Indien richtet am 12. und 13. September 2026 den BRICS-Gipfel in Neu-Delhi aus. Der von den USA geführte Krieg gegen den Iran und daraus resultierende Handelsstopps belasten das Treffen der elf Mitgliedstaaten schwer, während Premierminister Narendra Modi um einen gemeinsamen Konsens ringt.
Wenn die Staats- und Regierungschefs der BRICS-Staaten am Wochenende im Bharat Mandapam in Neu-Delhi zusammentreten, steht die Staatengemeinschaft vor ihrer bisher größten Zerreißprobe. Ursprünglich angetreten, um als wirtschaftliches und geopolitisches Gegengewicht zum Westen zu agieren, wird der Gipfel von einem offenen militärischen Konflikt in den eigenen Reihen überschattet.
Der Iran-Krieg und die Spaltung zwischen Teheran und Abu Dhabi
Mehr als sechs Monate nach dem Beginn der US-israelischen Angriffe auf den Iran im Februar 2026 ist das Bündnis tief gespalten. Der Konflikt hat zu einer faktischen Blockade der Straße von Hormus geführt, einer der wichtigsten Schlagadern des weltweiten Ölhandels. Die Rohölpreise bewegen sich dadurch hart an der Marke von 100 US-Dollar pro Barrel, wobei Brent-Rohöl laut Berichten von Crypto Briefing über 97 US-Dollar gehandelt wird.
Für die ölimportierenden Giganten wie Indien und China bedeutet dies einen massiven wirtschaftlichen Druck auf Handelsbilanzen und Inflation, während Exportteure wie Russland, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (UAE) hohe Einnahmen verzeichnen. Doch die Spannungen gehen weit über ökonomische Interessen hinaus. Nach wiederholten iranischen Raketenangriffen zogen die UAE im August die Reißleine und stellten alle Handels- und Finanztransaktionen mit Teheran vollständig ein.

Michael Kugelman, leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter am Atlantic Council, erklärte gegenüber Reuters, einige der neuen Mitglieder der BRICS-Staaten, nämlich der Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate sowie Ägypten und Äthiopien, seien in Spannungen verwickelt und uneinig, was schlechte Nachrichten für eine auf Konsens basierende Entität seien.
Diese tiefen Gräben machten sich bereits im Mai bemerkbar, als die Außenminister der BRICS-Staaten bei einem Treffen in Neu-Delhi scheiterten und keine gemeinsame Abschlusserklärung herausgeben konnten. Kremlsprecher Dmitri Peskow räumte im September ein, dass die Differenzen zwischen Abu Dhabi und Teheran einen negativen Einfluss ausüben und das Entwerfen eines gemeinsamen Textes erschweren, wie Reuters berichtete.
Diplomatisches Ringen um die Abschlusserklärung in Neu-Delhi
Unter dem von Indien gewählten Motto des Aufbaus im Hinblick auf Widerstandsfähigkeit, Innovation, Zusammenarbeit und Nachhaltigkeit versucht Premierminister Narendra Modi, eine gemeinsame Formel zu finden, die von allen elf Mitgliedern getragen werden kann. Als Vorbild dient dabei der im selben Monat abgehaltene Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) in Bischkek. Dort gelang es den Beteiligten, eine Erklärung zu formulieren, die den US-israelischen Militärfeldzug gegen den Iran und westliche Sanktionen verurteilte, obwohl die Organisation auch US-nahe Staaten umfasst.

Ob sich dieses Kunststück angesichts der direkten Konfrontation zwischen den VAE und dem Iran im BRICS-Format wiederholen lässt, bleibt jedoch ungewiss. Saudi-Arabien, das seine Vollmitgliedschaft bislang nicht offiziell vollzogen hat, nimmt lediglich mit Delegationen auf niedrigerer Ebene teil; Außenminister Faisal bin Farhan Al Saud reist nach Neu-Delhi.
Xi Jinping, Wladimir Putin und das geopolitische Gewicht der erweiterten Staatengemeinschaft
Trotz interner Reibungen bleibt die Anziehungskraft des Blocks ungebrochen. Nach der Erweiterung im Jahr 2024, bei der Ägypten, Äthiopien, der Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate und Indonesien beitraten, repräsentiert das Bündnis einen substanziellen Teil der Weltwirtschaft. Nach Analysen von Al Jazeera sowie CNBC wird die Gruppe als ein Forum für die mächtigsten Nationen außerhalb des Westens gesehen.
Chinas Staatschef Xi Jinping reist für das Treffen nach Indien — es ist sein erster Besuch im Nachbarland seit sieben Jahren. Begleitet wird das hochrangige Treffen von den Anwesenheiten des russischen Präsidenten Wladimir Putin, des iranischen Präsidenten Masoud Pezeshkian, des südafrikanischen Präsidenten Cyril Ramaphosa, des ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi, des indonesischen Präsidenten Prabowo Subianto sowie UN-Generalsekretär António Guterres. Die Vereinigten Arabischen Emirate werden durch den Kronprinzen von Abu Dhabi, Scheich Khaled bin Mohamed bin Zayed Al Nahyan, vertreten.
Wirtschaftliche Souveränität versus westliche Vorherrschaft
Während russische Vertreter wie Präsident Wladimir Putin die Plattform nutzen, um eine neue Weltordnung genannten Gegenentwurf zur westlichen Vorherrschaft zu propagieren, sehen Forscher die Realität differenzierter. Brasilianische Wissenschaftler der Universität São Paulo betonten gegenüber Al Jazeera, dass BRICS zwar kein präzises institutionelles Instrument wie die Vereinten Nationen darstelle, um konkrete geopolitische Krisen sofort zu lösen, aber seine bloße Existenz den Ländern des globalen Südens eine unerlässliche Stimme verleiht, um den Westen bei Kooperationsprojekten zu umgehen.

Sean Burges, Professor an der kanadischen Carleton University, weist darauf hin, dass es dem Bündnis in erster Linie um wirtschaftlichen Wohlstand durch internationalen Handel und das Ende westlicher Belehrungen in Fragen von Demokratie und Menschenrechten geht. Ob die Staatengemeinschaft jedoch angesichts ihrer heterogenen Mitglieder in der Lage ist, verbindliche finanzielle und währungspolitische Alternativen zu etablieren, wird maßgeblich von den Verhandlungen hinter den Kulissen in Neu-Delhi abhängen.
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