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Technik und Wissenschaft

Fred Ehrsam sichert sich PDVSA-Verträge im venezolanischen Ölsektor

Coinbase-Mitbegründer Fred Ehrsam weitet seine Aktivitäten auf den venezolanischen Ölsektor aus und unterzeichnet Produktionsbeteiligungsverträge mit dem staatlichen Ölkonzern PDVSA. Laut Berichten vom September 2026 stößt das unkonventionelle Engagement des 38-jährigen Krypto-Investors jedoch auf scharfe Kritik von Marktbeobachtern, die mangelnde Branchenerfahrung und politische Vetternwirtschaft bemängeln.

Nach dem US-Angriff in Venezuela und der Gefangennahme des Staatschefs Nicolás Maduro im Januar 2026 treibt US-Präsident Donald Trump die Erschließung der venezolanischen Vorkommen voran.

Vom Krypto-Pionier zum Öl-Investor in Caracas

Fred Ehrsam, der im Jahr 2012 im Alter von 24 Jahren die Kryptobörse Coinbase mitbegründete, gilt Berichten zufolge als überraschender Hoffnungsträger der US-Regierung. Anfang des Jahres 2026 gründete der 38-Jährige das Unternehmen Primavera und verbrachte laut dem Wall Street Journal Monate in einem Luxushotel in Caracas, um Kontakte zu Regierungsvertretern und Managern zu knüpfen. Inzwischen hat Primavera Produktionsbeteiligungsverträge mit dem staatlichen Ölkonzern Petróleos de Venezuela (PDVSA) unterzeichnet.

Im März 2026 berief US-Präsident Trump den Krypto-Investor in seinen Technologiebeirat. Ehrsam hatte zuvor den kryptofreundlichen Kurs der Regierung und entsprechende Gesetzesinitiativen unterstützt. Marktbeobachter sehen in diesem Hintergrund den Grund für seine Türen öffnenden Kontakte.

Es ist davon auszugehen, dass die Neuvergabe von Projekten alles andere als ein marktgetriebener Prozess ist.

Cyrus de la Rubia, Hamburg Commercial Bank (HCOB)

Politische Seilschaften dürften nach Einschätzung von Cyrus de la Rubia von der Hamburg Commercial Bank eine dominante Rolle bei der Vergabe dieser Aufträge spielen. Das Wall Street Journal berichtete zudem, Ehrsam habe sich in Verhandlungen auf direkte Gespräche mit der Trump-Regierung bezogen.

Milliarden-Investitionen und die Hürden der Schweröl-Förderung

Das Engagement von Primavera erfolgt in einem breiteren Kontext von US-Bestrebungen in Venezuela. Trump drängte im Januar 2026 Chefs großer US-Energiekonzerne zu Investitionen in Höhe von 100 Milliarden Dollar. Bislang haben Branchengrößen wie Chevron und Eni sowie das Energieunternehmen GE Vernova Vereinbarungen unterzeichnet. Allein Chevron plant Investitionen in Höhe von sieben Milliarden Dollar, um die Fördermenge durch zwei neue Ölfelder innerhalb von fünf Jahren zu verdoppeln. Eni sicherte sich die Exklusivrechte für das Ölfeld Junin 5, während GE Vernova die Energieinfrastruktur ausbaut. ExxonMobil und ConocoPhillips halten sich hingegen bedeckt.

Trotz der gewaltigen Ölreserven Venezuelas – das Land verfügt mit schätzungsweise 303 Milliarden Barrel über die weltweit größten Vorkommen – stehen Investoren vor enormen Herausforderungen. Es handelt sich überwiegend um Schweröl, das spezielle Technologie erfordert. Laut Cyrus de la Rubia liegt der Break-even bei etwa 60 US-Dollar pro Barrel. Sollte sich die Lage im Nahen Osten in den kommenden Jahren beruhigen, könnte sich die Entwicklung venezolanischer Felder finanziell kaum lohnen.

Zweifel an Branchenerfahrung und langfristiger Sicherheit

Neben den politischen Unwägbarkeiten in Washington bemängeln Experten vor allem das Fehlen operativer Branchenerfahrung bei Ehrsams Unternehmen Primavera. Fachleute bezweifeln, dass ein Kryptomilliardär ohne Vorkenntnisse venezolanische Ölfelder profitabel betreiben kann. Dennoch agiert Primavera gezielt und hat sich laut dem Wall Street Journal zunächst Aufträge für weniger begehrte, aber potenziell lukrative Felder im Ölblock Budare gesichert, wo leichteres Rohöl zu finden ist.

Fred Ehrsam sichert sich PDVSA-Verträge im venezolanischen Ölsektor

Ob diese Verträge einen Regierungswechsel in Washington oder Caracas überstehen, bleibt ungewiss.

TRUMPS CARACAS-COUP: Ukraine-Krieg bindet Kräfte ‒ Putin zu schwach, um Venezuela zu helfen

Politischer Einfluss mag heute den Zugang zu Vermögenswerten ermöglichen. Er bietet jedoch keine Garantie für Schutz nach einem Machtwechsel in Washington.

Campbell, Analyst

Auch Cyrus de la Rubia verweist darauf, dass Konzessionen, die unter militärischem oder außenpolitischem Druck und ohne transparenten Wettbewerb vergeben werden, bei einem Machtwechsel schnell wertlos werden könnten. Trotz dieser Risiken steht für Washington das geopolitische Ergebnis im Vordergrund: Durch die neuen Abkommen haben sich die Vereinigten Staaten über 65 Milliarden Barrel nachgewiesener Ölreserven gesichert, was rund einem Fünftel der weltweiten Vorkommen entspricht. Der ausgehandelte Pakt hat eine Laufzeit von mindestens 25 Jahren.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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