Snapchat-Chef Evan Spiegel hat im BBC-Interview erklärt, dass das Unternehmen bereit sei, tägliche Zeitlimits für Jugendliche einzuführen.
Evan Spiegel signalisiert Bereitschaft zu täglichen Nutzungszeiten
Der Chef von Snapchat, Evan Spiegel, hat sich offen dafür gezeigt, verbindliche Nutzungszeitbegrenzungen für junge Anwender einzuführen. In einem Interview in der Firmenzentrale des Unternehmens in Kalifornien bezeichnete er einen solchen Schritt als einen wichtigen Schritt vorwärts für die Industrie, wie die BBC berichtet. Seine Äußerungen kamen als die Firma eine Reihe neuer Funktionen für ihre kommenden Specs-Brillen vorstellte, die nach Unternehmensangaben mit Apple iPhone- und Mac-Geräten verbunden werden können.
Spiegel betonte, dass man sich intensiv mit entsprechenden Vorgaben auseinandergesetzt habe. Auf einen genauen Zeitplan für die Umsetzung wollte sich der Firmenchef jedoch noch nicht festlegen. „Das ist etwas, das wir intern besprochen haben, erklärte er im Gespräch mit der BBC. „Ich habe heute nicht mehr mitzuteilen.
„I think that’s a really good example of something that that we’d be willing to implement.
Evan Spiegel, Snapchat
Der Druck durch Metas milliardenschwere Einigung
Hintergrund der Debatte ist eine juristische Offensive von Generalstaatsanwälten für die meisten US-Bundesstaaten, die den großen Plattformkonzernen vorwerfen, ihre Apps absichtlich so gestaltet zu haben, dass sie auf Minderjährige süchtig wirken. Meta, der Mutterkonzern von Instagram und Facebook, sah sich entsprechenden Anschuldigungen ausgesetzt und einigte sich im August auf eine Zahlung von $12.7bn.

Diese Einigung sieht vor, dass Instagram und Facebook für Teenager standardmäßig ein tägliches Zeitlimit von zwei Stunden einrichten. Dazu kommen stummgeschaltete Benachrichtigungen während der Schulzeiten, Sperren in der Nacht sowie weitere Maßnahmen. Meta hat im Rahmen der Einigung zudem erklärt, dass das Unternehmen im Laufe eines Zehnjahreszeitraums weitere $5.3bn zahlen und noch strengere Zeitlimits umsetzen wird, falls YouTube und TikTok ebenfalls nachziehen. Meta hat im Zuge der Einigung jegliches Fehlverhalten bestritten. Im vergangenen Monat erklärte ein Sprecher von Meta, man sei hoffnungsvoll, dass auch Snap ähnliche Plattformänderungen vornehmen werde.
Snapchat, YouTube, TikTok und Meta sehen sich allesamt einer Welle von Gerichtsverfahren ausgesetzt, in denen behauptet wird, ihre Anwendungen hätten zu einer Krise der psychischen Gesundheit bei Jugendlichen beigetragen. Darüber hinaus wurde Snap beschuldigt, illegale Drogenverkäufe zu erleichtern.
Reaktionen der Plattformen und bestehende Schutzwerkzeuge
Die YouTube-Muttergesellschaft Google erklärte, sie habe keinen Kommentar abzugeben, als sie gefragt wurde, ob sie die Maßnahmen aus Metas Vergleich umzusetzen gedenke. TikTok reagierte überhaupt nicht auf die Anfrage der BBC nach einer Stellungnahme.

Snapchat verweist derweil auf bereits bestehende Werkzeuge über die Funktion Family Center, die es Eltern gegenwärtig ermöglicht, Aspekte der Snapchat-Nutzung ihrer Teenager nachzuvollziehen. „Wir wollen herausfinden, wie wir Teil der Lösung sein können, fügte Spiegel hinzu.