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Technik und Wissenschaft

Samsung und Partner investieren über 200 Millionen Euro in Start-up Euclyd

Euclyd, ein im Jahr 2024 gegründetes Technologieunternehmen aus Eindhoven, hat eine Series-A-Finanzierungsrunde über mehr als 200 Millionen Euro abgeschlossen. Die Runde wird angeführt von Samsung Electronics, Somerset Capital Partners, dem Scaleup Europe Fund von EQT und Innovation Industries, während Peter Wennink den Vorsitz des Verwaltungsrats übernimmt.

Das im Jahr 2024 von Bernardo Kastrup und Atul Sinha gegründete Start-up Euclyd hat frisches Kapital eingesammelt. Neben den Hauptinvestoren Samsung Electronics, Somerset Capital Partners, dem Scaleup Europe Fund (gemanagt von EQT) und Innovation Industries haben sich nach Angaben von Deraktionaer auch weitere europäische Kapitalgeber wie die dänische Förderbank EIFO an der Finanzierung beteiligt. Prominenten Zuwachs gibt es zudem an der Spitze: Peter Wennink, der bis zum Jahr 2024 als Chef von ASML tätig war, übernimmt den Vorsitz des Verwaltungsrats.

Produkt-Roadmap und die Einordnung der Investition

Laut Deraktionaer umfasst die Roadmap des Unternehmens zwei zentrale Produkte: craftwerk, einen Chip für agentische Arbeitslasten, sowie das zugehörige Rechenzentrumssystem namens craftwerk station CWS. Erste Auslieferungen sind demnach für das Jahr 2028 geplant, während Tausende Firmenkunden bis zum Jahr 2030 erreicht werden sollen.

Finanziell zeigt der Vergleich mit Branchenriesen wie Nvidia den wahren Charakter der Finanzierungsrunde. Nvidia setzte im Quartal bis zum 26. Juli 96,2 Milliarden Dollar um, was einem Plus von 106 Prozent zum Vorjahr entspricht. Das sind rund 44 Millionen Dollar pro Stunde. Die komplette Euclyd-Finanzierungsrunde entspricht damit gut fünf Stunden Nvidia-Umsatz. Die operativen Aufwendungen von Nvidia lagen im selben Quartal bei 8,4 Milliarden Dollar beziehungsweise rund 92 Millionen Dollar pro Tag. Das bedeutet, dass das gesamte Kapital, welches Euclyd für die Entwicklung der nächsten Jahre eingesammelt hat, von Nvidia in etwa zweieinhalb Tagen ausgegeben wird.

Wie Deraktionaer analysiert, entwertet dies die Finanzierungsrunde keineswegs, sondern ordnet sie richtig ein: Europa finanziert hier keinen Wettlauf um schiere Marktanteile, sondern eine technische These. Die 200 Millionen Euro sind der Preis für zwei Jahre Entwicklungszeit, fällig sofort, während der Gegenwert erst im Jahr 2028 fällig wird.

Die technische These hinter der Memory Wall

Der Kern der technologischen Ausrichtung liegt abseits des reinen Rechenwerks. Bei großen Sprachmodellen verbringt ein Chip den größten Teil seiner Energie damit, Gewichte und Zwischenergebnisse zwischen dem Speicher und der Recheneinheit hin- und herzuschieben – ein von Fachleuten als Memory Wall bezeichnetes Problem. Bildlich gesprochen verliert ein Koch, der jede Zutat einzeln aus dem Keller holt, seine Zeit nicht am Herd, sondern auf der Treppe. Euclyd verfolgt den Ansatz, Prozessor und Speicher gemeinsam zu entwerfen, um diese Wege zu verkürzen.

Genau an diesem Punkt besitzt Samsung Electronics als einer der weltgrößten Speicherhersteller laut Deraktionaer einen Wert, der weit über den reinen Scheck hinausgeht. Gründer Bernardo Kastrup betont, dass der Konzern auf mehr Wegen helfen kann als nur mit Geld. Das Fernziel des Unternehmens trägt den Titel Abundant Intelligence – Künstliche Intelligenz im Überfluss.

Konkurrenz durch OpenAIs Jalapeño und entscheidende Prüfsteine

Wie rasant sich das Marktumfeld entwickelt, beweist das Beispiel von OpenAI. Deren erster eigener Inferenzchip namens Jalapeño wurde im Juni vorgestellt, gefolgt von ersten Messwerten am 25. August. Nach Angaben von Deraktionaer liefert dieser Chip das 1,5- bis 1,9-Fache an Rechenarbeit je Watt und eine 1,7- bis 3,6-fach geringere Latenz als das Vergleichssystem, bei einer Leistung von 700 Watt und 216 Gigabyte HBM4-Speicher.

Samsung und Partner investieren über 200 Millionen Euro in Start-up Euclyd

Vom ersten Schaltungsentwurf im Februar 2025 bis zum ersten Silizium im Mai 2026 vergingen lediglich 15 Monate. Partner bei diesem Projekt mit Broadcom als Abnehmer, der die Chips selbst verbaut, zeigt, dass das Inferenzgeschäft – also der laufende Betrieb fertig trainierter Modelle – bereits harte Effizienzmaßstäbe setzt.

  • Bis Ende 2026 will OpenAI Jalapeño im eigenen Rechenzentrum einsetzen.
  • Im Jahr 2027 muss bei Euclyd ein lauffähiges Testsilizium vorliegen, um den Auslieferungstermin 2028 zu halten.
  • Bis 2030 sollen Tausende Firmenkunden bedient werden, markiert durch den ersten unterschriebenen Großauftrag.

Ob aus der ambitionierten These von Euclyd ein echter Wettbewerber für den Marktführer erwächst, entscheidet sich nicht an dieser Finanzierungsmitteilung, sondern am Tag des ersten lauffähigen Siliziums. Bis zu diesem Zeitpunkt bleibt das Unternehmen eine hervorragend ausgestattete technologische These.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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