Treibstoffpreiserhöhungen haben in Syrien die landesweit größten Proteste seit dem Sturz von Bashar al-Assad vor knapp zwei Jahren ausgelöst. Demonstranten blockierten am Wochenende wichtige Straßenverbindungen wie die Autobahn nach Aleppo und setzten Reifen in Brand, um gegen die wirtschaftliche Not zu demonstrieren.
Die massiven Erhöhungen der Kraftstoffpreise am Wochenende haben in ganz Syrien zu den umfangreichsten Demonstrationen seit dem Machtwechsel vor fast zwei Jahren geführt nach einem kräftigen Preisanstieg am Wochenende. Die syrische Regierung setzte den Preis für Diesel um 40 Prozent auf 175 syrische Pfund je Liter herauf. Neben Diesel verteuerten sich auch Benzin sowie Haushalts- und Industriegas spürbar.
Straßensperren und brennende Reifen zwischen Damaskus und Aleppo
In mehreren Landesteilen gingen die Menschen auf die Straße, um ihren Unmut über die drastischen Verteuerungen auszudrücken. Wie unter anderem in Aleppo berichtet wurde, errichteten Demonstranten Barrikaden und steckten Reifen in Brand. Betroffen war auch die wichtige Verkehrsverbindung zwischen der Hauptstadt Damaskus und dem industriellen Zentrum Aleppo. Darüber hinaus stoppten Protestierende Konvois von Rohöltankern auf dem Weg zu Raffinerien im Zentrum des Landes.
Die Demonstranten richteten ihre Forderungen direkt an die politischen Verantwortungsträger. Einige Teilnehmer forderten laut Berichten den Rücktritt der Minister für Energie und Wirtschaft sowie des Chefs der Syrian Petroleum Company.
Wir wollen keine höheren Löhne. Wir wollen nur niedrigere Diesel- und andere Kraftstoffpreise.
Yasser Salim, Demonstrant in Aleppo
Ein anderer Teilnehmer wandte sich direkt an Präsident Ahmed al-Sharaa und kritisierte die finanzielle Last für die Bevölkerung angesichts einkommender Devisen an den Grenzübergängen und forderte stattdessen Maßnahmen zum reinen Überleben. Ein Taxifahrer schilderte zudem, dass Fahrgäste bereits über höhere Tarife klagen und die Teuerung unweigerlich auf Lebensmittel und den gesamten Alltag Übergreifen werde.
Wirtschaftlicher Druck und hohe Armutsraten nach Jahren des Konflikts
Die jüngsten Preissprünge verschärfen die ohnehin prekäre Wirtschaftslage in dem vom Bürgerkrieg gezeichneten Land weiter. Nach Angaben des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen leben rund 90 Prozent der Syrer unterhalb der Armutsgrenze. Zum Vergleich: Vor Beginn des Konflikts im Jahr 2011 lag dieser Anteil bei etwa einem Drittel der Bevölkerung.
Die aktuelle Anpassung umfasst neben der Dieselpreiserhöhung auch ein Plus von rund 9 Prozent für Haushalts- und Industriegas. Benzin mit 95 Oktan verteuerte sich um 28 Prozent auf 195 Pfund, während die Variante mit 90 Oktan um 26 Prozent auf 185 Pfund angehoben wurde. Im Vergleich zum Monat Februar bedeutet dies für 95er-Benzin einen Anstieg von rund 86 Prozent, während sich der Dieselpreis mehr als verdoppelt hat.
Energieministerium verweist auf Importabhängigkeit und globale Märkte
Das Energieministerium verteidigte die Preissprünge als vorübergehenden Schritt. Ein Sprecher des Ministeriums, Abdulhamid Salat, erklärte, die Maßnahme sei durch gestiegene globale Beschaffungskosten sowie die starke Abhängigkeit des Landes von Importen bedingt. Die internationale Referenzsorte Brent verzeichnete im selben Zeitraum einen Zuwachs von rund 44 Prozent auf 104,61 US-Dollar je Barrel.

Zusätzlich gerät die syrische Rohölversorgung, die stark auf Lieferungen aus Russland gestützt ist, durch ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien und daraus resultierende Ausfuhrbeschränkungen Moskaus unter Druck. Auch innerstädtische Engpässe spielen eine Rolle: Die Raffinerie Baniyas als größte Anlage des Landes befindet sich derzeit für eine dreimonatige, umfassende Wartung im Stillstand, was die angespannte Angebotssituation im Raffineriebereich weiter verschärft.
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