Das AMP RA/SLE-Forschungsprogramm bringt neue molekulare Einblicke in rheumatoide Artritis und systemischen Lupus erythematodes, während praktische Schutzmaßnahmen wie konsequenter Lichtschutz und optimierter Impfschutz für betroffene Patienten empfohlen werden.
Autoimmunerkrankungen stellen Mediziner und Betroffene vor enorme Herausforderungen. Mit einer Prävalenz von etwa 0,6 Prozent der US-erwachsenen Bevölkerung oder rund 1,3 Millionen Menschen gehören rheumatoide Arthritis und Lupus zu den bekannteren schweren Erkrankungen dieser Gruppe, wie das Forschungsprogramm des NIAMS ausführt. Beide Krankheiten basieren auf einer Fehlfunktion des Immunsystems, das fälschlicherweise körpereigenes Gewebe angreift, was zu chronischen Entzündungen und Gewebezerstörung führt. Sie können ein Leben lang anhalten, eine schwere Behinderung verursachen, die Lebensqualität stark beeinträchtigen und sind mit einem erhöhten Sterberisiko verbunden.
Molekulare Einblicke durch das AMP RA/SLE-Programm
Das im Jahr 2014 gestartete Programm zur Beschleunigung von Medikamenten (Accelerating Medicines Partnership® Rheumatoid Arthritis and Systemic Lupus Erythematosus) startete als eine der ursprünglichen Komponenten von AMP mit dem Ziel, konkrete neue Zielstrukturen für die Arzneimittelentwicklung zu identifizieren. Das Konsortium stützt sich auf ein bundesweites Netzwerk von Forschungsteams, die kollaborativ zusammenarbeiteten, und wurde von der Foundation for the NIH gemanagt. Die Finanzierung erfolgte durch NIAMS und das National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) gemeinsam mit Industriepartnern und Non-Profit-Organisationen. Dabei kam ein methodischer Ansatz zum Einsatz, den die beteiligten Forscher als „disease deconstruction“ (auf molekularer und zellulärer Ebene) bezeichnen, um biologische Signalwege aufzudecken, wie der Bericht über die AMP RA/SLE Initiative zeigt.”
Systemischer Lupus erythematodes
Um die biologischen Signalwege im Detail zu verstehen, führten die beteiligten Wissenschaftler mehr als 100 Synovialbiopsien (Gelenkbiopsien) bei Patienten mit rheumatoider Arthritis und über 200 Nierenbiopsien bei Lupus-Patienten durch. Aus diesen Gewebeproben charakterisierten die Forscher Proteine, mRNA und offene Chromatinstrukturen in Tausenden einzelner Zellen. Durch zusätzliche Analysen von Blut, Urin und Hautproben derselben Patienten entdeckten die Forscher neue Zellpopulationen und -zustände und identifizierten spezifische Biomarker für den Krankheitsverlauf.
Datenplattform und offene Forschung auf dem ARK Portal
Um die gewonnenen Erkenntnisse der wissenschaftlichen Gemeinschaft zugänglich zu machen, wurde das Arthritis and Autoimmune and Related Diseases Knowledge Portal (ARK Portal) eingerichtet. Diese virtuelle Ressource sammelt, organisiert und verknüpft die Kernsätze von Forschungsdaten, die von Teams rund um Arthritis, Haut-, Autoimmun- und verwandte Krankheiten generiert wurden. Gesteuert wird die Initiative vom NIAMS (Directed by NIAMS), während die Entwicklung und Pflege bei Sage Bionetworks liegt (developed and maintained by Sage Bionetworks).
Das Portal beherbergt den gesamten Datenbestand und analytischen Werkzeuge des AMP RA/SLE-Programms, wobei neue Datensätze schrittweise auf einer rollierenden Basis nach erfolgreicher Qualitätskontrolle ergänzt werden. Der Zugang zu diesen Portaldaten ist für die Öffentlichkeit kostenlos (free to the public), wenngleich für bestimmte Datensätze eine Registrierung und die Zustimmung zu einer Nutzungsvereinbarung (data-use agreement) erforderlich sind.
Alltagsmanagement und medizinische Empfehlungen bei Lupus
Accelerating Medicines Partnership® Rheumatoid Arthritis and Systemic Lupus Erythematosus
Neben der molekularen Grundlagenforschung spielt die praktische Bewältigung im Alltag eine entscheidende Rolle für Patienten. Es wird darauf hingewiesen, dass die Lebenserwartung bei den meisten SLE-Patienten heutzutage zwar normal ist, jedoch nur wenige Patienten in einer Schubsituation der Erkrankung oder an der eigentlichen Krankheit sterben. Neben Infektionen gehören vor allem Herz- und Gefäßerkrankungen zu den häufigsten Komplikationen. Eine beschleunigte Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) treibt dieses Risiko voran, weshalb Risikofaktoren wie Rauchen, erhöhter Blutdruck und ungünstige Blutfette so weit wie möglich verringert werden müssen; Lupus-Patienten sollten nicht rauchen und der Blutdruck sollte normal beziehungsweise gut eingestellt sein, das gleiche gilt für die Blutfette.

Ein wesentlicher Auslöser für Krankheitsschübe ist zudem die Einwirkung von Sonnenlicht (UV-Licht), welches einen SLE aktivieren kann. Es wird empfohlen, dass ein konsequenter Lichtschutz (nicht nur im Sonnenurlaub) wichtig ist, während Solarien oder direkte Sonnenexpositionen für Lupuspatienten tabu sind. Ergänzend wird bei der Ernährung auf Vitamine und Mineralien geachtet – Mischkost mit frischem Obst, Gemüse, Salaten, Vollwertbrot sowie Milchprodukten (Kalzium) – begleitet von leichter sportlicher Betätigung oder zumindest regelmäßigen Spaziergängen.
Infektionsprophylaxe und Impfschutz im Krankheitsverlauf
Infektionen sind oft Ursache für einen SLE-Schub. Obwohl man sich gegen Infektionen nicht hundertprozentig schützen können wird, lässt sich die Wahrscheinlichkeit mit einer gewissen Vorsicht reduzieren. Bei bakteriellen Infektionen sollte frühzeitig Antibiotika gegeben werden.
Einen zentralen Baustein der Vorsorge bildet zudem der Impfschutz. Es wird betont, dass Impfungen aus heutiger Sicht keine zusätzlichen SLE-Schübe verursachen und der Impfschutz bei Lupus-Patienten daher regelmäßig überprüft und optimiert werden sollte. Vorsicht ist nur bei Lebendimpfungen geboten.
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