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Technik und Wissenschaft

Gletscher werden weltweit im Klimawandel verschwinden

Forscher haben eine interaktive Karte vorgestellt, die die weltweite Entwicklung von mehr als 200.000 Gletschern im Klimawandel darstellt. Unter Leitung der ETH Zürich und der Vrije Universität in Brüssel zusammengetragen, zeigt das Tool für jeden einzelnen Gletscher den voraussichtlichen Zeitpunkt seines Verschwindens bei unterschiedlichen Erwärmungsszenarien.

Schon wenig Schnee im Winter und mehrere Hitzewellen im Sommer haben den Gletschern in den Alpen in diesem Jahr extrem viel Eis entzogen. Nach Angaben der Berichterstattung läuft derzeit die abschließende Messung für einen Zeitraum, der als eines der schlimmsten Jahre für die Alpengletscher seit Beginn systematischer Aufzeichnungen in die Geschichte eingehen könnte. Um diesen dramatischen Rückzug der Eismassen weltweit fassbar zu machen, hat ein internationales Forscherteam unter der Leitung der ETH Zürich und der Vrije Universität in Brüssel eine neue interaktive Karte entwickelt.

Einblicke in das weltweite Gletschersterben

Zahlen zum Gletscherschwund wirken oft abstrakt und unnahbar. Das soll das neue Projekt ändern, indem es Nutzerinnen und Nutzern ermöglicht, Details direkt vor ihrer Haustür zu betrachten. Mit dieser Website können Nutzer in ihr eigenes Tal oder ihre Bergregion hineinzoomen und sehen, was unterschiedliche Ausprägungen der globalen Erwärmung für die Gletscher in ihrer Umgebung bedeuten können, erklärt Projektleiter Lander Van Tricht.

Die Karte ist nach Angaben der Forscher die erste globale Bewertung des Gletscherschwunds und zeigt für jeden der über 200.000 erfassten Gletscher auf, wann er voraussichtlich verschwinden wird. Als verschwunden gilt ein Gletscher dabei nach Definition der Wissenschaftler, wenn er 99 Prozent seines ursprünglichen Eisvolumens eingebüßt hat oder seine Eisfläche unter 10.000 Quadratmeter sinkt. Bei einer globalen Erwärmung von 1,5 Grad Celsius werden demnach pro Jahr etwa 2.000 Gletscher weltweit verschwinden. Bei einem Vier-Grad-Szenario würde sich dieser Wert verdoppeln, und bis zum Jahr 2100 wären mehr als 90 Prozent der heutigen Gletscher fort. In den Alpen würden in diesem Szenario lediglich 20 Gletscher übrig bleiben.

Globale Folgen und schwindende Wasserreserven

Gletscher prägen Landschaften, ziehen Touristen an und spielen eine entscheidende Rolle für den Wasserhaushalt. Ihr Schmelzwasser speist im Sommer die Flüsse, sichert die Wasserversorgung und macht in vielen Regionen die Binnenschifffahrt erst möglich. Zudem besitzen sie für die lokale Bevölkerung oft eine starke kulturelle und emotionale Bedeutung.

Hinter jedem verschwindenden Gletscher steht ein Ort, eine Geschichte und oft eine Gemeinschaft, die seinen Verlust zu spüren bekommen wird.

Lander Van Tricht, Projektleiter

Das Zurückweichen der Eisgiganten ist von den Anden über die Alpen bis zum Himalaja sichtbar. Der World Glacier Monitoring Service berechnete, dass seit Mitte der 1970er-Jahre weltweit bereits mehr als 9.000 Gigatonnen Gletschereis verschwunden sind. Eine Gigatonne entspricht dabei einer Milliarde Tonnen. Ein dauerhafter Bestand von Gletschern setzt voraus, dass sich Schneefall im Winter und Abtauen im Sommer die Waage halten. Steigende Temperaturen verlängern jedoch die Schmelzperiode, während Niederschläge in Gebirgen zunehmend als Regen statt als Schnee fallen und den Gletschern den wichtigen Nachschub rauben.

Historischer Wandel und das Erbe der Gletschermumie Ötzi

Dass sich Gletscher über geologische Zeiträume hinweg verändern, ist kein neuer Prozess. Vor etwa 20.000 Jahren auf dem Höhepunkt der letzten Eiszeit erreichten sie ihre maximale Ausdehnung, wobei weite Teile Nordamerikas und Nordeuropas unter dicken Eisschilden lagen. Nach Angaben des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung lag der Meeresspiegel damals mehr als 100 Meter tiefer als heute. Vor rund 10.000 Jahren waren diese Vergletscherungen weitgehend verschwunden.

Ein Beleg für die dynamische Geschichte der Alpengletscher ist die 1991 in den Ötztaler Alpen gefundene Gletschermumie Ötzi. Der Mann starb am Ende des holozänen Klimaoptimums vor rund 5.300 Jahren, woraufhin vorrückendes Eis seine sterblichen Überreste über Jahrtausende konservierte. Jahrhundert. Im Gegensatz zu früheren Jahrhunderten vollzieht sich der aktuelle Rückzug jedoch in rasantem Tempo innerhalb von Jahrzehnten, angetrieben durch extreme Hitzesommer wie in den Jahren 2022 und 2026. Da mit den Gletschern auch wichtige Wasserreservoirs schwinden, müssen sich ganze Regionen auf eine Zukunft mit weniger Wasser einstellen.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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