Zum Inhalt springen
Welt

Golfstaaten sagen Treffen nach Huthi-Angriffen in Saudi-Arabien ab

Arabische Golfstaaten haben ein für Montag geplantes Treffen mit dem Iran kurzfristig abgesagt, während jemenitische Huthis Ölanlagen in Saudi-Arabien angriffen. Die Eskalation im Nahen Osten verschärft die globale Energiekrise, treibt die Rohölpreise nach oben und lässt die Dieselpreise in den USA auf Rekordwerte steigen.

Abgesagtes Treffen in Oman und neue Angriffe der Huthis

Die diplomatischen Bemühungen zur Entschärfung der Lage in der Straße von Hormus haben einen schweren Rückschlag erlitten. Oman hatte für Montag ein Treffen mit Vertretern des Iran und der Golfstaaten angesetzt, um über die Wiedereröffnung der wichtigstem Ölschifffahrtsstraße der Welt zu verhandeln. Diese ist weitgehend blockiert, seit die USA und Israel Ende Februar den Iran angegriffen hatten. Doch der omanische Außenminister Sayyid Badr Albusaidi gab über Nacht bekannt, dass die Zusammenkunft im Interesse des Konsenses verschoben worden sei. Von iranischer Seite hieß es, die Entscheidung gehe auf einen Wunsch Saudi-Arabiens zurück.

Zeitgleich weitete sich der militärische Konflikt im Jemen aus. Die vom Iran unterstützten Huthi-Milizen feuerten am Montag Dutzende Raketen und Drohnen auf einen saudi-arabischen Militärflugplatz in Khamis Mushait nahe der Grenze ab. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters wurden dabei Flugzeughangars, Radarsysteme, Landebahnen und Munitionsdepots getroffen. Die saudi-arabischen Behörden verhängten daraufhin kurzzeitig Notfallwarnungen in der Region sowie in drei weiteren südlichen Städten.

Drohnentreffer an der saudi-arabischen Ost-West-Pipeline

Die Angriffe auf die Infrastruktur beschränken sich nicht auf den Süden. Mehrere Pumpstationen des kritischen Ost-West-Ölpipelinesystems von Saudi-Arabien wurden bereits am Donnerstag getroffen. Satellitenbilder und Daten von der NASA FIRMS detektierten große Brände und dicke schwarze Rauchwolken an Pumpstationen nahe Al Mesba’ah und Al Dhekra. Ein US-Beamter bestätigte gegenüber CNN, dass die Attacken von Drohnen stammten, die im Irak gestartet waren. Saudi Aramco und die saudi-arabische Regierung äußerten sich zunächst nicht öffentlich zu dem Vorfall.

Die Pipeline dient dem Königreich als wesentlicher Bypass um die blockierte Straße von Hormus. Normalerweise leitet Saudi-Arabien täglich rund 5 Millionen Barrel Rohöl durch das System nach Yanbu am Roten Meer, bei einer Gesamtkapazität von rund 7 Millionen Barrel pro Tag. Ob die Pipeline selbst beschädigt wurde oder wie lange Reparaturen an der betroffenen Pumpinfrastruktur dauern werden, blieb zunächst unklar. Marktbeobachter betonen jedoch, dass beschädigte Pumpstationen im Vergleich zu einem gerissenen Rumpfrohr unter Umständen schneller instand gesetzt werden können.

Reaktionen an den Rohölmärkten und steigen Benzinpreise

Die Eskalation treibt die Preise an den internationalen Rohstoffbörsen massiv an. Als der Handel nach dem Wochenende wiedereröffnete, kletterten die Rohölpreise um mehr als 3 Prozent. Die internationalen Brent-Futures für die Lieferung im November stiegen um 3,3 Prozent auf 108,02 US-Dollar je Barrel, während andere Berichte über tagesaktuelle Spitzenwerte von mehr als 4,5 Prozent auf 109,30 US-Dollar berichteten. In den Vereinigten Staaten kletterte der durchschnittliche Einzelhandelspreis für Diesel auf ein neues Allzeithoch von über 6,23 US-Dollar pro Gallone.

LOOK: Satellite Imagery Shows Fires Along Key Saudi Pipeline After Houthi Strikes

Händler warnen, dass ein längerfristiger Ausfall der saudi-arabischen Pipeline bis zu 4 Prozent der weltweiten Erdölversorgung kappen könnte, falls die Route nicht innerhalb weniger Tage den Betrieb wiederaufnimmt. Parallel dazu verschärft sich die Lage auf den Weltmeeren weiter: Iran veröffentlichte eine Liste von 77 Schiffen, die nach Teheraner Ansicht gegen die Protokolle für die Passage in der Straße von Hormus verstoßen haben. Betroffene Frachter müssen mit strengen Konsequenzen rechnen.

Sie können nicht einmal auf den Markt gehen, um Lebensmittel und Trinkwasser zu besorgen. Sie werden blockiert und beschossen, weshalb sie in ihren Häusern gefangen sind. Aisha Muhammad, Bewohnerin im Regierungsgebiet nahe Taiz, gegenüber Reuters

Humanitäre Notlage im Jemen und politischer Druck auf Washington

Die Offensive der Huthis, die in der vergangenen Woche unter anderem den historischen Rotmeer-Hafen Mocha einnahm und die Perim-Insel in der Bab-el-Mandeb-Straße besetzte, hat tausende Zivilisten in die Flucht getrieben. Viele Dörfer sind nach Angaben von Augenzeugen menschenleer. Die humanitäre Situation in den betroffenen Küstenregionen verschärft sich dramatisch, da Familien abgeschnitten sind und kaum Zugang zu Nahrung oder sauberem Wasser haben.

Vessels at the Strait of Hormuz, as seen from Musandam, Oman, September 6, 2026. REUTERS/Stringer
Photo: Reuters

Für die US-Regierung unter Präsident Donald Trump bedeutet der neue Konfliktherd ein politisches Dilemma. Einerseits wächst der Druck der saudi-arabischen Verbündeten, militärisch einzugreifen; andererseits will Washington vermeiden, in einen langwierigen regionalen Krieg hineingezogen zu werden. Angesichts der im November bevorstehenden Halbzeitwahlen belasten die hohen Energiepreise in den USA massiv die politische Stimmung. Berichten zufolge lehnte Washington entsprechende Bitten aus Riad bislang ab, während die Huthis ihrerseits den direkten Kontakt suchten, um die USA aus dem Konflikt herauszuhalten.

السعودية تغلق خط أنابيب النفط الخام "شرق-غرب" إثر تعرضه لهجمات متعددة
Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.