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Welt

Schweden: Kopf-an-Kopf-Rennen bei Parlamentswahl erwartet

Schweden hat am Sonntag, dem 13. September 2026, eine mit Spannung erwartete Parlamentswahl abgehalten, die als Richtungswahl für das Land gilt. In den Umfragen lieferten sich das regierende Mitte-Rechts-Lager von Ministerpräsident Ulf Kristersson und die sozialdemokratische Opposition ein Kopf-an-Kopf-Rennen, während die rechtspopulistischen Schwedendemokraten erstmals eine Regierungsbeteiligung anstreben. Die Wahllokale öffneten um 8 Uhr und schlossen um 20 Uhr. Rund acht Millionen Menschen waren aufgerufen, ihre Stimme abzugeben.

Die schwedischen Wählerinnen und Wähler haben am Sonntag über die politische Zukunft des Landes entschieden. Ein Sieg des rechten Lagers unter Ministerpräsident Ulf Kristersson könnte erstmals die rechtspopulistischen Schwedendemokraten an die Regierung bringen. Damit könnte sich der Wandel des Landes von einer der liberalsten Gesellschaften in Europa hin zu einer strikten Einwanderungs- und Integrationspolitik verfestigen. In Umfragen lag der linke Block zusammengerechnet ganz knapp vor dem rechten Block, wobei in drei Umfragen der vergangenen Woche die vier Parteien des Oppositionsbündnisses zusammen auf rund 50 Prozent der Stimmen kamen, während die vier Parteien der Rechten etwa 47 Prozent erreichten.

Siegt Rechts oder Mitte-Links

Ulf Kristersson und die Perspektive einer Regierungsbeteiligung der Schwedendemokraten

Ministerpräsident Ulf Kristersson führt derzeit eine Minderheitsregierung an, die in den vergangenen vier Jahren von der Moderaten Partei, den Christdemokraten und den Liberalen gebildet wurde und im Parlament von den rechtspopulistischen Schwedendemokraten gestützt wurde. Bei der letzten Wahl hatten die Rechtspopulisten damals Kristerssons Moderaterna erstmals als zweitstärkste Kraft im Parlament überholt. Sollte das bürgerliche Lager erneut eine Mehrheit holen, würden die Rechtspopulisten dieses Mal Teil der Regierung. Das hatte Ministerpräsident Ulf Kristersson bereits im Frühjahr angekündigt. Noch vor wenigen Jahren galt eine Regierungszusammenarbeit mit den Schwedendemokraten als Tabu. Die Partei entstand Ende der 1980er-Jahre im rechtsextremen Milieu und hat ihre Wurzeln in der Neonazi-Szene. Vor allem dank Jimmie Akesson, der 2005 den Vorsitz übernahm, haben sie sich fest im politischen System etabliert.

Schweden: Kopf-an-Kopf-Rennen bei Parlamentswahl erwartet
Photo: epochtimes.de

Der 47-jährige Jimmie Akesson betrat im Wahlkampf unter anderem die Bühne in der kleinen Stadt Falun, wo er gelbe T-Shirts und dunkelblaue Schirmmützen mit dem Aufdruck seiner Partei in die Menge warf. Akesson sagte im Gespräch mit dem ARD-Studio Stockholm, seine Partei sei einfach zu groß geworden, um sie weiter zu ignorieren, und erklärte: „Die Moderaten haben verstanden, dass sie entweder mit uns oder mit den Sozialdemokraten regieren müssen.“ Befürworter des Kurses von Ministerpräsident Ulf Kristersson verweisen darauf, dass die parlamentarische Zusammenarbeit mit den Rechtspopulisten in den vergangenen vier Jahren zu weniger Bandenkriminalität und einem Rückgang der Asylbewerberzahlen geführt habe. Jimmie Akesson kündigte zudem an, im Falle einer Regierungsbeteiligung das Tragen von Nikab und Burka verbieten zu wollen, da Kleidung wie diese Werte widerspiegle, die nicht nach Schweden gehörten.”

Richtungswahl in Schweden

Die scharfe Debatte um Kriminalität, Einwanderung und Wirtschaftssteuern

Schweden: Kopf-an-Kopf-Rennen bei Parlamentswahl erwartet
Photo: DIE ZEIT

Im Wahlkampf waren Kriminalität, Einwanderung, Gesundheit und Wirtschaftssteuern zentrale Themen. Besonders der Kampf gegen Bandenkriminalität und Drogenkriminalität steht seit Jahren im Fokus von politischen Debatten in Schweden. Doch laut dem Politologen „sind die Kriminalität und die Benzinpreise gesunken, und diese Themen haben daher nicht mehr die Priorität bei den Wählern.“ Der 35-jährige Geschäftsmann Filip Lundin erklärte dazu, die Regierung habe „wirklich gute Arbeit geleistet“, da es jetzt „weniger Schießereien, und die Wirtschaft wächst“.”””

Parlamentswahl in Schweden

Gleichzeitig wird die wirtschaftliche Ungleichheit in der Bevölkerung in Schweden größer. Die Linke möchte mit höheren Steuern für Banken und Spitzenverdiener dagegen angehen, um in Gesundheit und Bildung investieren zu können und ärmere Haushalte angesichts der steigenden Lebenshaltungskosten zu entlasten. Dies überzeugte Hanna Justine Hallbo; die 46-Jährige, die in der Modebranche arbeitet, sagt: „Ich glaube, dass sich Schweden verändert hat und viel stärker gespalten ist. Die Gesundheitsversorgung und die soziale Absicherung haben sich in den vergangenen Jahren verschlechtert.

Sweden heads to polls in close election race dominated by welfare state and security

Knappe Umfragen und schwierige Mehrheitsverhältnisse

Schweden: Kopf-an-Kopf-Rennen bei Parlamentswahl erwartet
Photo: tagesschau.de

Erste Prognosen wurden nach Schließung der Wahllokale um 20 Uhr erwartet, aussagekräftige Ergebnisse gegen 21 Uhr. Traditionell sind die Sozialdemokraten um die von ihnen angeführte Opposition um Magdalena Andersson mit Abstand die stärkste Kraft in Schweden, doch nach der Wahl droht ungeachtet des Ergebnisses eine komplizierte Regierungsbildung. In Schweden haben kleine Parteien bei der Regierungsbildung traditionell einen großen Einfluss; bei dieser Wahl könnte es etwa die Zentrumspartei sein. Der Wahlforscher Torbjörn Sjöström vom schwedischen Meinungsforschungsinstitut Novus erklärt zu den Schwedendemokraten, dass diese heute vielen anderen populistischen Parteien in Europa ähnelten und „einen schwedischen Weg des Populismus entwickelthätten, der „nicht laut oder schreiend, sondern gemäßigter wirkt, aber provokant bleibt.

Sweden election: A turning point for the far right? • FRANCE 24 English
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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