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Gesundheit

University at Buffalo: Risikomedikamente bei Senioren sind rückläufig

Wissenschaftler haben im September 2026 neue Daten zur Medikamentensicherheit älterer Menschen veröffentlicht. Rund ein Drittel der älteren Erwachsenen mit kognitiven Störungen nimmt demnach weiterhin rezeptpflichtige Medikamente ein, die ihr Gedächtnis beeinträchtigen können, obwohl die Gesamtbelastung seit 2011 spürbar zurückgegangen ist.

Die Medikation von älteren Menschen mit kognitiven Einschränkungen bleibt eine medizinische Herausforderung. Zwar zeigen aktuelle Erhebungen einen erfreulichen Trend nach unten, doch die verbleibenden Risiken für Betroffene sind weiterhin beträchtlich. Wenn Medikamente das zentrale Nervensystem beeinflussen, können sie bei demenziellen Erkrankungen oder anderen kognitiven Störungen schwere Nebenwirkungen auslösen.

Rückgang der Risikomedikamente bei älteren Menschen in den Jahren 2011 bis 2022

Eine Untersuchung von Forschern der University at Buffalo beleuchtet die Entwicklung bei selbstständig lebenden älteren Erwachsenen mit kognitiven Störungen. Die am 4. August im Journal of the American Geriatrics Society veröffentlichte Studie untersuchte Daten von Menschen ab 65 Jahren.

Die Auswertung ergab, dass die Exposition gegenüber potenziell ungeeigneten Medikamenten von 39,3 Prozent im Jahr 2011 auf 29,3 Prozent im Jahr 2022 sank. Grundlage der Untersuchung bildete die sogenannte Beers-Liste der American Geriatrics Society, die rund 100 Medikamente umfasst, die für ältere Patienten schädlich sein können. Die Studienautoren engten den Fokus auf zentral wirksame Substanzen ein.

Haowen Hsu, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung für Praxisharmazie an der School of Pharmacy and Pharmaceutical Sciences der University at Buffalo, erklärte, dass es sich hierbei um eine Bevölkerungsgruppe mit einigen psychischen Problemen handele, die das zentrale Nervensystem betreffen.

Die Einnahme solcher Arzneien kann zu häufigeren Notaufnahmen, längeren Krankenhausaufenthalten, einer Verschlechterung der psychischen Verfassung und einem erhöhten Sterberisiko führen. Zu den problematischen Wirkstoffen gehören Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine oder bestimmte Schlafmittel, die das Gleichgewicht und die Koordination stören.

Verkettete Verschreibungen und die Bedeutung des Entlassungsmanagements

Ein weiteres Problem in der Versorgung älterer Patienten beleuchtet eine groß angelegte Studie aus Ontario, die von Dr. Paula Rochon von Sinai Health in Toronto geleitet und in der Fachzeitschrift BMJ veröffentlicht wurde. Die Forschung widmet sich sogenannten potenziell schädlichen Verschreibungskaskaden.

University at Buffalo: Risikomedikamente bei Senioren sind rückläufig
Photo: knowridge.com

Eine solche Kaskade entsteht, wenn die Nebenwirkung eines Medikaments fälschlicherweise als neue Krankheit interpretiert wird. Statt das ursprüngliche Präparat abzusetzen, verordnet die Ärzteschaft ein weiteres Mittel. Beispielsweise können Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAID den Blutdruck erhöhen, was wiederum zur Verschreibung eines Blutdruckmedikaments führen kann, ohne dass der ursprüngliche Zusammenhang erkannt wird.

Das Forschungsteam analysierte Bevölkerungsdaten über das Gesundheitsinstitut ICES in Ontario und identifizierte 24 besonders häufige und potenziell schädliche Verschreibungskaskaden. Ältere Menschen sind für solche Phänomene besonders anfällig, da sie häufig mehrere chronische Erkrankungen aufweisen und verschiedene Arzneien gleichzeitig einnehmen. Leber und Nieren verarbeiten Wirkstoffe im Alter anders, weshalb die Empfindlichkeit gegenüber Verwirrtheit, Schwindel oder Störungen des Blutdrucks steigt.

Parallelen bei jüngeren Patientengruppen und veränderte Verschreibungstrends

Während die Geriatrie mit der Reduzierung ungeeigneter Dauermedikationen ringt, zeigt sich in anderen Altersgruppen eine gegenläufige Entwicklung bei bestimmten modernen Therapien. So registrierte eine im September veröffentlichte Auswertung einen drastischen Anstieg von GLP-1-Abnehmpräparaten bei Kindern unter zwölf Jahren in den Vereinigten Staaten.

A combination image shows an injection pen of Zepbound, Eli Lilly
Photo: reuters.com

Die Untersuchung, die im Fachblatt Pediatrics erschien, stützt sich auf Daten der elektronischen Gesundheitsakten-Datenbank Epic Cosmos mit über 300 Millionen Patienten. Demnach stieg der Anteil der Verschreibungen von GLP-1-Medikamenten bei adipösen Kindern zwischen acht und elf Jahren ohne Diabetes von 0,03 Prozent im Jahr 2019 auf 9,3 Prozent an.

A prescription bottle in the foreground, pahrmacy students working in the background
Photo: buffalo.edu

Die meisten dieser jungen Patienten erhielten das von Novo Nordisk vertriebene Präparat Wegovy, daneben wurden Saxenda und das von Eli Lilly entwickelte Zepbound verschrieben. Rund 94 Prozent der betroffenen Kinder litten unter schwerer Adipositas, und etwa 65 Prozent wiesen Begleiterkrankungen wie hohen Blutdruck, erhöhte Cholesterinwerte oder Schlafapnoe auf.

Die Studie offenbart zudem gesundheitspolitische Disparitäten beim Zugang zu den Therapien. Kinder aus einkommensstärkeren Regionen erhielten die Medikamente mit einer um 55 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit.

Allan Massie, Co-Autor der Studie und außerordentlicher Professor für Chirurgie an der NYU Grossman School of Medicine, betonte, dass sowohl Ärzte als auch gesundheitspolitische Entscheidungsträger gleichermaßen die Verantwortung dafür tragen sicherzustellen, dass …

Experten betonen, dass sowohl bei der Versorgung älterer Menschen durch gezieltes Deprescribing als auch beim Einsatz neuer Wirkstoffe in der Pädiatrie eine enge Überwachung durch Mediziner, Apotheker und Pflegekräfte unerlässlich bleibt, um unerwünschte Arzneimittelwirkungen zu minimieren.

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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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