Die Polizei in Jackson, Mississippi, hat im Zusammenhang mit dem gewaltsamen Tod der 29-jährigen Tasia Fortune einen zweiten Tatverdächtigen festgenommen und Haftbefehl gegen einen dritten Verdächtigen erlassen. Das teilten die Behörden am Dienstag mit, nachdem die Gerichtsmedizin die Todesursache offiziell als Tötungsdelikt eingestuft hatte.
Der Fall der tot hinter einem leerstehenden Haus aufgefundenen Frau sorgt weit über die Stadtgrenzen hinaus für Aufmerksamkeit. Im Fokus der Ermittlungen stehen nun neben dem bereits im September inhaftierten Jarques Ratliff auch der am Dienstag festgenommene 25-jährige Earnest Lloyd Jr., wie unter anderem CBS News berichtet. Fortune war am 3. August in hängender Position hinter einem verlassenen Gebäude entdeckt worden, was in der Region sofort Erinnerungen an die dunkle Geschichte rassistisch motivierter Gewalt und Lynchmorde im US-Bundesstaat wachrief.
Zweiter Verdächtiger in Haft und laufende Fahndung nach dritter Person
Die Festnahme von Earnest Lloyd Jr. wurde von der Polizeichefin von Jackson, RaShall Brackney, während einer Stadtratssitzung öffentlich bekannt gegeben. NBC News meldete, dass die Ermittler zudem einen Haftbefehl gegen eine dritte, bislang namentlich nicht genannte Person erwirkt haben und dabei von den U.S. Marshals unterstützt werden. Weitere Festnahmen werden demnach erwartet.
Der erste Verdächtige im Fall, der 51-jährige Jarques Ratliff, war Mitte September festgenommen und wegen Mordes angeklagt worden. Ratliff plädierte bei seinem ersten Gerichtstermin auf nicht schuldig, und ein Richter lehnte seinen Antrag auf Kaution ab. Aus Gerichtsdokumenten und Berichten geht hervor, dass Staatsanwälte dem Mann vorwerfen, ein schwarzes Kabel genutzt zu haben, um das Opfer an einem Baum aufzuhängen. Die Polizeibehörde erklärte, Ratliff habe eine „Verbindungzu Fortune gehabt, hielt sich über die genaue Art der Beziehung jedoch bedeckt.
Gerichtsmedizin stuft Fall offiziell als Tötungsdelikt ein
Lange Zeit hielten sich die Behörden mit offiziellen Details zur Todesursache und einem möglichen Motiv zurück. Erst als das Büro des zuständigen Staatsmediziners die Autopsieergebnisse abschloss und den Tod am Donnerstagabend offiziell als Tötungsdelikt bestätigte, konnten die Ermittler bereitliegende Haft- und Durchsuchungsbefehle vollstrecken.

Polizeichefin Brackney betonte in einer Stellungnahme die Sensibilität der Wortwahl während des laufenden Verfahrens. WPDE berichtete, dass die Leiche zum Zeitpunkt ihres Auffindens bereits in verschiedenen Verwesungsstadien war. Ermittler verhörten im Zuge der Spurensicherung fast 15 Personen und werteten forensisches Material aus.
Reaktionen der Familie und Erinnerung an frühere Fälle
Für die Angehörigen von Tasia Fortune bedeuten die jüngsten juristischen Schritte einen schmerzvollen, aber wichtigen Schritt. Ihre Mutter, Christy Spivey, zeigte sich bei einer Gerichtsanhörung erleichtert, betonte jedoch gleichzeitig das anhaltende Leid.

My family is not the only family that this is affecting, I feel for them as well. The only difference is that mine can never come back. Christy Spivey, Mutter von Tasia Fortune, via CBS News
Die NAACP verweist darauf, dass in Mississippi zwischen 1882 und 1968 insgesamt 581 dokumentierte Lynchmorde verzeichnet wurden – mehr als in jedem anderen US-Bundesstaat. Daher wird der Fall auch durch eine breite gesellschaftliche Linse betrachtet. Zudem ruft das Verbrechen Erinnerungen an andere gewaltsame Todesfälle im Bundesstaat wach, wie den Fall des 21-jährigen Trey Reed in Cleveland oder des obdachlosen Mannes Cory Zukatis in Vicksburg, deren Tode im vergangenen Jahr von den Behörden als Selbstmorde eingestuft wurden, was bei Angehörigen und Anwälten jedoch zu anhaltender Skepsis und Forderungen nach unabhängigen Untersuchungen führte.
Nächste Schritte im anhaltenden Ermittlungsverfahren
Die polizeilichen Ermittlungen in Jackson bleiben voll aktiv. Während der zweite Verdächtige, Earnest Lloyd Jr., nach einer kurzen Anhörung in Haft sitzt, bereiten die Behörden in Zusammenarbeit mit Bundesbehörden die nächsten Schritte vor. Polizeichefin Brackney versicherte der Öffentlichkeit und der Familie, dass angesichts der Beweislage mit weiteren Festnahmen zu rechnen ist, während das Verfahren vor dem zuständigen Gericht in Hinds County seinen fortlaufenden Weg nimmt.
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