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Welt

Oleshky: Bewohner essen Unkraut nach Versorgungssperre

Bewohner der russisch besetzten ukrainischen Stadt Oleshky sind seit über einem Monat von jeglicher Lebensmittel- und Medikamentenversorgung abgeschnitten. Die humanitäre Lage ist nach Angaben lokaler Behörden und Hilfsorganisationen katastrophal. Grundnahrungsmittel fehlen gänzlich, während Angriffe und Minen die Flucht unmöglich machen und Leichen auf den Straßen liegen bleiben.

Die humanitäre Situation in der russisch besetzten Stadt Oleshky in der südukrainischen Region Cherson hat sich in den vergangenen Wochen drastisch zugespitzt. Nach Angaben von Tetiana Hasanenko, der Leiterin der dortigen Stadtmilitärverwaltung, sind seit dem 26. Mai keine Fahrzeuge mehr in die Stadt hinein- oder herausgelangt wie die lokale Berichterstattung dokumentiert. Die Ortschaft befindet sich auf dem linken Ufer des Dnipro, nur rund fünf Kilometer südöstlich von Cherson, und liegt damit direkt in einer umkämpften Frontzone.

Versorgungsblockade und Überlebenskampf ohne Strom und Wasser

Vor dem Beginn des russischen Einmarsches im Februar 2022 lebten etwa 24.000 Menschen in Oleshky. Heute schätzt die ukrainische Regierung, dass noch rund 6.000 Menschen in der Stadt und der umliegenden Gemeinde verblieben sind, darunter etwa 150 bis 200 Kinder. Die Stadt leidet seit der Zerstörung des Staudamms von Nowa Kachowka im Juni 2023 durchgehend unter dem Ausfall von Strom, Gas und fließendem Wasser.

Da jegliche Lieferungen ausbleiben, sind die Vorräte der Bevölkerung vollständig aufgebraucht. Auf dem lokalen Markt gibt es kaum noch etwas zu erwerben; Kartoffeln, Eier und andere Grundnahrungsmittel sind zu Mangelware und unbezahlbar geworden. Viele Einwohner ernähren sich notgedrungen von Gartenkräutern und Unkraut, das sie während des Sommers gesammelt haben.

„There is no food here in the city.“

Sie ernähre sich meist nur noch einmal am Tag von trockenem Brot mit einer Tomate oder etwas Honig und Tee berichten Medien unter Berufung auf Augenzeugen. Um an Essbares oder Wasser zu gelangen, müssen die verbliebenen Menschen immer wieder lebensgefährliche Wege auf sich nehmen. Erst kürzlich starben zwei Zivilisten durch einen Drohnenangriff, als sie versuchten, Lebensmittel aus dem rund 23 Kilometer entfernten Radensk zu beschaffen, weil sie wegen einer Ausgangssperre nicht rechtzeitig nach Oleshky zurückkehren konnten.

Zerstörte Infrastruktur und Einschränkungen bei Bestattungen

Auch die medizinische Versorgung ist nahezu zusammengebrochen. Die einzige Apotheke, die sich im örtlichen Krankenhaus befand, hat keine essenziellen Medikamente mehr vorrätig. Das Krankenhaus selbst arbeitet nur noch stark eingeschränkt und öffnet lediglich an einigen Tagen in der Woche für lebensrettende Noteingriffe, während medizinisches Personal ohne Strom und Kraftstoff für Generatoren kaum noch handlungsfähig ist.

Die Krise wird durch blockierte Bestattungen weiter verschärft. Nach Angaben von Bewohnern und lokalen Offiziellen untersagen die russischen Besatzungsbehörden die Beisetzung von Menschen, die durch Drohnen, Landminen oder andere Angriffe getötet wurden. Solche Todesfälle erfordern demnach eine offizielle Untersuchung durch einen russischen Arzt, die vor Ort nicht durchgeführt werden kann. Die Leichen von Getöteten bleiben deshalb mitunter monatelang auf den Straßen liegen wie Recherchen belegen. Ksenia Arkhipova, eine Freiwillige, die im Jahr 2022 aus Oleshky geflohen ist und nun Evakuierungen koordiniert, berichtete, dass Leichen im örtlichen Krankenhausmorgue gestapelt würden, wo es seit dem Winter keinen Strom gibt, oder von streunenden Hunden gefressen werden.

„This is a tool of psychological pressure. If you try to bury a dead body, you’ll become the next one.“

Internationale Reaktionen und ungelöste Blockade

Die Vereinten Nationen und die ukrainische Führung haben wiederholt auf die dramatische Lage hingewiesen. Die UN-Menschenrechtsbeobachtungsmission in der Ukraine erinnerte daran, dass die Besatzungsmacht nach internationalem humanitärem Recht verpflichtet ist, die Versorgung der Zivilbevölkerung mit Nahrungsmitteln und Medikamenten sicherzustellen und humanitäre Hilfe zu ermöglichen. Gleichzeitig hat die Mission allein für das Jahr 2026 bereits mindestens 29 getötete und 54 verwundete Zivilisten in Oleshky und dem benachbarten ebenfalls besetzten Hola Prystan dokumentiert laut Berichten der UN-Beobachter.

A cityscape showing ruined buildings in a war in Ukraine
Photo: bbc.co.uk
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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