Zum Inhalt springen
Technik und Wissenschaft

Nvidia-Chef Jensen Huang lehnt neue KI-Gesetze ab

Nvidia-Chef Jensen Huang lehnt neue Gesetze zur Künstlichen Intelligenz ab und fordert, dass Unternehmen die Sicherheit selbst regulieren. Seine Äußerungen in San Francisco stehen im Kontrast zu Forderungen von Branchenkollegen wie Anthropic-Chef Dario Amodei, der schärfere Regeln und eine Drosselung der Entwicklung verlangt hat.

Jensen Huang fordert Selbstregulierung der KI-Branche

Die Debatte über die Regulierung Künstlicher Intelligenz hat eine neue Kontroverse ausgelöst. Während Nvidia-Chef Jensen Huang bei einer Salesforce-Konferenz in San Francisco betonte, dass die Technologie keine neuen Gesetze oder Regulierungen benötige, wachsen die Sicherheitsbedenken innerhalb der Tech-Branche deutlich. Huang bezeichnete die aktuellen Fortschritte als a new industrial revolution, beharrte jedoch darauf, dass Unternehmen eigenverantwortlich handeln und sich im Wesentlichen selbst regulieren sollten.

Jensen Huang, Nvidia-Chef, via BBC

Huang stellte sich damit gegen den Trend von Stimmen aus der Industrie, die angesichts technologischer Risiken nach staatlichem Eingreifen rufen. Nach seiner Ansicht dürfe es keine „false choice“ zwischen der Geschwindigkeit der Innovation und der Sicherheit von KI-Produkten geben. Stattdessen müsse Sicherheit als ein ingenieurtechnisches Problem verstanden werden.

Safety is paramount. However, safety is an engineering problem, Huang said. Jensen Huang, Nvidia-Chef, via BBC

Widerspruch zu Anthropic und Debatte um Arbeitsplätze

Der Standpunkt des Nvidia-Chefs steht in direktem Gegensatz zu Positionen anderer Branchenführer. Ein Beitrag eines KI-Forschers, der das Unternehmen Anthropic verlassen hatte, ging zuvor viral, da er behauptete, KI könne bis zum Ende des Jahrzehnts alle Menschen töten, wenn sie unkontrolliert bleibe. Andere KI-Führungskräfte und Experten stimmten dem zu, und der Chef von Anthropic, Dario Amodei, forderte über das Wochenende, das Tempo der gesamten KI-Entwicklung zu verlangsamen, und drängte Regierungen dazu, die Branche zu regulieren. Der Beitrag wurde von OpenAI-Chef Sam Altman, dem Mitgründer von Google DeepMind, Demis Hassabis, sowie von Elon Musk, dem Eigentümer der Social-Media-Plattform X und des KI-Assistenten Grok, applaudiert.

Jack Clark, ein Anthropic-Executive und Mitgründer, warnte im Gespräch mit der BBC am Montag davor, die Technologie in einer vollständig unregulierten Industrie laufen zu lassen, da dies einem Glücksspiel mit immensen Risiken (rolling dice with immense risks) gleichkomme.

Nvidia CEO Jensen Huang walking the floor at the Salesforce "Dreamforce" conference, wearing a black leather jacket and
Photo: bbc.co.uk

Ungeachtet der regulatorischen Fragen widersprach Nvidia-Chef Jensen Huang während einer Veranstaltung des US-Start-up-Inkubators Y Combinator auch düsteren Prognosen für den Arbeitsmarkt. Entgegen Befürchtungen eines flächendeckenden Stellenabbaus geht er davon aus, dass KI vor allem einzelne Routineaufgaben automatisiert, während ganze Berufe bestehen bleiben und neue Arbeitsplätze entstehen. Huang unterschied klar zwischen einzelnen Aufgaben und ganzen Berufen und erklärte, dass die Erzählung, wonach KI Arbeitsplätze zerstöre, genau umgekehrt sei.

Als Beispiel nannte Huang die Softwareentwicklung, in der Programmierer vermehrt Werkzeuge wie Codex oder Claude Code nutzen, um Code zu schreiben. Obwohl das Schreiben des Codes automatisiert wird, nehme die Nachfrage nach Softwareentwicklern zu, da der Rückstau an Ideen, Ambitionen und Projekten riesig sei. Ähnliche Effekte beobachtet der Nvidia-Chef in der Radiologie, wo trotz weit verbreiteter KI-Programme die Zahl der Arbeitsplätze steigt, weil der Patientendurchsatz und der Rückstau enorm sind. Auch in der Rechtsbranche verwies Huang auf das KI-Startup Harvey und erklärte, die Zahl der Arbeitsplätze wachse rasant, obwohl dies laut Prognosen des US Bureau of Labor Statistics zwischen 2024 und 2034 kaum verändert sein wird.

Verantwortung der Führungskräfte bei der Freigabe

Zur Frage, wie Risiken konkret minimiert werden können, plädiert Huang dafür, dass die Köpfe hinter KI-Firmen selbst entscheiden sollten, ob neue Versionen veröffentlicht werden. Sollten Führungskräfte zu irgendeinem Zeitpunkt das Vertrauen in ihr Produkt verlieren, müssten sie eigenständig entscheiden, es nicht zu veröffentlichen.

KI: USA verliert das Rennen gegen China! Warum Nvidia-Chef Huang Recht hat!

That's a very obvious thing to do, Huang said. Run as fast as you can, but if at any time you feel the institution is not in control, take a pause. Jensen Huang, Nvidia-Chef, via BBC

Ob dieser Appell ausreicht, um das Vertrauen der Öffentlichkeit zu gewinnen, bleibt umstritten. Patrick Hillman, Chief Operating Officer von Logical Intelligence – einem Unternehmen, das von dem Branchen-Urgestein Yann LeCun präsidiert wird –, äußerte am Dienstag deutliche Skepsis und betonte, wie wenig Vertrauen die Menschen in Tech-Unternehmen haben, etwas im öffentlichen Interesse zu tun, und dass sowohl Washington als auch das Silicon Valley dieses Misstrauen gleichermaßen verdient haben.

Nvidia CEO Jensen Huang Puts Trump on Speakerphone During Tech Summit in LA
Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.