Nicht alle Mitarbeiter grosser Tech-Konzerne teilen die Angst vor einer existentiellen Bedrohung durch künstliche Intelligenz. Während prominente Warner und Führungskräfte vor massiven Arbeitsplatzverlusten und Risiken für die Menschheit warnen, reagieren viele Entwickler und Insider in privaten Gesprächen mit Skepsis und Humor auf die jüngsten Debatten.
Die Diskussion um die Zukunft der künstlichen Intelligenz ist längst in der Öffentlichkeit angekommen, doch hinter den Kulissen der führenden Technologieunternehmen herrscht keineswegs Einigkeit. Während in der Politik und in Meinungsumfragen die Sorge dominiert, dass Algorithmen Arbeitsplätze vernichten oder gar die Menschheit gefährden könnten, blicken viele Branchenkenner deutlich nüchterner auf die Entwicklung.
Skepsis und Humor unter Entwicklern bei OpenAI, Meta und DeepMind
In internen Textnachrichten und Gesprächen haben Mitarbeiter, die bei Unternehmen wie OpenAI, Meta und DeepMind gearbeitet haben, die aktuellen Untergangsszenarien skeptisch bewertet. Auf eine Welle hochrangiger Warnungen reagierten mehrere Beschäftigte mit schmunzelnden Kurznachrichten. Laut einem Bericht der BBC gehörten Ausrufe wie „Lol“, „Haaaaaaund der Ausspruch
Bringing the luls“ zu den Rückmeldungen aus dem Kreis der Entwickler.
Auslöser für die jüngste Aufregung waren unter anderem die viral gegangenen Äusserungen eines ehemaligen Mitarbeiters von Anthropic namens Jacob Coxon von letzter Woche, der vor den Gefahren autonom agierender KI-Agenten gewarnt hatte. Solche Thesen wurden online von Angestellten von Anthropic sowie von OpenAI, Deepmind und Elon Musk unterstützt, die eine KI-Start-up namens xAI betreibt. Alle Mitarbeiter, die mit der BBC sprachen, taten dies unter der Bedingung der Anonymität, da es ihnen nicht erlaubt war, mit der Presse zu sprechen; ihre Identitäten sind der BBC bekannt. Die Befragten, die anonym bleiben wollten, weil sie keine Freigabe für offizielle Äusserungen hatten, zeigten sich vor allem von der mangelnden Substanz solcher Behauptungen amüsiert.
„My first thought was, ‚That guy?'“
Ehemaliger OpenAI-Mitarbeiter, via BBC
Ein ehemaliger Beschäftigter von OpenAI, der Coxon aus gemeinsamer Zeit bei dem Unternehmen kannte und nun bei einer anderen KI-Firma arbeitet, kritisierte, dass die Vorhersagen über angebliche existenzielle Risiken „always vague“ blieben und sich bei genauerem Hinsehen auf gewagte Gedankensprünge oder hypothetische Umstände stützten. Zwar hatte Coxon spekuliert, eine Gruppe von auf nicht existierenden Modellen basierenden KI-Agenten könnte beschliessen, eine biologische Waffe zu kreieren und diese zu richten, doch blieben konkrete Belege oder technische Erklärungen für diesen Ablauf schuldig.
Arbeitsmarkt unter Druck: Zwischen Management-Entscheidungen und Manager-Rhetorik
"What will AI mean for jobs?" lautet die meistgestellte Frage zu der Technologiekategorie, die das Silicon Valley, die Popkultur und die Politik dominiert, während Ängste vor arbeitsplatzvernichtender KI routinemässig Meinungsumfragen anführen. Während die technischen Risiken intern bezweifelt werden, spüren Arbeitnehmer die wirtschaftlichen Folgen der Automatisierung bereits sehr konkret, und Chefs führen KI als Grund an, menschliches Personal abzubauen.
Gleichzeitig treiben Führungskräfte die Sorgen durch drastische Prognosen voran. So behauptete Dario Amodei, der CEO von Anthropic, dass Produkte wie seine bald die Hälfte aller Einstiegsjobs im Bürobereich eliminieren und bis zu 20 Prozent aller Arbeitsstellen insgesamt ersetzen könnten. OpenAI-Chef Sam Altman erklärte, dass Systeme in der Lage seien, Einstiegsarbeiter zu ersetzen, und bald like an experienced software engineer
programmieren könnten; andernorts äusserte er sich noch blunter mit der Feststellung: Jobs are definitely going to go away, full stop.

Zweieinhalb Jahre nach dem Aufstieg von ChatGPT stellt sich jedoch die Frage, was vor Ort tatsächlich passiert. Obwohl in Investitionen zur Verbesserung der Produktivität und Kostensenkung geflossen wird und billige, KI-generierte Inhalte kreative Branchen hart treffen, zeigt breitere Wirtschaftsdaten zu KI-Auswirkungen eine limitiertere Disruption. Vor etwa einem Monat startete ein Projekt namens AI Killed My Job
, um zu untersuchen, wie das Management KI nutzt, um Arbeiter zu beeinflussen, zu transformieren, zu degradieren oder zu ersetzen, basierend auf der Prämisse, dass zu viel Spekulation und zu wenig Testimonials von Betroffenen gehört wurden.
Die Realität im Tech-Sektor: Stimmen aus der Praxis
Nach einem Aufruf im Newsletter, in sozialen Medien sowie auf Nachrichtensendungen und Podcasts trafen zahlreiche Antworten ein von Künstlern, Illustratoren, Copywritern, Übersetzern sowie von leitenden Ingenieuren, Marketingmanagern und Beratern der Baubranche. Zahlreiche Reaktionen von Betroffenen aus Unternehmen wie Google, TikTok, Adobe, Dropbox und CrowdStrike sowie von kleineren Start-ups mit nur einer Handvoll Mitarbeitern zutage. Die Zuschriften machten deutlich, wie leitende Angestellte KI nutzten, um Entlassungen zu rechtfertigen, die Arbeit zu beschleunigen und die Arbeitslast kürzlich entlassener Kollegen zu übertragen, während andere Berichte von intriganten Unternehmensaufsteigern oder offenem Hohn in Foren erzählten.

Von den Dutzenden Einsendungen wurden 15 ausgewählt, die diese Trends repräsentieren, wobei einige Berichte kurz gehaltene Einblicke und andere längere Analysen bieten. Viele Beschäftigte mussten anonym bleiben, da es in der Tech-Branche ein legitimes Risiko für den Arbeitsplatz darstellt, sich offen zu der Thematik zu äussern.
Weiterlesen