Ein Polizeibeamter und ein weiterer Mann sind am Sonntagabend bei einem Schusswechsel nahe einer Synagoge in Belleville in der kanadischen Provinz Ontario verletzt worden. Ontarios Special Investigations Unit ermittelt in dem Fall.
Die Feierlichkeiten zum höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur haben in der kanadischen Provinz Ontario eine dramatische Wendung genommen. Gegen 19:10 Uhr Ortszeit kam es am Sonntagabend vor der Sons of Jacob Synagogue in Belleville, rund 175 Kilometer östlich von Toronto, zu einem heftigen Schusswechsel zwischen einem Polizisten und einem Mann. Der Beamte hatte das Gebäude in einem unmarkierten Fahrzeug überwacht, als er auf die Person traf.
Beide beteiligten Personen erlitten Schussverletzungen und wurden umgehend in ein Krankenhaus eingeliefert. Der schwer verletzte Zivilist schwebt nach Angaben der Ermittler in Lebensgefahr. Über den genauen Gesundheitszustand des getroffenen Polizisten machten die Behörden zunächst keine näheren Angaben.
Zeugenberichte von der Sons of Jacob Synagogue in Belleville
Im Inneren des Gotteshauses hatten sich zu diesem Zeitpunkt Gemeindemitglieder versammelt, um den Beginn der Feiertage zu begehen. Norman Weddum, der Präsident der Synagoge, war gerade dabei, die Anwesenden in das Heiligtum zu geleiten, als die ersten Schüsse fielen.
Weddum lief daraufhin in das Foyer, wo die Schüsse noch deutlicher zu hören waren. Sofort traf er die Entscheidung, die Menschen in Sicherheit zu bringen. Die Gemeindemitglieder flüchteten zurück in den Andachtsraum, schlossen die Türen, um kein sichtbares Ziel zu bieten, und warfen sich zu Boden. Laut Angaben der Gemeinde blieben alle Menschen im Gebäude unversehrt, allerdings mussten sämtliche geplanten Feierlichkeiten abgesagt werden.

Norman Weddum, Synagogenpräsident über CBC News Network, erklärte dazu, dass sie in diesem Moment in den Andachtsraum der Synagoge zurückgelaufen seien, die Türen hinter sich geschlossen hätten, um kein sichtbares Ziel zu bieten, und sich zu Boden geworfen hätten.
Anwohner berichteten ebenfalls von der Wucht des Vorfalls. Ein in der Nähe wohnender Zeuge schätzte, dass rund 25 Schüsse im Wechsel fielen, bevor Sirenen zu hören waren und Polizeirufe die Stille durchbrachen. Für die Nachbarschaft in der Gegend um Bleecker Avenue und Victoria Avenue stellte der Einsatz einen tiefen Schock dar.
Ermittlungen der Special Investigations Unit und Reaktionen der Politik
Da an dem Vorfall ein Polizeibeamter beteiligt war, hat die Special Investigations Unit (SIU) als unabhängige zivile Untersuchungsbehörde der Provinz die Ermittlungen übernommen. Ermittler wurden umgehend an den Tatort entsandt. Die örtliche Polizei erklärte, dass zum aktuellen Zeitpunkt keine weiteren Details zu den Hintergründen oder zu einem möglichen Motiv genannt werden können, betonte jedoch, dass keine akute Gefahr für die öffentliche Sicherheit bestehe.

Der Vorfall löste in der kanadischen Politik scharfe Reaktionen aus. Ontario Premier Doug Ford äußerte sich bestürzt über die Ereignisse am jüdischen Feiertag.
Ford betonte, dass jüdische Bürger das Recht haben müssen, sicher und ohne Angst zu beten, und forderte die volle Härte des Gesetzes für die Verantwortlichen. Auch Torontos Bürgermeisterin Olivia Chow äußerte sich tief betroffen und verwies auf den anhaltenden Kampf gegen Antisemitismus in der Region.
Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen in ganz Ontario
Die Schüsse vor der Synagoge in Belleville fallen in eine Zeit stark gewachsener Spannungen. Erst vor wenigen Monaten hatte die kanadische Regierung vor einem massiven Anstieg des Antisemitismus im Land gewarnt und zusätzliche Gelder für die Sicherheitsinfrastruktur jüdischer Einrichtungen bereitgestellt. Auch im Frühjahr waren Synagogen im Raum Toronto bereits Ziel von Anschlägen geworden.
Als unmittelbare Reaktion auf den Vorfall in Belleville kündigten Polizeibehörden in der Umgebung erhöhte Sicherheitsvorkehrungen an. Die Polizei in Toronto verstärkte ihre Präsenz und dehnte die Streifenfahrten vor Synagogen und anderen religiösen Stätten aus. Ähnliche Schritte unternahm die York Regional Police, obwohl nach aktuellem Ermittlungsstand keine konkreten Drohungen für diese Region vorliegen.