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Welt

Humanitäre Krise in Oleshky: Bewohner von Nahrung und Medikamenten abgeschnitten

Bewohner der russisch besetzten ukrainischen Stadt Oleshky sind seit über einem Monat von Nahrungsmittel- und Medikamentenlieferungen abgeschnitten.

Die humanitäre Lage in der ukrainischen Stadt Oleshky spitzt sich dramatisch zu. Seit dem 26. Mai sind nach Angaben der lokalen Verwaltung keine Fahrzeuge mehr in oder aus der Stadt gelangt, wie die Leiterin der militärischen Stadtverwaltung Tetiana Hasanenko mitteilte. Die am linken Ufer des Dnipro in der Region Cherson gelegene Stadt befindet sich seit den ersten Tagen der großangelegten Invasion im Februar 2022 unter russischer Besatzung und liegt direkt gegenüber ukrainischer Stellungen.

Humanitäre Krise und Versorgungssperre in Oleshky

In Oleshky und der umliegenden besetzten Gemeinde verharren Schätzungen zufolge noch rund 8.000 Menschen, darunter mindestens 150 Kinder. Vorräte sind weitgehend erschöpft, weshalb die Bevölkerung auf den Tausch von Gütern unter Nachbarn angewiesen ist. Auf dem lokalen Markt finden sich nur noch geringe Mengen an Gemüse und Restbestände, während Grundnahrungsmittel wie Eier und Kartoffeln unbezahlbar geworden sind.

Auch die medizinische Versorgung ist kollabiert. Die einzige Apotheke am örtlichen Krankenhaus hat keine essenziellen Medikamente mehr vorrätig. Strom und Treibstoff für Generatoren fehlen, was das medizinische Personal vor schier unlösbare Aufgaben bei der Versorgung verletzter Zivilisten stellt. Die UN-Menschenrechtsbeobachtungsmission in der Ukraine erinnerte daran, dass die Besatzungsmacht nach internationalem humanitärem Recht verpflichtet ist, die Versorgung der Zivilbevölkerung sicherzustellen.

Einschränkungen bei Bestattungen und psychologischer Druck

Neben dem Mangel an Nahrung und Medizin führt die Blockade zu unhaltbaren Zuständen beim Umgang mit Todesfällen. Das örtliche Krankenhaus-Leichenhaus wurde durch Beschuss zerstört, weshalb Leichen in einem Keller gelagert werden müssen. Russische Besatzungsbehörden untersagen laut Berichten die Beerdigung von Menschen, die durch Drohnenangriffe oder Landminen getötet wurden.

Für eine Bestattung verlangen die Behörden demnach eine postmortale Untersuchung durch einen russischen Arzt, was vor Ort faktisch unmöglich ist. Ester Vrataryova, Mitgründerin der Hilfsorganisation Humanity,

Einwohner berichten, dass manche Körper infolge der Einschränkungen seit Dezember auf den Straßen liegen oder in ungesicherten Kellern verwahren. Nach Angaben von Ortsansässigen und Freiwilligen fehlen nicht nur Kühlmöglichkeiten, sondern auch Schutzmaßnahmen gegen Tiere, weshalb streunende Hunde Überreste auf den Straßen anrühren.

Zivile Opfer und ungelöste Evakuierungsversuche

Die Vereinten Nationen dokumentierten allein für das laufende Jahr 2026 mindestens 29 getötete und 54 verwundete Zivilisten in Oleshky und der benachbarten besetzten Stadt Hola Prystan. Die Mehrheit der Opfer geht demnach auf kurze Distanz geführte Drohnenangriffe zurück, wobei eine Verantwortlichkeit von Seiten der Mission nicht direkt zugeschrieben werden konnte.

A cityscape showing ruined buildings in a war in Ukraine
Photo: bbc.co.uk

Ukrainische und russische Stellen führten Gespräche über eine mögliche lokale Waffenruhe zur Evakuierung von Zivilisten, doch eine Einigung kam bislang nicht zustande. Bankgeschäfte oder Auszahlungen sind für die verbliebenen Einwohner ebenfalls unerreichbar, da dafür das Verlassen der schwer umkämpften Zone nötig wäre, welches durch anhaltenden Beschuss und Minenfelder blockiert wird.

berichtet, dass diese bürokratischen Hürden die Angehörigen daran hindern, ihre Verstorbenen würdevoll beizusetzen und die hygienischen Bedingungen in den provisorischen Lagern weiter verschlechtern.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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