum wertvollsten börsennotierten Konzern Chinas auf. Um diesen Trend zu stützen, plant CXMT neue Fabriken, mit denen die Produktionskapazität verdoppelt werden soll.
US-Exportkontrollen und die Hürde der Standardkomponenten
Ein Deal mit CXMT ist jedoch rechtlich komplex. US-Vorschriften untersagen den Transfer von Technologie an das chinesische Unternehmen. Dies betrifft insbesondere die Kommunikation über technische Details und Produktspezifikationen, die normalerweise Teil der Entwicklung spezialisierter Chips sind.
Für Apple bedeutet das eine strategische Einschränkung: Der Konzern kann keine maßgeschneiderten Chips bestellen, sondern ist auf handelsübliche Standardkomponenten angewiesen. Da Apple seine Komponenten oft spezifisch anpasst, um die Leistung zu maximieren, könnte dies eine Neugestaltung bestimmter Produktteile erforderlich machen.
Kevin Wolf, ein Anwalt bei Akin Gump, der Unternehmen in Fragen der Exportkontrolle berät, bestätigte laut n-tv.de, dass die Regeln es Apple erlauben, Standardkomponenten zu verwenden und Preise auszuhandeln. Dennoch sucht Apple die Rückendeckung des Weißen Hauses, um politische Gegenreaktionen in Washington zu vermeiden.
Sicherheitsbedenken im Pentagon und politische Widerstände
In Washington wird die mögliche Zusammenarbeit kritisch beäugt. Das US-Verteidigungsministerium führt CXMT auf einer Liste von Unternehmen auf, die Verbindungen zum chinesischen Militär haben sollen. US-Politiker befürchten, dass Aufträge von Apple dem Konzern Zugang zu amerikanischem Know-how verschaffen und damit Pekings Militär stärken könnten.
Zudem wird befürchtet, dass eine Partnerschaft das US-Unternehmen Micron Technology untergraben könnte, das derzeit neue Fabriken in Idaho und im Norden New Yorks errichtet. Die politische Spannung spiegelt das Bestreben Chinas wider, eine technologische Unabhängigkeit zu erreichen, was einen Auftrag von Apple zu einem bedeutenden Erfolg für CXMT machen würde.
Marktdynamik: HP und Acer als Vorreiter
Apple ist nicht der einzige Hardware-Hersteller, der auf chinesische Speicher setzt. Die Laptop-Produzenten HP und Acer nutzen bereits CXMT-Chips in Geräten, die außerhalb der USA verkauft werden. Beide Unternehmen haben sich begrenzte Mengen gesichert und versuchen nun, Lieferungen für das nächste Jahr zu fixieren.

Trotz der potenziellen Kostenersparnis ist CXMT kein sofortiges Allheilmittel. Die Produktionskapazitäten des Unternehmens waren in diesem Jahr bereits voll ausgeschöpft. Zudem gibt es preisliche Überraschungen: Einige CXMT-Produkte liegen preislich auf einem Niveau mit Micron, Samsung oder SK Hynix – gelegentlich liegen sie sogar darüber. Dies liegt an den im Vergleich zur ausländischen Konkurrenz höheren Produktionskosten und dem knappen Angebot.

Die Auswirkungen der Chipkosten sind bereits im Markt spürbar. Laut Counterpoint Research sanken die weltweiten PC-Auslieferungen im zweiten Quartal um vier Prozent und die Smartphone-Auslieferungen um elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
| Aspekt | Status / Detail |
|---|---|
| Marktposition CXMT | Viertgrößter DRAM-Hersteller weltweit |
| Marktbeherrschung | Samsung, SK Hynix, Micron (~90% Anteil) |
| US-Beschränkung | Kein Technologietransfer; nur Standardkomponenten erlaubt |
| Politische Einstufung | Pentagon-Liste (Verbindung zum chinesischen Militär) |
Ob Apple die Hürden in Washington überwinden kann, bleibt abzuwarten. Bisher haben weder Apple noch CXMT auf Anfragen von Reuters Stellung bezogen. Sollte die US-Regierung zustimmen, wäre dies ein signalstarker Schritt in einer Zeit, in der die technologische Entkopplung zwischen den USA und China eigentlich vorangetrieben wird.
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