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Welt

Unternehmensinsolvenzen in Deutschland auf höchstem Stand seit 2013

Deutschlands Wirtschaft verzeichnet im ersten Halbjahr 12.812 Unternehmensinsolvenzen – den höchsten Stand seit 2013. Trotz erster konjunktureller Erholungssignale und leicht angehobener Wachstumsprognosen klagen Betriebe über hohe Energie- und Arbeitskosten sowie massive Bürokratiebelastungen, wobei besonders Verkehr, Gastgewerbe und das Baugewerbe hart getroffen sind.

Die deutsche Wirtschaft fasst zwar wieder Tritt, doch die Zahl der Firmenpleiten bewegt sich auf einem historischen Höchststand. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes meldeten die Amtsgerichte in den ersten sechs Monaten des Jahres 12.812 beantragte Unternehmensinsolvenzen. Dies entspricht einem Anstieg von 6,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Eine ähnlich hohe Zahl war in einem ersten Halbjahr zuletzt im Jahr 2013 mit 13.253 Fällen registriert worden. Im April 2026 registrierten deutsche Amtsgerichte nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) insgesamt 2,276 Unternehmensinsolvenzen, was einem Anstieg von 7,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat entspricht, während für das erste Quartal insgesamt ein Anstieg im Jahresvergleich um 6,5 Prozent verzeichnet wurde. Im Jahr 2025 gaben rund 188.000 Unternehmen den Betrieb auf, was einem Anstieg von 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht und die höchste Zahl seit fast 20 Jahren markiert.

Branchen im Fokus und finanzielle Dimension der Gläubigerforderungen

Besonders schwer trifft die Insolvenzwelle traditionelle Wirtschaftszweige. Laut den vorliegenden Daten der Amtsgerichte standen vor allem Firmen aus den Bereichen Verkehr und Lagerei, gefolgt vom Gastgewerbe und dem Bau, im Zentrum der Pleitewelle. Die Statistiker wiesen darauf hin, dass bezogen auf 10.000 Unternehmen im ersten Halbjahr 36,2 Betriebe zahlungsunfähig wurden. Im Bereich Verkehr und Lagerei lag dieser Wert bei 71,6 Fällen je 10.000 Betriebe, gefolgt vom Gastgewerbe mit 59,6 und dem Baugewerbe mit 53,4 Fällen. Allein im Juni mussten so viele Betriebe ihre Pforten schließen wie seit 14 Jahren nicht mehr.

Die Forderungen der Gläubiger aus diesen Insolvenzen bezifferten die Behörden auf rund 18,5 Milliarden Euro. Im Vergleich dazu lag die Summe von Januar bis Juni 2025 mit rund 28,2 Milliarden Euro deutlich höher. Dieser Rückgang bei den Gesamtforderungen erklärt sich dadurch, dass im Vorjahreszeitraum wirtschaftlich bedeutendere Großunternehmen Insolvenz anmelden mussten. Neben den Firmenpleiten stiegen auch die Verbraucherinsolvenzen an: In den ersten sechs Monaten wurden bundesweit 38.932 Fälle verzeichnet, was einem Zuwachs von 2,4 Prozent entspricht.

Stimmen aus der Wirtschaft zu Kostenlasten und strukturellen Reformen

Wirtschaftsverbände und Kammern sehen in den anhaltenden Belastungen das Hauptproblem für die Betriebe. Kammervertreter betonen, dass der administrative Druck und die laufenden Ausgaben viele Unternehmer an den Rand ihrer Existenz bringen. Laut der Kreditauskunftei Creditreform sind inzwischen nicht mehr nur kriselnde Unternehmen betroffen, sondern auch Betriebe mit guter oder zumindest durchschnittlicher Bonität. Patrick-Ludwig Hantzsch, Sprecher von Creditreform, warnte: Die Krise ist nun dabei, sich durch die gesamte Wirtschaft zu fressen.

Unternehmensinsolvenzen in Deutschland auf höchstem Stand seit 2013
Photo: DIE ZEIT

„Die schon lange schleppende Binnenkonjunktur, hohe und weiter steigende Kosten für Energie und Arbeit sowie überbordende Bürokratie nehmen vielen Unternehmen die Luft.“

Unternehmensinsolvenzen in Deutschland auf höchstem Stand seit 2013
Photo: n-tv.de

Evers forderte von der Bundesregierung, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen wieder in den Fokus zu rücken und Reformen rasch umzusetzen, um von solchen Negativrekorden wegzukommen. Gleichzeitig gibt es in der Gründerszene einen Boom: Zwischen Januar und Juni wurden 3.053 Startups neu gegründet. Die deutsche Wirtschaft wuchs im ersten Halbjahr trotz der Belastungen durch höhere Energiepreise infolge des Irankriegs stärker als erwartet, weshalb viele Institute und Banken ihre Prognosen für das BIP-Wachstum in diesem Jahr auf bis zu 1,4 Prozent anhoben. Zugleich strahlt das internationale Marktumfeld aus, da die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen im Zuge weltweiter Bond-Abverkäufe und steigender Renditen bei US-Treasuries den höchsten Stand seit Mai 2011 erreichte.

Zahl der Insolvenzen steigt auf den höchsten Stand seit 2014
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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