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Gesundheit

Körperliche Aktivität senkt das Risiko für Typ-2-Diabetes erheblich

Höhere Mengen an moderater bis intensiver körperlicher Aktivität senken das Risiko für Typ-2-Diabetes bei Erwachsenen erheblich, wobei der Nutzen laut neuer Forschung besonders bei jüngeren Menschen ausgeprägt ist. Gleichzeitig zeigt eine umfangreiche Metaanalyse, dass auch Schlafdauer, Schlafqualität und der Chronotyp eine entscheidende Rolle für das Diabetesrisiko spielen.

Körperliche Bewegung bleibt einer der wirksamsten Hebel zur Vorbeugung von Stoffwechselerkrankungen. Eine Untersuchung, die im Rahmen der Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes in Mailand vorgestellt wurde, beleuchtet den genauen Zusammenhang zwischen Bewegungsumfang, Tageszeit und dem Ausbruch von Typ-2-Diabetes. Ausgewertet wurden dafür Daten von 87.975 Erwachsenen ohne Diabetesgeschichte, die zwischen Februar 2013 und December 2015 an der britischen UK Biobank-Studie teilnahmen.

Bewegungsumfang und Altersunterschiede bei Typ-2-Diabetes

Die Teilnehmenden trugen sieben Tage lang einen Beschleunigungssensor am Handgelenk, um ihre alltägliche körperliche Aktivität objektiv zu erfassen. Über eine durchschnittliche Nachbeobachtungszeit von 7,7 Jahren entwickelten 2.140 Personen (2,4 Prozent) Typ-2-Diabetes. Die Auswertung ergab, dass Erwachsene in der Gruppe mit geringerer Bewegung – die im Schnitt 121 Minuten moderater bis intensiver körperlicher Aktivität pro Woche leistete und damit die empfohlenen 150 Minuten verfehlte – ein mehr als doppelt so hohes relatives Risiko aufwiesen wie jene in der aktiveren Gruppe mit durchschnittlich 409 Minuten wöchentlich.

Interessanterweise zeigte sich die relative Risiko-Reduktion besonders deutlich bei Jüngeren. Unter Teilnehmern unterhalb des Durchschnittsalters von 63 Jahren hatten Personen mit niedrigerem Aktivitätsniveau mehr als das doppelte relative Risiko im Vergleich zu den Aktiveren. Bei Erwachsenen über 63 Jahren führte weniger Bewegung zu einem um 65 Prozent erhöhten relativen Risiko. Dennoch betonen Forschende, dass wegen des grundsätzlich höheren Basisrisikos im Alter eine breite Aktivierung älterer Menschen absolut die meisten neuen Erkrankungen verhindern könnte.

Forschende des Leiden University Medical Centre in den Niederlanden untersuchten neben dem reinen Umfang auch den Einfluss der Tageszeit. Dabei stellte sich heraus, dass Personen, die den Großteil ihrer sportlichen Aktivität in die Zeit zwischen 13 Uhr und Mitternacht legten, ein um 10 Prozent geringeres relatives Risiko für Typ-2-Diabetes aufwiesen als diejenigen, die zwischen 5 Uhr morgens und 13 Uhr trainierten. Dieser tageszeitliche Effekt war bei jüngeren Erwachsenen mit einer Risikominderung von 23 Prozent ausgeprägter als bei älteren Menschen.

Einfluss von Schlafdauer, Schlafqualität und Nickerchen

Neben dem Bewegungsprofil rücken auch Schlaffaktoren stärker in den Fokus der Stoffwechselforschung. Eine im Fachjournal Annals of Medicine veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse, in die 73 Beobachtungsstudien bis zum 1. Oktober 2024 einflossen, zeigt einen U-förmigen Zusammenhang zwischen der nächtlichen Schlafdauer und der Wahrscheinlichkeit für Typ-2-Diabetes.

Symbolbild: Eine ältere Dame liegt im Bett und schläft
Photo: Tara24

Das geringste Erkrankungsrisiko ermittelten die Forschende bei einer Schlafdauer von sieben bis acht Stunden pro Nacht. Sowohl weniger als sieben Stunden (Odds Ratio von 1,18) als auch mehr als acht Stunden Schlaf (Odds Ratio von 1,13) korrelierten mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Typ-2-Diabetes. Besonders stark fiel der Zusammenhang bei unzureichender Schlafqualität aus, die mit einer Odds Ratio von 1,50 einherging.

Körperliche Aktivität senkt das Risiko für Typ-2-Diabetes erheblich
Photo: news-medical.net
Schlafmerkmal Risikomaß (Odds Ratio / Effekt)
Schlafdauer unter 7 Stunden OR: 1,18
Schlafdauer über 8 Stunden OR: 1,13
Schlechte Schlafqualität OR: 1,50
Abend-Chronotyp OR: 1,59
Schlechte Qualität plus >8 Std. Schlaf OR: 2,15

Auch der persönliche Rhythmus spielt eine messbare Rolle. Menschen mit einem ausgeprägten Abend-Chronotyp verzeichneten eine Odds Ratio von 1,59 für Typ-2-Diabetes. Zudem war ein Tagesschlaf von mehr als 30 Minuten mit einem um sieben bis 20 Prozent erhöhten Risiko verbunden. Treffen mehrere ungünstige Faktoren wie schlechte Schlafqualität und eine nächtliche Schlafdauer von über acht Stunden zusammen, steigt die statistische Wahrscheinlichkeit laut den Daten sogar auf eine Odds Ratio von 2,15.

Bedeutung für präventive Maßnahmen

Die aktuellen Auswertungen unterstreichen, dass die metabolische Gesundheit von einem komplexen Zusammenspiel aus körperlicher Betätigung, Tagesrhythmus und Schlaf-Eigenschaften abhängt. Da es sich bei den zugrundeliegenden Daten um Beobachtungsstudien handelt, lässt sich laut der Fachliteratur kein ursächlicher Zusammenhang ableiten. Dennoch liefern die Ergebnisse klare Anhaltspunkte dafür, dass präventive Empfehlungen neben dem reinen Trainingsvolumen auch die zeitliche Struktur von Bewegung und Schlafgewohnheiten berücksichtigen sollten.

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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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