Papst Leo XIV. reist vom 25. bis 28. September 2026 nach Frankreich und trifft im Wallfahrtsort Lourdes sieben Opfer von sexuellem Missbrauch. Das Treffen fällt mit der Verhüllung umstrittener Mosaiken des beschuldigten Paters Marko Rupnik an der Basilika zusammen, während Überlebende ein Ende des Schweigens fordern.
Papstreise nach Frankreich und das Treffen in Lourdes
Im Rahmen seiner Apostolischen Reise nach Frankreich, die vom 25. bis zum 28. September 2026 unter dem Motto „Damit das Leben in der Welt sei“ steht, besucht Papst Leo XIV. neben Paris und Metz auch den weltberühmten Wallfahrtsort Lourdes. Die Reise führt den Pontifex an einen Ort, der seit Jahren im Schatten der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals steht. Am 27. September wird der Papst dort in einem privaten Rahmen mit sieben Personen zusammentreffen, die als Minderjährige oder Erwachsene in kirchlichen Kontexten missbraucht wurden.”
Diese Begegnung sorgt im Vorfeld für scharfe Kontroversen. Verschiedene französische Opfergruppen kritisierten das Format und die Auswahl der Teilnehmer, insbesondere den Ausschluss bestimmter Interessenvertretungen. Ein Sprecher des Kollektivs der Bétharram-Opfer kritisierte die Entscheidung, nur Einzelpersonen zu empfangen, laut Medienberichten als institutional contempt
beziehungsweise institutionelle Missachtung. Die französische Bischofskonferenz kündigte daraufhin an, nach der Papstreise weitere Begegnungen anzubieten und Briefe von Betroffenen entgegenzunehmen.
Verhüllte Mosaiken von Marko Rupnik an der Rosenkranz-Basilika
Der Wallfahrtsort Lourdes selbst ist unmittelbar mit der Debatte um den slowenischen Pater Marko Rupnik verknüpft, gegen den im Vatikan ein kanonischer Prozess läuft. Rupnik wird beschuldigt, über Jahrzehnte hinweg Dutzende Frauen sexuell und spirituell missbraucht zu haben. Die goldfleckten Mosaiken, die im Jahr 2008 zur 150-Jahr-Feier der Marienerscheinungen am Eingang der Basilika Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz installiert worden waren, gerieten daraufhin ins Zentrum heftiger Kontroversen.
Bereits im Jahr 2025 waren Teile dieser Kunstwerke provisorisch verhängt worden. Im August 2025 ordnete Bishop Jean-Marc Micas von Tarbes und Lourdes an, die Mosaiken auf der Fassade vor dem Eintreffen des Papstes vollständig zu bedecken. David Torchala, der Sprecher der Basilika, bestätigte gegenüber OSV News, dass die Arbeiten zum Abdecken sämtlicher Mosaiken des slowenischen Priesters abgeschlossen sind. Die Maßnahme soll nach dem Besuch des Papstes als langfristige Lösung bestehen bleiben, während über die endgültige Zukunft der Kunstwerke beraten wird.
Offener Brief der Opfer an Papst Leo XIV.
Fünf angebliche Opfer Rupniks wandten sich kurz vor dem Beginn der Papstreise in einem offenen Brief an das Kirchenoberhaupt. Das Schreiben, das am 23. September über ihre Anwältin Laura Sgro veröffentlicht wurde, kritisiert die Informationspolitik des Vatikans scharf. Die Unterzeichnerinnen — Gloria Branciani, Mirjam Kovac, Sister Samuelle, Vida Bernard sowie eine anonyme Betroffene unter dem Pseudonym Pia
— prangerten die monatelange Kommunikationslosigkeit an.

Gloria Branciani, Mirjam Kovac, Schwester Samuelle, Vida Bernard und Pia teilten laut OSV News mit, dass der Papst die Welt verändern könne.
In ihrem Brief würdigten die Frauen das Vorgehen des Bischofs von Lourdes ausdrücklich als exceptionally strong and courageous act
, das ihnen Respekt abverlange, da sie ansonsten kaum Solidarität erfahren hätten. Gleichzeitig bemängelten sie, dass sie vom Beginn des Verfahrens gegen Rupnik ausschließlich aus der Presse erfahren hätten und Nachfragen ihrer Rechtsvertretung beim Dikasterium für die Glaubenslehre unbeantwortet geblieben seien.
Stand des vatikanischen Verfahrens und vatikanische Reaktionen
Die Frage nach dem Ausgang und dem Verlauf des Prozesses sorgte im Sommer für Spekulationen. Nachdem ein italienischer Blog im Juli berichtete, ein Freispruch sei erfolgt, sah sich der Heilige Stuhl zu einer Richtigstellung gezwungen. Matteo Bruni, der Sprecher des Vatikans, bezeichnete den Bericht als completely unfounded
und betonte, dass die kanonischen Verfahren nach wie vor andauerten.
Matteo Bruni, der Leiter des Presseamtes des Heiligen Stuhls, erklärte, dass die Anschuldigungen haltlos seien.
Die Unterzeichnerinnen des offenen Briefes beklagten darüber hinaus, dass sie nach Bekanntwerden der Vorwürfe öffentlich verunglimpft und diffamiert worden seien. Sie warnten, dass das Ausbleiben von Transparenz und die anhaltende Sprachlosigkeit der kirchlichen Behörden das Vertrauen von Betroffenen in die kirchliche Justiz massiv beschädigen und weitere Opfer von einer Meldung abhalten könnten.
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